Für ein paar Takte wieder dazugehören

Jügesheim - (pep) Zum 30-jährigen Bestehen feierte die Rodgau Jazz Bigband (RJBB) mit ehemaligen Musikern und Freunden am Samstag im „Maximal“ ein ganz besonderes Konzert.

Neben der aktuellen Stammbesetzung ließen es sich viele ehemalige Bandmitglieder nicht nehmen, für einen kurzen Moment wieder dazuzugehören - auch wenn es nur für ein paar wenige Takte war.

Bereits nach dem ersten Stück begann der stetige Wechsel der Besetzung auf der Bühne und das Schlagzeug wurde nach dem Gastspiel von Harald Heinl wieder neu besetzt. „Ist Jazz das, wo alle immer durcheinander spielen?“, warf Jürgen K. Groh in seinen gekonnt kurzen und humorvollen Zwischenmoderationen als Frage auf und beantwortete sie sogleich mit einem: „Nein, dafür haben wir heute Noten“, bevor der Klang der Blechbläser ihn wieder übertönte. Gastspieler Stefan Langer manövrierte seinen riesigen Kontrabass für den Titel „This bass was made for walkin‘“ auf Bühne, auf der bereits vorher kaum noch Platz war.

Einen Bandleader oder Dirigenten hat die Band keinen. Die Stücke werden alle gemeinsam erarbeitet. Doch ganz ohne geht es dann doch nicht. Jürgen K. Groh übernimmt die Aufgabe, die Band bei Solo-Vorträgen zu führen. Gerade bei den so genannten offenen Soli, deren Dauer vom jeweiligen Solisten abhängt, muss den Instrumenten rechtzeitig Einhalt geboten werden. Zu „Willow weep for me“ bestieg die stimmgewaltige Kerstin Pfau die Bühne. Die Sängerin, die früher auch gerne Dudelsack gespielt hat, blieb noch für ein weiteres Stück, bevor es in die erste große Pause ging.

Zwischen den drei Sets mit je fünf Stücken war bewusst jeweils eine Pause eingeplant, damit sich die zumeist sehr fachkundigen Besucher untereinander austauschen konnten. Dementsprechend musste die Bestuhlung den für die Fachsimpelei geeigneteren Stehtischen weichen.

Die Bigband verfügt über einen kompletten Saxophonsatz, vier Posaunen, darunter eine Bassposaune, und vier Trompeten. Eine Rhythmuscombo aus Schlagzeug, Piano, Bass und Gitarre darf nicht fehlen.

Thomas Krause spielt Posaune und zählt zu der Handvoll verbliebener Gründungsmitglieder. Er ist stolz auf die vergangenen Jahre und blickt zuversichtlich in die Zukunft: Das jüngste Mitglied ist Anfang zwanzig und verstärkt die Musiker seit knapp einem Jahr. Damit besteht die Rodgau Jazz Bigband derzeit aus 19 Musikern.

70 Ehemalige waren eingeladen worden, knapp die Hälfte davon fand sich am Samstag Abend ein, um in familiärer Atmosphäre dem Jazz zu fröhnen. „Wenn eine Bigband über so viele Jahre besteht, dann steigt immer mal wieder jemand aus“,so Krause, „sei es aus beruflichen oder familiären Gründen, oder weil es einfach nur eine Zwischenstation war.“Darunter waren auch befreundete Musiker, die in Engpässen eingesprungen waren, zum Beispiel Willibald Spahn, der als Musiklehrer an der Georg-Büchner-Schule arbeitet.

Vor 30 Jahren gründeten Musiker aus dem Blasorchester des Musikvereins Nieder-Roden die Bigband unter den Namen „MV Company“. Der Schwerpunkt lag zunächst auf der Tanzmusik. Später wurde daraus die „Rodgau Brassband“, deren Repertoire sich immer mehr in Richtung des Bigbandjazz entwickelte. Ihren aktuellen Namen „Rodgau Jazz Bigband“ gab sich die Gruppe, um deutlich zu machen, dass sie nicht nur aus Blechblasinstrumenten und Schlagwerk besteht. Die RJBB ist nicht nur im Rhein-Main-Gebiet etabliert, sie kann auch auf viele Auftritte in Frankreich, Italien und Tschechien zurückblicken. Zum Programm gehören neben Interpretationen bekannter Künstler wie Toshiko Akiyoshi, Bob Brookmeyer oder Chic Corea auch liebevolle Eigenkompositionen.

Quelle: op-online.de

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