Ausgrabung werden fortgesetzt

Noch Rätsel um die Wasserburg

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Jugendliche haben unter Anleitung der Kreisarchäologin Dagmar Kroemer und mit Hilfe von Klaus Kredel und Ewald Simon ein weiteres Stück Mauerkrone der Wasserburg freigelegt. Sie arbeiteten mit Hacke und Spaten, aber auch mit Spachtel und Pinsel.

Hainhausen - Die Suche nach Resten der Hainhäuser Wasserburg geht weiter. Voraussichtlich am 5. August setzen die Archäologinnen des Kreises Offenbach die Grabung in der Rodau-Aue fort.

Mit dabei sind wieder Mitglieder des Geschichts- und Kulturvereins Hainhausen (GKH) und andere Helfer der Bodendenkmalpflege.

Im Sommer letzten Jahres hatten Profis und Ehrenamtliche erstmals eine 19 Meter lange Mauer und Teile des Fundaments freigelegt. Sie fanden verzierte Keramikscherben und ein Stück Butzenglas, also Hinweise auf wohlhabende Bewohner. Das größte Fundstück war ein mannshoher Eichenholzpfahl aus dem 12. Jahrhundert. Archäologin Dagmar Kroemer sprach im Herbst von „ziemlich sensationellen Funden“.´

Einige Fundstücke restauriert

Nun sind einige der Fundstücke restauriert. Der GKH und der Kreis Offenbach wollen sie demnächst im „Haus der Vereine“ der Öffentlichkeit präsentieren. Der Kreis hat die Restaurierung bezahlt.

Bei den Funden soll es sich um Reste der Wasserburg der Herren von Haginhusen (Hainhausen) handeln. Diese Adelsfamilie wurde 1108 erstmals erwähnt. Bereits im 19. Jahrhundert wurde bei der Vertiefung des Mühlgrabens das Fundament eines runden Wohnturms von elf Meter Durchmesser entdeckt.

Wo einst die Burg stand, befindet sich heute eine große Wiese in der Rodau-Niederung zwischen Burgstraße und August-Neuhäusel-Straße. Drei bis vier Meter östlich des Mühlgrabens wurde im vorigen Sommer gegraben. Nun wird das angrenzende Stück Boden untersucht. „Wir haben auf jeden Fall vor, bis zum Mühlgraben zu gehen“, kündigt GKH-Vorsitzender Roland Schlitt nach Gesprächen mit der Archäologin an. Die Grabung solle die Annahme bestätigen, „dass wir an eine Ecke der Umfassungsmauer gestoßen sind“. Spannend sei auch die Frage, was innen im Burggelände noch zu finden sei.

Hainhausen: Teilerfolge bei Ausgrabungen

Die Ausgrabungen der Hainhausener Wasserburg sind im vollen Gange. Zwei Archäologen und viele weitere freiwillige Helfer beteiligen sich an dem Projekt. Mittelalterliche Funde weisen bereits auf ein „herrschaftliches Anwesen“ hin.

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Jugendliche der Gewerblich-Technischen Schulen Offenbach haben die August-Aktion bereits vorbereitet. Roland Schlitt: „Die Jungs haben drei Tage lang kräftig gegraben und wieder ein Stück Mauerkrone freigelegt, spannenderweise von dem südlichsten Punkt, den wir bisher hatten, fast im 90-Grad-Winkel nach Südwesten abknickend.“ Im vergangenen Jahr habe sich noch angedeutet, dass die Mauer einen Bogen mache. „Jetzt hat sich gezeigt: Es ist kein Bogen, sondern offenbar eine Mauerecke.“ Innerhalb der Fläche seien Holzkohle und Ofenkacheln zum Vorschein gekommen, „die wir noch nicht in der Sammlung hatten“.

Die eigentliche Grabung beginnt auch in diesem Jahr nach der Heuernte. Erneut wird nur ein eng begrenzter Bereich aufgegraben, um den Boden und die Arbeitskräfte zu schonen. Die Archäologinnen wissen genau, wo sie suchen müssen. Auch im vergangenen Jahr hatten sie die Geländeschnitte nicht aufs Geratewohl angesetzt: Eine vom GKH bezahlte geoelektrische Untersuchung hatte gezeigt, an welchen Stellen Steinstrukturen in geringer Tiefe zu erwarten waren.

Keine unbedeutenden Landadeligen

Die einstigen Burgbewohner waren keine unbedeutenden Landadeligen. Die Herren von Haginhusen übernahmen zwischen 1183 und 1190 die Burg Eppstein im Taunus, nannten sich fortan Eppsteiner und gelangten innerhalb kurzer Zeit zu großer Macht. Vier Eppsteiner waren zwischen 1200 und 1305 Erzbischöfe der Diözese Mainz. Gleichzeitig waren sie Kurfürsten und Reichserzkanzler. Der erste von ihnen, Siegfried II., wurde 1165 wohl in der Wasserburg geboren.

eh

Quelle: op-online.de

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