250 Rodgauer protestieren für Erhalt

Notdienstzentrale muss bleiben

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Rodgau muss als größte Stadt im Kreis Offenbach seine Notdienstzentrale behalten. Es darf nicht sein, dass 15.000 Patienten jährlich im Notfall in eine Notdienstzentrale in einer anderen Stadt fahren oder stundenlange Wartezeiten in einer Klinik auf sich nehmen müssen. Das forderten etwa 250 Teilnehmer einer Demonstration.

Rodgau - „Die Notärzte müssen bleiben.“ „Wir lassen uns die Notdienstzentrale nicht nehmen.“ Die Forderungen der Teilnehmer einer Demonstration am Samstag in Jügesheim waren eindeutig. Von Bernhard Pelka

Etwa 250 Rodgauer folgten der Einladung der Fraktion von „Zusammen mit Bürgern“ und machten ihrem Unmut über die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) Luft. Die Demonstranten trafen sich am Alten Friedhof. Das hatte durchaus symbolischen Charakter. Denn die KV möchte die Notdienstzentrale in Dudenhofen gewissermaßen begraben. Ab Januar 2015 soll es im Landkreis Offenbach nur noch drei solche ärztlichen Stützpunkte geben: in Seligenstadt, Dietzenbach und Langen. Die Rodgauer Patienten sollen dann zusehen, wie sie im Notfall dort hinkommen.

Die Kommunalpolitik reagierte darauf bisher eher verhalten. Es kam lediglich zu einer zaghaft beworbenen Unterschriftenaktion, initiiert von den Freien Wählern im Kreis. 8 000 Unterzeichner haben sich bis jetzt angeschlossen.

Hauptredner Hans Pickert forderte mehr Engagement der Kommunalpolitik für den Erhalt des ärztlichen Notdienstes.

Der von ZmB organisierte friedliche Demonstrationszug vom Friedhof bis zum Rathaus war die erste Aktion gegen die KV-Pläne, die den Protest deutlich sichtbar auf die Straße brachte. Seine Enttäuschung über die bisherigen Reaktionen äußerte denn auch Hauptredner Hans Pickert vor dem Rathaus. Der Fraktionsassistent von ZmB forderte unter dem Applaus der Teilnehmer eine öffentliche Stellungnahme von Bürgermeister Jürgen Hoffmann ein. Nicht verstehen könne er die wachsweiche Position der Rodgauer Notärzte, sagte Pickert. Diese hatten beschlossen, sich nicht gegen die Schließung zu wehren, sondern diesen Prozess konstruktiv zu begleiten.

35 Jahre unschätzbare Dienste

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35 Jahre habe die Zentrale in Rodgau unschätzbare Dienste geleistet. „Das lassen wir uns nicht nehmen“, kündigte Pickert kämpferisch an. Die Möglichkeiten seien zwar gering. Aber Pickert gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass weitere Protestaktionen folgen werden.

Für die Rodgauer VdK-Gruppen sprach Ludwig Wissel. Er vermisste die Solidarität von Ärzten und Kommunalpolitikern. Auch Horst Böhm, Fraktionsvorsitzender von ZmB, forderte mehr Unterstützung seitens der Kommunalpolitik. Unter den Teilnehmern waren viele Patienten der Notdienstzentrale. Zum Beispiel Petra Kütenbrink aus Dudenhofen. Deren Enkel verdankt dem raschen Eingreifen der Ärzte sein Leben. „Er hatte sich beim Essen bei uns böse verschluckt und war schon blau angelaufen. Bis nach Seligenstadt ins Krankenhaus hätten wir es nicht mehr geschafft. Zum Glück war die Notzentrale um die Ecke. Sonst würde er nicht mehr leben“, berichtete Kütenbrink am Rande der Veranstaltung.

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Im Zug liefen auch Stadtrat Werner Kremeier (Grüne) und die Weiskircher Ortsvorsteherin Annemarie Jonas (CDU) mit. Kremeier betonte allerdings, er sei nicht als Vertreter des Magistrats anwesend, sondern „privat hier“. Jonas sagte, dieses wichtige Thema erfordere Aktionen „über Parteigrenzen hinweg“. Weshalb das Ordnungsamt und die Polizei die angemeldete Demonstration im Autoverkehr auf der Ludwigstraße nicht absicherten, vermochte Kremeier auf Anfrage nicht zu sagen. Lediglich an der Kirche St. Nikolaus parkte ein Wagen der Polizei, als der Protestzug durch die Hintergasse das Rathaus in Jügesheim erreichte.

Quelle: op-online.de

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