Olivenernte und Hilfe in der Schule

+
Felix Otto bei der Hausaufgabenhilfe. In Israel lernt er derzeit Land und Leute kennen.

Jügesheim / Bethlehem ‐ In der Evangelisch-Lutherischen Unesco-Schule Talita Kumi in Beit Jala, einem Ort westlich von Bethlehem, überblickt man die gesamte Region Bethlehem.

Auf dem Berg gelegen, fast direkt an der Trennmauer, bietet sie für etwa 800 Schülerinnen und Schülern vom Kindergarten bis zum Abitur eine der besten Ausbildungsmöglichkeiten in Palästina. Der Jügesheimer Felix Otto (20) ist im vergangenen August nach seinem Abitur an der Claus-von-Stauffenberg-Schule nach Israel/Palästina ausgereist, um in Talita Kumi sein Volontariat zu beginnen. Nach seiner Konfirmation arbeitete er als Teamer in der Jügesheimer Emmausgemeinde mit und sammelte Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit und lernte auch die engen Verbindungen zur Unesco-Schule bei Bethlehem kennen. Sozial engagiert und technisch begabt war er aktiv im Technik-Team der Emmausgemeinde und bei der TGS Jügesheim, wo er viele Jahre zur Jugendfastnacht auf der Bühne stand. Hier sein Erfahrungsbericht:

Die Mauer, die alle trennt.

„Nun bin ich schon mehr als zwei Monate in Talita Kumi. Ich habe mich gut eingelebt und genieße die palästinensische Mentalität und Kultur. Man fühlt sich wie in einer großen Familie. Ob Lehrer oder Küchenfrau - alle sind immer freundlich und hilfsbereit. Ich lebe in Talita mit 13 weiteren Volontären, die meisten von zwei verschiedenen Organisationen nach Palästina entsandt. Meine Hauptarbeit ist es, Jihad, den stellvertretenden Schulleiter, zu unterstützen. Dazu zählen vor allem Aufgaben im Computerbereich. Auch im Unterricht bin ich dabei. Manche Klassen haben Deutsch sogar als Unterrichtssprache, manche lernen Deutsch als Fremdsprache mit ein paar Wochenstunden.

Hilfe auch in Englisch und Mathe

Talita Kumi ist nicht nur eine Schule, es gehören auch ein Gästehaus und die Boarding-Section, das einzige Mädcheninternat in Palästina, dazu. Dort beginnt für uns Volontäre nachmittags ab 15 Uhr die Hausaufgabenhilfe. Wir helfen auch in Englisch und Mathe. Nur bei Arabisch muss ich passen.

Die Evanglisch-Lutherische Unesco-Schule Talita Kumi in Beit Jala bei Bethlehem.

In meiner Freizeit versuche ich, viel in der Westbank zu erkunden und Kontakte mit Palästinensern zu knüpfen. Ich war bereits mehrmals in Jerusalem. Es ist wirklich eine sehr schöne Stadt. Einmal erlebten wir dort ein heftiges Unwetter. Auf den Straßen bildeten sich reißende Fluten, die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht fassen. Und die Temperaturen schlugen Purzelbaum - von 30 Grad runter auf kalte zwölf Grad, dann wieder auf über 30 Grad. Unser erster größerer Ausflug führte an den See Genezareth. Dort wurden wir auf unsere Arbeit in der Schule vorbereitet. Der See ist wunderschön. Es hat uns auch viel Spaß gemacht, darin zu schwimmen. Weiteres Reiseziel war Tel Aviv. Die dort lebenden Israelis wissen kaum etwas vom Leben und der Kultur der Araber im Westjordanland (in der Westbank). Auch die israelischen Medien tragen wenig dazu bei, die Menschen auf der israelischen Seite über die Problematik der Besatzung in der Westbank zu informieren. Unvergesslich wird mir die Olivenernte auf dem Olivenberg bei Auguste Victoria bleiben (. . .)“.

Fakten

  • Von den 32.000 Einwohnern in Bethlehem sind 2009 rund 1000 Menschen ausgewandert, darunter viele Christen.
  • Heute beträgt der Anteil der Christen an der Bethlehemer Bevölkerung nur noch knapp 40 Prozent.
  • 1967, vor dem Sechstage-Krieg, war Bethlehem 576 Quadratkilometer groß. Seit dem Bau der Trennmauer sind es noch 80 Quadratkilometer.

Quelle: op-online.de

Kommentare