Familienzentrum bringt Generationen zusammen

Omas und Opas sind gefragt

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Isabel Ritzkat (links) mit Söhnchen Leen und den Patengroßeltern Steffen und Sylvia Kumschier. Alle zusammen verstehen sich prima und haben viel Spaß im Garten.

Nieder-Roden - „Gemeinsam statt einsam“ nennt sich eine Initiative des Familienzentrums und der städtischen Seniorenberatung Rodgau, das Generationen zusammenführen will. Die Idee ist, für Familien die passenden Ersatzgroßeltern zu finden. Von Simone Weil 

Dass Oma und Opa und Enkel weit auseinanderwohnen ist keine Seltenheit. Manchmal ist auch kein Nachwuchs vorhanden, der Wunsch aber groß, etwas mit Kindern zu tun zu haben. Dafür ist das Projekt unter dem Motto „Enkel gewünscht, Großeltern gefunden“ wie geschaffen: Menschen zu verbinden, die zwar nicht verwandt sind, aber bei Unternehmungen mit dem Nachwuchs gerne so tun würden, als wären sie es.

Isabel Ritzkat und die Kumschiers haben sich bereits gefunden. Für ihr 21 Monate altes Söhnchen Leen hat die alleinerziehende Mutter Ersatzgroßeltern gesucht. Sie hat sich den Familienanschluss sehr gewünscht. Denn ihre Mutter lebt in Dresden, der andere Teil der Familie in Österreich. Dabeiist es der 36-Jährigen wichtig, Großeltern zu haben, damit ihr Leen weitere Bezugspersonen bekommt. „Mit Oma und Opa machen Kinder andere Erfahrungen, weil sie aus einer anderen Generation stammen und werden außerdem von ihnen verwöhnt“, findet Isabel Ritzkat.

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Wenn es ums Verwöhnen geht, ist Leen bei Sylvia (52) und Steffen (53) Kumschier offensichtlich richtig: Für ihren Paten-Enkel hat das Paar im Garten Sand- und Wasserbecken angeschafft, eine Rutsche, Kinderrasenmäher und vieles mehr. Darüber hinaus ist Rassekater „Kaschi“ ist für den kleinen Jungen eine zusätzliche Bereicherung.

Zusammengefunden haben alle Beteiligten über eine Ankündigung in der Zeitung: Wegen „familiärer Unstimmigkeiten“ war den Wunschgroßeltern der eigene Enkel vorübergehend abhandengekommen. „Das war eine Situation, unter der wir sehr gelitten haben“, erzählt Sylvia Kumschier. Deswegen seien sie offen für die Initiative gewesen und genießen nun die Zeit mit dem kleinen Kind. Inzwischen hat sich ihre Familiensituation wieder entspannt und nun haben beiden eben zwei Enkel.

Bei der ersten Begegnung, die Nicole Höfer vom Familienzentrum vermittelt hat, waren sich alle Betroffenen sympathisch und steckten gemeinsam die Bedingungen ab. Obwohl Leen Allergien und auch Neurodermitis hat, schreckten die neuen Bekannten nicht zurück. Sylvia Kumschier, die eine leidenschaftliche Kuchenbäckerin ist, suchte sich Rezepte für Leckereien, die der kleine Junge ohne Einschränkung genießen kann. „Das geht schon alles“, beruhigt die 52-Jährige mögliche Interessenten. Sie selbst hätte auch bei einem behinderten Kind als Enkel keine Bedenken.

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Da ihr Mann und sie noch berufstätig sind, sehen sie ihren Patenenkel vorwiegend am Wochenende: Isabel Ritzkat bildet sich beruflich weiter und ist froh, wenn sie am Samstag unbelastet von der Betreuungsfrage die Schulbank drücken kann. Doch die zahnmedizinische Fachangestellte freut sich auch sonst, wenn alle vier sich treffen. Denn inzwischen ist eine Freundschaft entstanden. Und das ist auch das Wichtige an der Aktion.

Auch im Familienzentrum legt man großen Wert darauf, dass die Initiative nicht zur billigen Babysittervermittlung verkommt. „Es ist eine Beziehung, die aufgebaut wird“, sagt Isabel Ritzkat in aller Deutlichkeit. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass sich die Beteiligten ein bisschen sympathisch sein müssen. Doch wie weit das geht, wie viel Gefühl und wie viel Zeit sie investieren, ist ganz allein ihre Sache. Die Grenzen setzen allein die Beteiligten.

Insbesondere mögliche Ersatz-Omas und -Opas werden gesucht, die machen sich nämlich noch rar. Wer sich interessiert, meldet sich im Familienzentrum unter 06106/693-1167.

Quelle: op-online.de

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