„Parole Emil“ im Berlin der 20-er Jahre

+
„Emil und die Detektive“: Gemeinsam verfolgen die Kinder den Dieb quer durch das Berlin der 20-er Jahre.

Nieder-Roden (pep) - „Nicht so schnell. Noch einmal hin und her gehen. Jetzt etwas schneller.“ Bei der Probe der Theatergruppe „Großes Welttheater“ im Saal des Gasthauses „Zum Engel“ wird noch an vielen Feinheiten gearbeitet, aber der erste Eindruck macht Lust auf mehr.

Zum ersten Mal wagen sich die Amateurschauspieler mit „Email und die Detektive“ an ein Musical. Die Premiere steht kurz bevor. Besonders die erfahreneren Akteure sind über die neue Spielform des Kinderromans von Erich Kästner aufgeregt, denn gesungen hat kaum einer von ihnen zuvor. „Aber ich kann doch gar nicht singen“, der Satz galt als Ausrede nicht.

„Schau nach vorne!“ Bereits im Prolog rutscht Melanie Wörner aus dem Regieteam auf ihren Knien hin und her, gestikuliert und gibt genaue Anweisungen. Zum ersten Mal betritt Emil Tischbein, gespielt von Adrian Hofferberth, die Spielfläche. Besonders für die jüngeren Schauspieler, für deren Rollen es sogar ein Casting gab, ist es am schwierigsten, die Hemmungen zu überwinden und aus sich herauszugehen. „Mehr Leidenschaft!“, ruft Melanie Wörner ihnen zu und nickt dann den Rest der Szene zufrieden.

Dass gerade ein Statist gefehlt hat, darüber hat man sich mit spontanem Ersatz hinweggeholfen. Bühnenhelfer Steffen Hartmann schlüpfte in die anspruchsvolle Rolle eines Denkmals mit der Aufgabe, sich einfach nicht zu bewegen.

„Jetzt ist das Licht aus. Umbau zum Neustädter Bahnhof“

„Jetzt ist das Licht aus. Umbau zum Neustädter Bahnhof“, lautet die nächste Regieanweisung. Schnell verlassen die Schauspieler die Bühne und Stühle werden herbeigeschoben. „Schlüter bereit? Wo ist er? Schlüter fehlt!“, dirigiert Wörner, die zusammen mit Anja Werner und Jens Förtig die Verantwortung übernommen hat. „Der hat schon den Zug genommen“, spaßen die anderen, bis der vermisste Kollege wieder auftaucht.

Der junge Emil (links) verabschiedet sich auf dem Bahnsteig von seiner Mutter und macht sich auf den Weg nach Berlin. Regisseurin Melanie Wörner (rechts) hat alles genau im Blick.

Bereits seit Mitte August läuft die heiße Probenphase, seitdem wird auch im Bürgerhaus geprobt, wo die Vorstellungen auch stattfinden werden. Wie wichtig das ist, zeigt sich auch im Saal der Gaststätte wieder. Zwar wurden die Stufen vom Bühnenaufgang extra mit Klebeband auf dem Boden abgeklebt, doch dran halten tut sich erst einmal niemand. Aber nur so lange, bis das Regieteam freundlich aber bestimmt noch einmal darauf aufmerksam macht.

„So jetzt geht das Licht an, die Helfer und der Erzähler schieben die Tür auf“, gibt es Informationen auch für die Bühnenarbeiter und Technikassistenten. Und noch bevor die nächste Szene beginnt, unterbricht Melanie Wörner schon wieder: „Stopp! Du hast zu lange gewartet.“ Damit am Ende wirklich alles perfekt ist, muss sie auch hier streng sein.

„Mehr Glamour! Mehr Berlin!“

In der Handlung in Berlin angekommen, gibt es wieder Ratschläge und Verbesserungsvorschläge von ihr. „Mehr Glamour! Mehr Berlin!“, lebt Wörner ihre Regiearbeit: „Und die Schuhe, die passen natürlich auch nicht zur Lederhose.“

Inzwischen läuft das Stück gut, der Text sitzt, Laufwege sind überwiegend klar und auch der Umgang mit den Requisiten wird bereits mit eingebaut. Doch „Wo ist das Fahrrad?“ flüstert man sich in der Regie zu. Also gibt es diese Szene noch einmal ohne. Aber das nächste Mal ist es dann mit dabei. Und wieder springen Zuschauer und Umbau- und Technikhelfer kurzerhand ein, als aus der Regie ein Ruf zu hören ist: „Ich brauch’ jetzt vier, die die Straßenbahn machen. Jetzt.“ Also marschieren bereitwillig vier Freiwillige in einer Schlange durch den Raum, heben die Hand und machen „tut tut“.

Wer etwas Großstadtluft aus dem Berlin der 20-er Jahre schnuppern und wissen möchte, wie die Geschichte ausgeht, der sollte zu einer der drei Aufführungen kommen.

Quelle: op-online.de

Kommentare