Reden mit der Robbe aus Plüsch

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Mit einem mütterlichen Leuchten in den Augen streichelt Anneliese Hoyer die Kuschelrobbe Anna, die ihr Hannah Kratz, FH-Studentin und zugleich Praktikantin in der Seniorenresidenz, auf den Schoß gesetzt hat.

Nieder-Roden (chz) - Abwechslungsreicher Besuch in der K + S Seniorenresidenz in Nieder-Roden: vier Studentinnen und Studenten der Fachhochschule Frankfurt und eine elektronisch gesteuerte Robbe aus Plüsch.

„Eine Robbe für gewisse Stunden“ nennt die Fachzeitschrift „Altenpflege“ das niedliche weiße Etwas, das drei Vormittage lang die Bewohner begleitet hat. 57 Zentimeter lang und gut zweieinhalb Kilo schwer ist das therapeutische Tier. Es ist einem echten Robbenbaby nachempfunden und mit Funktionen ausgestattet, die dazu einladen, mit ihm in Beziehung zu treten: Die kleine Robbe wendet ihren Kopf nach Stimmen, blinkert mit den Augen, reagiert auf ihren Namen und hat aufgrund von Helligkeitssensoren einen Tag- und Nachtrhythmus. Dank eingebauter Sensoren bedankt sie sich für angenehmen Umgang mit freundlichem Fiepen, während sie grobe Behandlung mit leichten Unmutslauten quittiert. Damit wirkt das Kuscheltier fast wie ein echtes Lebewesen.

Erst wollte Erika Wegstein gar nicht richtig ran an Kuschelrobbe Anna, aber dann streckt sie doch ihre Hand aus, um die weiche Robbe vorsichtig zu streicheln.

In der Seniorenresidenz haben Hannah Kratz, Melanie Schneider, Thekla Wißler und Philipp Rosenberger vom Fachbereich „Soziale Arbeit“ der FH Frankfurt praktische Erfahrungen zu ihrer Gruppenarbeit im Rahmen des Moduls „Lebensqualität und Orientierung in der Altenhilfe“ gesammelt. Als erstes haben sie dem in Japan entwickelten Tier, das einige tausend Euro gekostet hat, einen anderen Namen gegeben: „Paro“ wurde durch „Anna“ ersetzt. Gleich kamen die ersten Reaktionen: Heimbewohnerinnen erinnerten sich anhand des Namens an Töchter, Enkelkinder oder an frühere eigene Tiere. Manche hörten gar nicht mehr auf zu erzählen, andere nahmen zumindest wieder Kontakt mit Anna und darüber auch mit den Studierenden und ihren Tischnachbarn auf.

Seniorenresidenz als Grundlage für Feldstudien

Eine Rollstuhlfahrerin antwortete auf das Angebot, Anna auf ihren Schoß zu bekommen, zunächst mit einem kurzen kategorischen „Nein!“, um in der zweiten Runde, nach längerem Zuschauen bei den anderen Frauen im Wohnraum der Station dann doch zaghaft die Hand auszustrecken und die weiche weiße Schnauze zu streicheln.

Der Kontakt zwischen dem Altenpflegeheim und der elektronischen Robbe Anna kam über Hannah Kratz zustande, die während ihres Studiums ihr Praktikum in Nieder-Roden ableistet. Sie nutzte die Seniorenresidenz gleich als Grundlage für ihre Feldstudien. Hintergrund der Teamarbeit der Studenten ist es zu erforschen, ob mit elektronischen Helfern tatsächlich ein therapeutischer Effekt und damit eine Steigerung der Lebensqualität zu beobachten ist oder nicht. Im Fokus des Interesses stehen dabei vor allem alte und demente Menschen.

Ausstellung zum Thema „Barrierefreies Wohnen und Leben“

Den Anstoß zu dieser Arbeit gab Professorin Barbara Klein vom Fachbereich 4 für Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Frankfurt. Dort stellt eine Ausstellung zum Thema „Barrierefreies Wohnen und Leben“ weitere und noch spektakulärere so genannte „emotionale Robotik“ vor. Darunter versteht man elektronische Helfer, um sich besser im Leben zurechtzufinden, auch im fortgeschrittenen Alter oder in Krankheitsfällen. Die Ausstellung ist jeden letzten Mittwoch im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

Zwar können sich nicht alle Pflegeeinrichtungen das teure Tier oder eines seiner roboterhaften Kollegen für ihre kranken und dementen Bewohner leisten, doch zunehmend mehr können zeitweise gemietet werden. Die Ergebnisse der Studenten lassen jedenfalls erkennen, dass Anna in der stationären Altenhilfe wie in der Nieder-Röder Seniorenresidenz so manche schon verschollen geglaubten Lebensgeister wieder weckt.

Quelle: op-online.de

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