Opel-Testcenter in Dudenhofen wächst

Mit Tempo 250 in der Steilkurve

+
Testfahrer Pascal de Witte mit fast 250 km/h auf der obersten Fahrspur der Hochgeschwindigkeitsstrecke: Für ihn und seine Kollegen ist das Alltag. Zu vielen Prüfprogrammen gehören ein paar Runden auf der Rundbahn. Der Testbetrieb läuft werktags in drei Arbeitsschichten rund um die Uhr. Bis zu 30 Testfahrer sind pro Schicht gleichzeitig auf dem Gelände im Einsatz.

Dudenhofen - Das Opel-Testcenter wächst über die Grenzen von 1966 hinaus. Die Stadt Rodgau verkauft dem Autokonzern fast 160.000 Quadratmeter Wald. Die Einfahrt zum Testcenter wird etwa 500 Meter in Richtung Dudenhofen verlegt. Von Ekkehard Wolf

Opel will innerhalb von drei Jahren 28,5 Millionen Euro investieren. Gestern eröffnete Opel mit großem Presserummel die erneuerte Rundbahn. Sie ist das Herz des Testcenters und das modernste Stück Straße weit und breit: Eine riesige Steilwandkurve von 4,8 Kilometern Länge, bestückt mit modernster Messtechnik. Etwa zehn Millionen Euro hat der Autokonzern hineingesteckt. Doch das war erst der Anfang.

Eine kleine Sensation verkündete der neue Opel-Entwicklungsvorstand Michael F. Ableson in der Pressekonferenz: Der Autokonzern will in den nächsten Jahren weitere 20 Millionen Euro in den Ausbau der Anlage stecken. Das bringt mehr Arbeitsplätze in den Wald zwischen Dudenhofen und Babenhausen. Der Leiter des Testcenters, Dr. Matthias Schollmaier, erwartet in zehn Jahren eine Verdopplung der Mitarbeiterzahl von 250 auf 500.

Opel baut Testzentrum in Dudenhofen aus

Der kriselnde Autobauer Opel steckt Millionen in den Ausbau seines Europa-Testzentrums in Rodgau-Dudenhofen. Die offizielle Wiedereröffnung der technisch erneuerten Hochgeschwindigkeits-Rundbahn.

Zum Video

Seit zehn Jahren arbeitet Dr. Schollmaier zielstrebig am Ausbau des Testcenters. Etwa 110 kleine und größere Projekte wurden seither in Dudenhofen konzipiert und umgesetzt. Dazu gehören Klimakammern für arktische Kälte und tropische Hitze, die kurven- und steigungsreiche „Handlingstrecke“ sowie eine Tankstelle, an der man sogar reinen Alkohol tanken kann.

Schollmaier spricht von einem Gesamtkonzept, in das sich die vielen Einzelprojekte wie Mosaiksteine einfügen. Das Ziel ist der Umbau des Prüffelds in ein Zentrum für Entwicklung, Erprobung und „Events“. Erst vor wenigen Tagen haben die Chefs von General Motors grünes Licht für die Erweiterung gegeben.

Schnurgerade Teststrecke von 2,1 Kilometern

Vor der Eröffnungsfahrt auf der Rundbahn (von links): Testzentrumsleiter Dr. Matthias Schollmaier, Opel-Entwicklungsvorstand Michael F. Ableson, Staatsssekretär Steffen Saebisch und Bürgermeister Jürgen Hoffmann am Weltrekordfahrzeug Eco-Speedster.

Parallel zur Landesstraße nach Babenhausen will Opel in den nächsten beiden Jahren eine schnurgerade Teststrecke von 2,1 Kilometern bauen. Sie ist unter anderem notwendig, um die automatische Erkennung von Verkehrszeichen oder von Menschen auf der Fahrbahn zu testen. „Ohne den Landkauf von der Stadt Rodgau wäre es nicht möglich gewesen, eine Gerade von mehr als 1,6 Kilometern hinzubekommen“, berichtet Dr. Schollmaier.

Ein zweiter Knackpunkt war der rechtliche Status des Waldes als so genannter Schutzwald. Die Väter des Opel-Prüffeldes wollten verhindern, dass Bäume gefällt werden, damit ihre „Erlkönige“ keine unliebsamen Zaungäste finden. „Damit haben sie sich jeder Entwicklungsmöglichkeit beraubt“, erklärt der heutige Chef des Testzentrums. Das Regierungspräsidium habe einen Ausweg aus dieser Selbstbeschränkung gezeigt. Trotz der Erweiterung wolle Opel die vorhandenen Biotope schonen: „Wir wollen so bauen, dass wir die zusammenhängende Waldfläche nicht zerschneiden.“ Der Bau parallel zur Landesstraße greife am wenigsten in die Natur ein. Auch Froschteiche und Eidechsenbänke blieben unangetastet.

Nächste Woche sollen Baumaschinen anrücken

Nächste Woche sollen Baumaschinen anrücken, um die Zufahrt zur neuen Messstrecke für Vorbeifahrgeräusche zu bauen. Zwei weitere Teststrecken zur exakten Einstellung der Airbags und zur Motorkalibrierung sollen ebenfalls bis April 2013 fertig sein.

Damit die neue Gerade neben der Landesstraße gebaut werden kann, muss die Einfahrt des Testzentrums um etwa 500 Meter in Richtung Dudenhofen wandern. Dort liegt derzeit ein Waldparkplatz. Zusätzliche Fahrspuren auf der Landstraße zum Abbiegen, Beschleunigen und Verzögern sollen die Verkehrssicherheit erhöhen. Auch mehr Parkplätze werden angelegt. In Zukunft sollen Test- und Eventbetrieb gleichzeitig laufen, ohne sich gegenseitig zu stören.

Weitere Projekte des Millionenpakets

Weitere Projekte des Millionenpakets sind eine große Werkstatt, ein Citykurs zur Simulation des Innenstadtverkehrs und eine Verlängerung der Handlingstrecke für Geschwindigkeiten bis zu 180 km/h. „Zum Abschluss werden wir 2014/15 sechs Kilometer einer öffentlichen Straße kopieren, die wir zurzeit bei Sobernheim und Pferdsfeld nutzen“, kündigt Dr. Matthias Schollmaier an. Die Straße im Hunsrück sei in so schlechtem Zustand, dass eine Sanierung nur eine Frage der Zeit sei. Zum Stoßdämpfertest sei sie aber ideal.

Lesen Sie zu diesem Thema auch:

Opel baut Testzentrum in Dudenhofen aus

Der Nachbau von öffentlichen Straßen hat im Opel-Prüffeld Tradition. Noch heute gibt es dort die Turracher Höhe (Österreich) oder das Kopfsteinpflaster der Mainzer Rheinstraße im Zustand von 1966. Auch ein Stück der Autobahn Darmstadt - Heidelberg (A 5) ist auf dem Gelände nachgebaut, noch mit Betonplatten. Die echte Strecke ist längst asphaltiert.

Quelle: op-online.de

Kommentare