KV hält Standort für verzichtbar

Notdienst in Dudenhofen vor dem Aus

+

Rodgau - Ist der ärztliche Notdienst in Dudenhofen noch zu retten? Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen hält den Standort für verzichtbar. Die Obleute der Notdienstzentralen im Kreis Offenbach folgen diesem Weg. Von Ekkehard Wolf

Der Rodgauer Magistrat will noch versuchen, die KV zum Umdenken zu bewegen. Aber Bürgermeister Jürgen Hoffmann ahnt: „Wir kämpfen auf verlorenem Posten. “ Noch ist offiziell nichts entschieden. „Vor dem 1. Januar 2015 sind in Rodgau keine Veränderungen geplant“, betont Petra Bendrich von der KV Hessen. Die Reform der ärztlichen Bereitschaftsdienste sei landesweit beschlossen und werde in fünf Phasen umgesetzt. Die letzte Phase startet Anfang 2015.

Der Spielraum der Ärzteschaft vor Ort ist gering. „Wir können nur zustimmen oder auf die Barrikaden gehen, eine rechtliche Handhabe haben wir nicht“, sagt Dr. Hubert Kremer. Der Jügesheimer Internist ist Obmann der Notdienstgemeinschaft Rodgau. Deren Vollversammlung hat beschlossen, keinen Widerstand zu leisten, sondern die Entwicklung konstruktiv zu begleiten.

Im Kreis Offenbach noch drei Notdienstzentralen

Wenn es nach der KV Hessen geht, gibt es im Kreis Offenbach künftig nur noch drei Notdienstzentralen: im Osten (Seligenstadt), in der Mitte (Dietzenbach) und im Westen (Langen). Allein aus finanziellen Gründen sieht Dr. Kremer keine Chance, die Zentrale in Dudenhofen aufrecht zu erhalten. Bisher hätten die niedergelassenen Ärzte aus Rodgau, Rödermark und Babenhausen gemeinsam das Defizit von rund 150.000 Euro pro Jahr getragen. Ab 2015 müssten alle Ärzte in Hessen einheitlich zwei Prozent ihres Honorars in die Notdienstkasse der KV einzahlen. Für die Mediziner im Kreis Offenbach sei das etwa ebenso viel wie bisher. Es sei nicht zumutbar, zusätzlich noch die 150.000 Euro für Dudenhofen aufzubringen.

Die Notdienstzentrale in der Friedberger Straße 30 gilt als eine der am besten ausgerüsteten Zentralen im Frankfurter Umland. Sie ist täglich von 18 Uhr bis 7 Uhr besetzt, mittwochs bereits ab 13 Uhr, freitags ab 15 Uhr und am Wochenende durchgehend. Unter der Woche ist ein Arzt vor Ort, am Wochenende gilt Doppelbesetzung. Die Ärzte behandeln 12.000 bis 15.000 Patienten pro Jahr.

Die seltensten Krankheiten der Welt

Die seltensten Krankheiten der Welt

Lesen Sie dazu auch:

Patienten stehen hinter Notdienst

Neue Räume für den Notdienst

Notdienst muss bleiben

Auch künftig werde die Versorgung „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein, meint Obmann Dr. Kremer. Patienten aus Rodgau könnten unter den Bereitschaftsdiensten in Seligenstadt und Dietzenbach wählen; und aus Rödermark sei der Weg nach Dietzenbach sogar näher als bisher. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte schon früher versucht, die Rodgauer Zentrale aufzulösen. Bereits 2005 wollte sie fünf der damals sieben Standorte im Kreis Offenbach schließen. Ärzte, Patienten und Stadtparlament protestierten erfolgreich.

Die nun geplante Ausdünnung löste im März einen Aufschrei der Politik aus. Die Freien Wähler sammelten eine vierstellige Zahl an Unterschriften für den Erhalt der Notdienstzentrale. Bei der Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes geht es um die Organisation von rund 11.000 Vertragsärzten für 6,1 Millionen Bürger. Die KV Hessen strebt landesweit einheitliche Strukturen, eine einheitliche Telefonnummer und einheitliche Öffnungszeiten an. Künftig soll es auch mehr Hausbesuche geben.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare