50 Jahren Testcenter

Opel ist ein echter Glücksfall

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Das Opel-Prüffeld im Dudenhöfer Wald im Jahr 1968. Hier eine Steigungsstrecke.

Rodgau - Ein Zufall hat vor genau 50 Jahren der Stadt eine große Gewerbeansiedlung verschafft: das Opel-Prüffeld. Unglaublich, aber wahr: Rodgau verdankt Opel im Grunde einem postalischen Irrläufer! Von Bernhard Pelka

Die Rüsselsheimer GM-Tochter hatte 1963 ein großes Maklerbüro in Bonn mit der Suche nach Grundstücken für ein neues Testgelände beauftragt. Die Maklerfirma liebäugelte mit Gelände in Dudenhofen bei Speyer, schickte die Anfrage an die dortige Gemeinde aber irrtümlich nach Dudenhofen in Rodgau. Eine Verwechselung der Postleitzahl!

Der Dudenhöfer Heinz Carl erinnert sich noch genau an diese kuriose Fügung des Schicksals. Er saß damals, am 9. Juli 1963, als 22-Jähriger in der Poststelle der Gemeindeverwaltung und schob Urlaubsvertretung für eine Kollegin. Um die Briefe weiterleiten zu können, musste er sie öffnen und den Inhalt überfliegen. Es war zwar nichts Neues, dass Briefe für Dudenhofen in der schönen Pfalz oder Dutenhofen bei Wetzlar regelmäßig in Rodgau landeten. Trotzdem klingelten bei dem jungen Mann sofort alle Alarmglocken, als er das Schreiben aus Bonn las.

Ein Glücksfall

„Chef, da ist eine Sache, die ist auch für uns interessant.“ Mit diesen Worten machte der Rathaus-Neuling als Vertrauter des damaligen Bürgermeisters Ludwig Kratz 9. seinen Vorgesetzten auf die große Chance aufmerksam. Das war in der Tat ein Glücksfall. Denn in den 60er Jahren rannten Investoren und Firmen den Rodgauer Gemeinden nicht gerade die Bude ein. „Das Gegenteil war der Fall. Wir sind jedem Betrieb hinterhergelaufen, der auch nur irgendwie Interesse bekundet hatte“, erzählt Carl.

Das Originalanschreiben wurde brav nach Dudenhofen bei Speyer weitergeleitet. Aber natürlich griff Bürgermeister Kratz sofort zum Telefon und machte dem Bonner Maklerbüro klar, dass natürlich auch Dudenhofen bei Offenbach passendes Gelände anzubieten habe - was er schriftlich bekräftigte. Zu diesem Zeitpunkt kannte Kratz den eigentlichen Auftraggeber - Opel - noch nicht. In der Anfrage vom 9. Juli 1963 hieß es lediglich, ein internationaler Autohersteller suche ein großes Areal für eine Prüfstrecke - eine Gerade von fünf Kilometern Länge und bis zu 600 Meter Breite.

Video: Opel erweitert Testzentrum

Die Reaktion auf die Offerte aus Dudenhofen kam am 3. August 1963. Die Bonner Makler hatten aber offenbar immer noch nicht den Durchblick. Denn sie schrieben Kratz, dass Interesse an einem 50 bis 60 Hektar großes Areal im Gemeindewald von Dudenhofen bei Speyer bestehe, das auch die Nachbargemeinden Böhl, Schifferstadt und Speyer berühre. „Daraufhin haben wir der Firma in Bonn den Sachverhalt dargestellt und nochmals darauf hingewiesen, dass es sich um eine Verwechselung handelt, dass Dudenhofen bei Offenbach aber nach wie vor das Projekt realisieren könne und unsere Bewerbung natürlich Bestand habe“, berichtet Carl. Als Mitarbeiter der Hauptverwaltung begleitete er das Projekt maßgeblich. „Das war mein Steckenpferd!“

Endlich kam die Sache richtig in Gang. Opel gab dem Rodgauer Dudenhofen den Zuschlag, plante jetzt aber statt der geraden Teststrecke einen Rundkurs in den Fluren Nr. 20 und 28 bis 31. Dafür musste die Gemeinde Dudenhofen rund 170 Grundstücke von etwa 200 Eigentümern kaufen. Eine Mammutaufgabe! Kratz und Carl putzten unermüdlich Klinken - meist in den Abendstunden nach Dienstschluss. In 23 verschiedenen Gemeinden und Städten führten sie mit Grundbesitzern Verhandlungen. Schriftverkehr gab es sogar mit einem Miteigentümer in New York, Otto Liller, ehemals Organist in Dudenhofen, der in den 1930er Jahren ausgewandert war. Natürlich wollte nicht jeder verkaufen. „Aber der Hartnäckigkeit und dem Verhandlungsgeschick von Bürgermeister Kratz ist es zu verdanken, dass wir am Ende alle Unterschriften hatten. Und das in nur gut einem Jahr.“

Opel testet seit 50 Jahren in Dudenhofen

Opel testet seit 50 Jahren in Dudenhofen

Am 15. Oktober 1964 wurde der Kaufvertrag über 2,53 Millionen Quadratmeter Wald geschlossen. Der Kaufpreis betrug 5,834299 Millionen Mark und 60 Pfennige. Jetzt wurde die Geschichte ein weiteres Mal kurios. Denn Opel schickte die Schecks versehentlich nach Dudenhofen bei Speyer. „Bürgermeister Bettag ließ sie zurückgehen“, meldete die Pfälzer Tagespresse und titelte amüsiert: „Millionen ins falsche Dudenhofen“. Grundsteinlegung war dann im November 1964, die Eröffnung folgte im April 1966 - wohlgemerkt in Dudenhofen in Rodgau.

Quelle: op-online.de

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