Blasebalg ausgetauscht

Eine neue Lunge für die Orgel

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An dieser Stelle wird der neue Blasebalg Luft produzieren, um die Orgel anzutreiben und den Pfeifen Töne zu entlocken. Das mächtige Instrument ist nicht funktionstüchtig, wenn der Atem fehlt. Peter Fischer und Anton Habetin (rechts) bei den Vorbereitungen.

Jügesheim - Ohne Luft tut sich nichts. Denn nur wenn die Lunge des Instruments funktioniert, sind den Pfeifen Töne zu entlocken. Deswegen muss der verschlissene und bereits mehrfach geflickte Blasebalg der Orgel von St. Nikolaus in Jügesheim nach mehr als 110 Jahren ausgetauscht werden. Von Simone Weil

Orgelbauer Anton Habetin aus Straubing ist mit seinem Mitarbeiter Peter Fischer gerade dort zugange. Wer sich die schmale Wendeltreppe zur Orgel hinaufwindet, merkt schnell, große Teile können da nicht rauf- oder runterbefördert werden. Deswegen hat Anton Habetin im Kirchenraum eine Art Aufzug installiert, mit dem der neue Blasebalg auf die Empore hinauf- und die Reste des alten Teils hinuntergebracht werden. „Dass Ausbauen war das Schlimmste“, erzählt er.

Denn es ist heiß in diesen Tagen. Auch in der Kirche. Außerdem ist der Arbeitsplatz eng und schmutzig. Die beiden Männer müssen in der Hocke oder auf den Knien werkeln. Der Blasebalg ist eine 2,50 Meter lange Kiste, einem Sarg nicht unähnlich, in dem die rindslederne Lunge der Orgel schlummert. Habetin hat den unverzichtbaren Bestandteil des Instruments in seiner Werkstatt in Straubing gebaut und im Transporter nach Jügesheim gebracht.

Die Überreste der alten Orgel-Lunge liegen neben der Kirche. Um die Kiste abzudichten, sind die Holzwände regelrecht mit Zeitungen tapeziert. Die älteste Ausgabe, die die Männer entdeckt haben, stammt von 1892. „Der Blasebalg hat also mehr als 110 Jahre auf dem Buckel“, rechnet Habetin vor. Zu sehen sind noch Titelseiten des Würzburger Generalanzeigers von 1903 und des Fränkische Volksblatts von 1904.

Staub, Weihrauch und Kerzenruß haben in über 100 Jahren ihre Spuren hinterlassen: Rabenschwarz ist das Innenleben des Blasbalgs, der nach wiederholtem Flicken wieder an einer Stelle undicht war. Die vielen winzigkleinen Löcher sprechen außerdem dafür, dass der Holzwurm drin ist. Deswegen war nun nichts mehr zu retten: Es musste ein neuer Antrieb her.

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Etwa 4000 Euro kostet die neue Beatmungsmaschine der Pfeifenorgel, die für viele die Königin der Instrumente ist: „Das geht noch teurer, es kommt darauf an, welches Holz man nimmt“, erzählt der aus Tschechien stammende Handwerker, dessen Vater bereits Orgelbauer war. 60 bis 70 Orgeln betreut Habetin in den Bistümern Mainz und Würzburg. Die müssen etwa alle zehn Jahre gereinigt und alle 15 Jahre gewartet werden, erzählt der Fachmann. Ist der Blasebalg eingebaut, werden die Anschlüsse mit Filz und Leder abgedichtet, innen wird eine Spezialfarbe benutzt. Die Experten kontrollieren, ob alles funktioniert und wie die Orgel klingt. Anders anhören wird sich das Instrument trotz der Instandsetzung aber nicht.

Drei volle Tage haben die Männer gearbeitet – zum Teil bis 21 Uhr: „Deswegen wollen die jungen Leute so etwas ja auch nicht mehr machen“, sagt Habetin. Dabei ist die Pflege und Erhaltung der Instrumente wichtig. Deswegen wird in diese besonderen Gegenstände kirchlichen Inventars viel Zeit, Geld, Fachwissen und Herzblut investiert. Damit Gemeinden gemeinsam Lieder anstimmen und ihren Glauben besingen können. Damit spannende Konzerte nicht nur Gläubige bewegen, sondern auch anderen Zuhörern unter die Haut gehen. Denn dem Instrumente sind Töne zu entlocken, die die Wände beben lassen.

Dafür brauchen die Orgelpfeifen zuverlässig und gleichmäßig Luft: Um zu funktionieren und erhaben zu klingen. Bei allen feierlichen Anlässen.

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Quelle: op-online.de

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