Gebühren für Bürgerhäuser und Sporthallen

Veranstalter entlasten Stadtkasse

+
Die Bürgerhäuser sind für Veranstalter ein Kostenfaktor geworden. Für den leeren Saal des Bürgerhauses Nieder-Roden bezahlen Privatpersonen oder Firmen 40 Euro pro Stunde. Vereine bekommen die Räume billiger, je nachdem, ob sie selbst Eintritt verlangen. Mit den Geldscheinen, die hier zu sehen sind, könnte ein Fastnachtsverein den Saal für fast eine Woche mieten.

Rodgau - Nutzungsgebühren für Bürgerhäuser, Sporthallen und andere Räume sorgten vor einem Jahr für große Aufregung in der Rodgauer Vereinswelt. Die Bilanz nach dem ersten Jahr fällt nüchterner aus: Die meisten Vereine haben sich mit der Situation arrangiert. Von Ekkehard Wolf 

Die städtischen Finanzen werden um rund 200.000 Euro pro Jahr entlastet. Die Sporthallen sind weiterhin ausgebucht: Die Hoffnung auf frei werdende Trainingszeiten hat sich dort nicht erfüllt. Es war ein Paukenschlag: „Knallkepp sagen Fastnacht ab“ meldete unsere Zeitung am 12. Januar 2013. Der Rodgauer Carneval-Club sah sich nicht in der Lage, die Gebühren fürs Bürgerhaus Dudenhofen zu erwirtschaften. Eine Woche später hatte der RCC einen Ausweg gefunden: eine verkleinerte Show in der TSV-Halle. Dort gehen auch in diesem Jahr die Knallkepp-Sitzungen über die Bühne.

Der Rodgauer Tanzsportclub (RTC) hingegen sah keine Perspektive: Er richtet keine Standard- und Lateinturniere mehr aus. RCC und RTC sind wohl die prominentesten Opfer der Nutzungsgebühren. Für die meisten anderen Vereine gilt, was Wolfgang Linke von der Interessengemeinschaft der Ortsvereine (IGEMO) Dudenhofen so ausdrückt: „Im Großen und Ganzen spielt es sich ein.“ Eine Arbeitsgruppe der Ortsvereine habe die Unstimmigkeiten einiger Gebührenrechnungen aufgearbeitet und offene Fragen im Gespräch mit der städtischen Gebäudewirtschaft geklärt. Linke lobt die „vernünftige Kooperation“ mit der Stadt. Die Zeit der turbulenten Diskussionen ist für ihn vorbei.

Mehr Einnahmen als geplant

Auch für Wolfgang Hein von der IGEMO Nieder-Roden sind die Hallengebühren kein Konfliktthema mehr. Mehrere Vereine hätten ihre Auf- und Abbauzeiten neu eingeteilt. Es habe ja auch Vorteile, gleich nach Veranstaltungsende abzubauen. Zehn Sporthallen, drei Bürgerhäuser und fünf andere öffentliche Gebäude stehen in der Gebührensatzung. Die Einnahmen waren höher als geplant. „Den Ansatz von 200.000 Euro haben wir ohne die Dauermietverhältnisse erreicht. Da wird noch eine Zahl von etwa 25.000 Euro on top kommen“, schätzt Erster Stadtrat Michael Schüßler, nachdem die ersten neun Monate verbucht sind.

Das gute finanzielle Ergebnis führt Schüßler auf externe Vermietungen zurück: „Das war ja auch ein Stück weit Auftrag an uns.“ Das Bürgerhaus Nieder-Roden sei ein beliebter Ort für Hochzeiten und andere Familienfeiern. In Weiskirchen richte der Restaurantpächter auch Saalveranstaltungen aus. Beide Häuser seien praktisch an jedem Wochenende belegt. Allein im ersten Dreivierteljahr seien in Nieder-Roden 80 und in Weiskirchen 71 Einzelveranstaltungen gebucht und bezahlt worden.

„Gewinnerthemen sehen anders aus“

Das Nutzungsverhalten der Vereine habe sich kaum verändert, berichtet Schüßler: „In unseren Sporthallen gab es keinen Einzigen, der aus Kostengründen auch nur eine Stunde zurückgegeben hat.“ Die Abendstunden zwischen 17 und 21 Uhr seien nach wie vor belegt: „Wir haben aber noch gewisse Restkapazitäten zu anderen Zeiten.“ Der Erste Stadtrat hofft, dass der eine oder andere Verein nun seine Nutzungszeiten auf den Prüfstand stellt, um auch neuen Trainingsgruppen eine Chance zu geben. Die Stadt strebe eine einvernehmliche Lösung an: „Wir sind mit allen Beteiligten im Gespräch. Das geht nicht von heute auf morgen.“

Häufig kritisiert wurden anfangs die Anmeldeformulare. Wer zum Beispiel einen Raum im Sozialzentrum Nieder-Roden nutzen will, muss sieben Seiten ausfüllen. Allein der „Fragebogen zur Gefährdungsbeurteilung“ umfasst 16 Fragen, unter anderem nach Tischdecken und dem Warmhalten von Speisen. Von Regelungswut kann laut Michael Schüßler keine Rede sein: „Die Gefährdungsbeurteilung hätten wir so und so anpassen müssen. Da gab es Versäumnisse. Die Frage, wie eine Veranstaltung steuerlich zu beurteilen ist, haben wir auch zu klären.“

Für die Raumvergabe hat der Fachdienst Gebäudewirtschaft eineinhalb Stellen mit Personalkosten von zusammen 60.000 Euro, wie Erster Stadtrat Schüßler berichtet. Auf die Abrechnung entfielen 15 Prozent der Arbeitszeit, also 9000 Euro. „Die Grundaufgabe war, den Kostendeckungsgrad der öffentlichen Einrichtungen zu erhöhen“, unterstreicht Michael Schüßler. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Stadt eine faire Lösung gefunden habe. „Aber machen wir uns nichts vor: Gewinnerthemen sehen anders aus.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare