Opel-Testcenters liegt im Plan

Explosive Funde auf der Baustelle

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Nicht nur an der Landesstraße Dudenhofen - Babenhausen wurde Wald gerodet, sondern auch im Zentrum der Anlage. Dort sind weitere Gebäude geplant. Auf dem Luftbild sind unter anderem die kreisrunde Schleuderplatte („Skidpad“) mit einem Durchmesser von 100 Metern, die kurvenreiche Bergstrecke und ein Ausschnitt der Hochgeschwindigkeits-Rundbahn zu erkennen. Ein Teil des Bildes wurde auf Bitte des Opel-Testcenters unkenntlich gemacht.

Dudenhofen - Munition aus dem Zweiten Weltkrieg bringt die Bauarbeiten am Opel-Testcenter durcheinander. Der Kampfmittelräumdienst ist Dauergast auf der Baustelle. Mehr als 3000 Geschosse wurden bereits gefunden. Dennoch sind die Arbeiten im Zeitplan. Von Ekkehard Wolf 

Das neue Portal und die Parkplätze sind fast fertig. „Da wir Munition gefunden haben, müssen wir jeden Quadratmeter absuchen“, berichtet Dr. Matthias Schollmaier, der Chef der Opel-Teststrecken in Europa. Schritt für Schritt gehen die Fachleute mit Metalldetektoren über das gerodete Gelände. Wenn der Detektor piept, wird der Gegenstand vorsichtig ausgegraben - „auch wenn es eine alte Blechdose ist“.

Oft stößt der Suchtrupp auf explosives Material, vor allem Geschosse, die die deutsche Wehrmacht in Flugabwehrkanonen verwendete. Kaliber: 20 Millimeter. Die 70 Jahre alten Flak-Granaten sind so marode, dass sie als nicht mehr transportfähig gelten. Sie werden gesammelt und dann unter kontrollierten Bedingungen gesprengt. Vier solcher Sprengungen gab es bereits.

Suche nach Weltkriegsmunition

Das Opel-Testcenter hat seine Markensäule bereits an die neue Zufahrt versetzt. Ein paar hundert Meter weiter im Wald wartet das neue Portal auf seine Eröffnung.

„Hier ist alles mit Flak-Granaten verseucht“, sagt Dr. Schollmaier. „Allein an der ,langen Geraden‘ haben wir etwa 1 500 Stück gefunden, insgesamt mehr als 3 000.“ Die „lange Gerade“ ist der gerodete Geländestreifen neben der Landstraße zwischen Dudenhofen und Babenhausen. Dort plant Opel eine schnurgerade Strecke für spezielle Tests wie die automatische Erkennung von Verkehrszeichen. Die Bauarbeiten an der „langen Geraden“ können voraussichtlich im Juli beginnen. Sie werden sich bis zum Sommer nächsten Jahres hinziehen. Bis die Weltkriegsmunition gefunden und entschärft ist, dürften noch zwei bis drei Monate vergehen. Die Suche hat bereits im vergangenen Jahr an der neuen Zufahrt begonnen. Damit kommt Opel einer behördlichen Auflage nach. Dr. Schollmaier: „Das war absehbar, als vor zwei oder drei Jahren an der Gärtnerei gegenüber eine Kiste mit Handgranaten und Munition gefunden wurde.“ Das Testcenter sei kein Einzelfall. An vielen Stellen in Deutschland schlummerten noch explosive Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs im Boden, besonders in Wäldern.

Das Opel-Testcenter hat seine Markensäule bereits an die neue Zufahrt versetzt.

Trotz der Munitionsfunde sind die Bauarbeiten insgesamt im Zeitplan, wie der Leiter des Opel-Testcenters betont. Nicht nur die Zufahrt, sondern auch die Ver- und Entsorgungsleitungen werden um etwa 500 Meter in Richtung Dudenhofen verlegt. Dieser Teil der Arbeiten ist abgeschlossen. Das neue Portal und die Parkplätze sind fast fertig. Von der Landstraße aus kann man das Portal allerdings nicht sehen, weil es hinter einer Kurve im Wald liegt. Ins Auge fällt aber die markante Säule mit dem Opel-Logo, die jetzt an der neuen Zufahrt steht. In der Mitte des Testgeländes werden ab Mitte/Ende Sommer weitere Gebäude errichtet. Dazu zählen eine neue Werkstatt für die Chassis-Entwicklung, ein Hochregallager für 8 000 Reifen und Abgasprüfstände zur Motoren-Entwicklung mit einem Parkhaus für die Testfahrzeuge. Zunächst werden drei Prüfstände für die Abgasnormen Euro 6 und 7 gebaut, später weitere neun. Bisher befinden sich die Abgasprüfstände im Opel-Entwicklungszentrum Rüsselsheim.

Baumrodung für Opel-Testcenter

Baumrodung für Opel-Testcenter

Mit der Erweiterung des Testcenters verlagert Opel auch Arbeitsplätze nach Rodgau. Derzeit hat das Testcenter zwischen 300 und 350 Mitarbeiter, in drei Jahren sollen es 500 sein. „Und in zehn Jahren 800“, hofft Dr. Matthias Schollmaier. Bis dahin muss er aber noch etliche Projekte umsetzen, die noch nicht einmal genehmigt sind. Dass er die Entscheider im General-Motors-Konzern überzeugen kann, hat der Visionär an der Spitze des Testcenters Rodgau seit 2001 schon in mehr als 110 Projekten bewiesen. Seine Erfahrung: „Wenn man erst den Fuß in der Tür hat, ist es schwierig, dieselbe wieder zu schließen.“

Opel testet seit 50 Jahren in Dudenhofen

Opel testet seit 50 Jahren in Dudenhofen

Quelle: op-online.de

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