Spritze in Schenkel

Nieder-Roden - Dicht aneinander schmiegen sich die kleinen flauschigen Küken, die kaum älter als zwei bis drei Tage sind. Manch eines ist schon munterer als die anderen und reckt und streckt sich über den Rand seiner Transportbox hinaus und versucht ins Freie zu hopsen. Von Peter Petrat

Beim dritten von insgesamt vier Impfterminen beim Geflügelzuchtverein Nieder-Roden war eine Menge los. Rechtzeitig zum Osterfest endet die Brutzeit der Hühner, die im Januar begonnen hat. Seitdem hat Zuchtmeister Robert Weiland mit seiner Frau Ursula alle Hände voll zu tun. Im Abstand von drei Wochen schlüpft der Nachwuchs der Züchter, der innerhalb weniger Tage gegen die Viruserkrankung „Marek“ geimpft wird.

Zunächst landen alle Eier der Züchter im sogenannten Brutkasten, erklärt Weiland, der die wichtige Aufgabe seit zwei Jahren im Verein begleitet. Doch nicht in jedem Ei steckt ein kleines Huhn - nur in den befruchteten. Mit einer Lampe hinter dem Ei lässt sich erkennen, ob ein Ei befruchtet ist oder nicht.

Nach und nach wandern die Eier eine Etage höher im Brutkasten, um ausgebrütet zu werden. Späteres Brüten nach Ostern lohnt sich nicht mehr für die Züchter, weil sie bis zu den Ausstellungen im Herbst ihre Jungtiere beurteilungsreif haben möchten. Mit einem Lebendimpfstoff und der Spritze wartet Dr. Thomas Redmann vom Geflügelgesundheitsdienst der Uni Klinik Gießen auf seine kleinen Patienten. Der Fachtierarzt für Geflügel spritzt den putzigen Fellknäueln 0,2 Milliliter Impfstoff direkt in den Unterschenkel, um der Marekschen Hühnerlähmung vorzubeugen.

Bilder von der Impfaktion

Impfung von 2000 Küken

Dabei handele es sich um die gleiche Impfung, die auch bei den Konsum-Legehennen vorgenommen werde, erklärt er. Fast 600 Tiere werden an diesem Vormittag von ihm gepiekst, insgesamt an allen vier Terminen über 2000. Damit sich die Aktion auch lohnt, kommen Züchter von umliegenden Vereinen mit ihrer Brut: unter anderem aus Dudenhofen, Messel und Froschhausen. Vorbereitet wird dann auch gleich eine weitere freiwillige Impfung, die in einer Woche von den Mitgliedern selbstständig über das Trinkwasser zugeführt wird.

Mitglied Robert Weiland ist einer von 14 aktiven Züchtern im Geflügelzuchtverein Nieder-Roden und erfreut sich jedes Jahr wieder daran, wenn in der Brutzeit neues Leben einkehrt. Stolz führt er durch die Anlage und zeigt die Küken, die bei den letzten Terminen geschlüpft sind. Zwar sitzen sie noch immer unter einer Wärmelampe in ihrem Gehege, sind aber bereits deutlich gewachsen. „Es ist einfach toll, die Tiere vom ersten Tag an aufwachsen zu sehen, bis sie dann bei Ausstellungen prämiert werden“, schwärmt er von seinem schönen aber teuren Hobby.

Auch Züchter Werner Gutjahr ist mit Herz und Seele dabei. Seine zwei Tage alten Küken werden von ihm kulinarisch verwöhnt. Die ersten Tage gibt es Tee, danach Wasser und nach einigen Tagen gehackte Brennnessel und andere Leckerbissen. Und was haben süße kleine Küken mit dem Osterfest zu tun? Das Ei gilt als Symbol für neues Leben oder die Wiedergeburt. Aus einem Ei schlüpft ein Küken, aus einem leblosen Gegenstand entsteht neues Leben.

Diese Symbolik bot sich geradezu an, in die christliche Symbolik um Ostern herum integriert zu werden. In der Interpretation der christlichen Kirche bedeutet das Osterei den Triumph des Lebens über den Tod, ebenso wie Jesu Christi Auferstehung nach der Kreuzigung.

Quelle: op-online.de

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