Krippe aus dem gelben Sack

Weihnachtsgeschichte auf 20 Quadratmetern im Pfarrsaal

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Kreatives Recycling: Für Markus Zang ist das Basteln ein Ausgleich zur Arbeit.

Eine riesige Krippenlandschaft ist am Wochenende im Pfarrheim St. Matthias zu sehen. Sie ist 20 Quadratmeter groß und geht über den Stall von Bethlehem weit hinaus. Die Landschaft erstreckt sich bis nach Jerusalem und zum See Genezareth.

Nieder-Roden – Das Besondere daran: Gelände und Gebäude bestehen zum größten Teil aus leeren Verpackungen, die sonst im gelben Sack gelandet wären.

Jesus in der Krippe, Maria und Josef: Mehr braucht man nicht, um die biblische Weihnachtszene nachzustellen. Na gut, vielleicht noch Ochs und Esel. Die Hirten vom Feld. Die Heiligen Drei Könige. Und schon ist man auf dem besten Weg, weitere Elemente zu ergänzen.

Auch Markus Zang hat vor acht Jahren mit einem einfachen Stall angefangen. Jedes Jahr baute er ein paar Teile dazu. Als die Möglichkeiten der klassischen Krippenlandschaft ausgereizt waren, ergänzte er sie um einen Fluss. Dann um den See Genezareth. Jerusalem, die Tempelberge, ein Fischerdorf und eine Römerstadt kamen später dazu.

Nieder-Roden: „Ich kaufe kein Baumaterial“

„Ich kaufe kein Baumaterial“ ist das Credo des Bastlers. Die einzige Ausnahme sind Holzstäbchen – und natürlich Montagekleber und Acrylfarbe, die er in rauen Mengen verbraucht. Mindestens drei Farbschichten sind notwendig, damit nichts durchscheint. Denn fast alle Baulichkeiten bestehen aus leeren Verpackungen. Die Kuppel des Felsendoms zum Beispiel war mal eine Plastikschale für Krautsalat.

„Kreatives Recycling“ nennt Markus Zang seine Bastelarbeit. Aus Styropor-Verpackungen baut er Mauern und Felsen. Den blauen Himmel am Horizont malt er auf Sperrholzplatten, die einmal als Schrankrückwand dienten. Der Sperrmüll bietet sich dafür als Fundgrube an.

Auch viele Naturmaterialien sind verbaut. „Am Anfang habe ich mit Moos gearbeitet, doch irgendwann hat die Landschaft ausgesehen wie im Schwarzwald“, erzählt Zang. Seither setzt er auf Sand und ähnliche Materialien. Sie passen besser zur kargen Landschaft Palästinas. Eigentümlich karg wirken auch die Bäume. Sie bestehen aus den Stümpfen abgeernteter Maispflanzen, die der Bastler einfach umdreht: Der Halm wird zum Stamm, die Wurzeln werden zu Ästen.

Nieder-Roden: Basteln als Ausgleich zur beruflichen Arbeit

Eine Stange Geld hat Markus Zang in Figuren investiert, um die Szenerie mit Leben zu füllen: „Ich versuche, es mit jedem Schritt lebensechter zu machen.“

Das Basteln ist für Zang ein Ausgleich zur beruflichen Arbeit. An einem großen Gebäude, zum Beispiel einem Tempel, arbeitet er etwa zehn Stunden. „Allein dieses Jahr habe ich mindestens sechs Quadratmeter dazu gebaut“, sagt er. Nun hat er ein Platzproblem: „Letztes Jahr konnte ich noch zwei Drittel meiner Krippenlandschaft im Wohnzimmer aufbauen. Jetzt ist sie zu groß. Ich will sie auch einmal komplett sehen.“

Die Gelegenheit dazu bietet sich heute und morgen im katholischen Pfarrheim an der Schulstraße. Die Ausstellung ist nur ein paar Schritte vom Adventsmarkt entfernt. Geöffnet ist sie heute von 16 bis 20 Uhr und morgen von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden für die Sternsinger sind gern gesehen.

VON EKKEHARD WOLF

Quelle: op-online.de

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