Teststrecke wird erweitert

Opels Zukunft in Rodgau

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Rodgau - Der Autobauer Opel kann wohl wie geplant seine Teststrecke in Dudenhofen ausbauen. Das Votum der Regionalversammlung Südhessen gilt als reine Formsache. Schon in Kürze sollen die Bagger anrollen und den Kiefernwald roden. Von Ulrike Kleinekoenen 

Die Regionalversammlung Südhessen muss zwar noch abstimmen. Aber alles andere als eine breite Zustimmung für die Erweiterung des Opel-Testcenters in Rodgau am heutigen Freitag wäre eine faustdicke Überraschung. Ein „Ja“ des Gremiums, das wäre auch ein „gutes Signal für Opel und ganz besonders für den Standort Rüsselsheim“, sagt Opel-Sprecher Ulrich Weber. Denn das Werk in der Rhein-Main-Region könnte mit der Erweiterung der Teststrecke im Wald zwischen Rodgau-Dudenhofen und Babenhausen seine Position als Entwicklungszentrum der GM-Tochter festigen.

Ein insgesamt 28,5 Millionen Euro schweres Investitionspaket hat der Autobauer geschnürt für sein weitläufiges Testgelände, das etwa 40 Kilometer von Rüsselsheim entfernt liegt. Neue Werkstätten und modernste Prüfstände sollen dort in den nächsten Jahren entstehen. Zudem wird die gesamte Straßen-Infrastruktur auf dem Gelände erneuert und verbessert. Geplant ist der Bau eines sogenannten City-Kurses, auf dem typische Situationen im Stadtverkehr simuliert werden können, um neue Spritspar-Technologien zu testen.

Auch die Entwicklung von Fahrer-Assistenzsystemen, die beispielsweise Fußgänger rechtzeitig erkennen können, wird nach Auskunft des Unternehmens in Rodgau eine immer größere Rolle spielen.

Mehr Mitarbeiter im Testcenter

Die derzeit 60 Testkilometer, auf denen neben Testpiloten auch Ingenieure und Event-Teilnehmer täglich 30.000 Kilometer zurücklegen, sollen aufgestockt werden auf 100 Kilometer. Opel will seine Testabläufe bündeln, und dafür das bislang angemietete Testgelände des ehemaligen Militärflugplatzes „Pferdsfeld“ im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim in absehbarer Zeit aufgeben. Für die Erweiterung des knapp 250 Hektar großen Testgeländes in Rodgau will die Regionalversammlung Südhessen heute im Frankfurter Römer die Ampel auf Grün setzen.

Um eine Straßensituation darstellen zu können, ist der Bau einer zwei Kilometer langen Geraden geplant. Dass dafür 17,2 Hektar Kiefernwald – das ist etwa die Größe von etwa 23 Fußballfeldern –abgeholzt werden müssen, gehört zu den Wermutstropfen des Projekts. Im Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung hatten in der vergangenen Woche allerdings bereits alle Fraktionen beteuert, dass sie den Expansionsplänen des kriselnden Unternehmens keine Steine in den Weg legen wollen, vor allem auch mit Blick auf die Arbeitsplätze. Bisher arbeiten im Testcenter rund 250 Mitarbeiter, diese Zahl soll bis 2015 nahezu verdoppelt werden.

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Rodgaus Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) sieht in der Opel-Erweiterung eine „Chance für uns als Stadt“. Er erwartet durch den Ausbau des Testgeländes eine Magnetwirkung für Rodgau. Hoffmann betont die gute Zusammenarbeit zwischen dem Autobauer und der Kommune. So kann die Rodgauer Feuerwehr auf dem Gelände üben. Angeboten wird auch ein Sicherheitstraining, bei dem jedermann seine Fahrkünste unter anderem in Steilkurven und auf der Marterstrecke testen kann.

Viel Technik, viele Arbeitsplätze und viele Unterstützer in der Politik – die Naturschützer können da nur mahnen und ein scharfes Auge auf das Projekt werfen: „Wir leben in einem dicht bevölkerten Gebiet“, sagte Alwin Kröck, einer der Vorsitzenden des Naturschutzbunds Deutschlands (Nabu) in Rodgau. „Da müssen wir Kompromisse eingehen, auch wenn sie wehtun.“ Es werde Ausgleichsmaßnahmen geben, die allerdings nicht in der Region liegen könnten, weil es nicht genug Fläche gebe. Der Nabu sei aber rechtzeitig über alles informiert worden und werde kontrollieren, wie stark die Natur unter der Erweiterung leide. 

dpa

Quelle: op-online.de

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