Große Angst

Patient verschwindet aus Frankfurter Uniklinik - Ehefrau durchlebt Albtraum

Universitätsklinik Frankfurt
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Aus der Notaufnahme der Universitätsklinik Frankfurt verschwand Patient Heinrich Walther.

Wegen des Coronavirus darf Christel Walther ihren dementen Ehemann nicht in die Uniklinik Frankfurt begleiten. Der 81-Jährige aus Rodgau verschwindet und wird erst Stunden später aufgefunden. 

Dudenhofen - Christel Walther durchlebte den Albtraum eines jeden Angehörigen. Sie vertraute ihren schwer dementen Ehemann Heinrich am 23. April wegen urologischer Probleme der Uniklinik Frankfurt an. Dort verloren Ärzte und Pflegepersonal in der Zentralen Notaufnahme den Mann gegen 19.30 Uhr aus den Augen. Der 81-Jährige verschwand, verirrte sich und wurde erst am nächsten Morgen gegen 5 Uhr, verstört auf der Erde liegend, im Treppenhaus eines Klinikgebäudes gefunden und später nach Hause gebracht.

Bei Christel Walther sitzt der Schock tief. „Mein Heinrich hätte tot sein können. Man kann sich nicht vorstellen, welche Ängste ich hatte. Die Klinik hätte besser aufpassen müssen. Sein Zustand war bekannt. Ich durfte nicht mitfahren – Corona. Jetzt ist er nicht mehr der Alte. Er ist total verängstigt und ist ja auch gestürzt. Er hat Blutergüsse.“

Rodgauer verschwindet in Uniklinik Frankfurt: Klinik bedauert Vorfall

In einer Stellungnahme bedauert die stellvertretende Klinik-Pressesprecherin Theresa Seubold den Vorfall. Man werde in der Klinik nun noch weitere Maßnahmen zur sicheren Betreuung von kognitiv eingeschränkten Patientinnen und Patienten prüfen, etablieren und die bestehenden Maßnahmen weiterentwickeln. Zur Frage, ob auch die Klinik von einer schuldhaften Verletzung der Aufsichtspflicht ausgeht, verweist die Pressesprecherin darauf, das Behandlungsteam habe „alle bislang zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergriffen, um Herrn Walther zu betreuen. Auch wurde er aufgrund seiner Grunderkrankung in einer Behandlungseinheit gegenüber dem Pflegestützpunkt behandelt, um den Sichtkontakt zu gewährleisten. Dass Herr Walther sich dennoch unbemerkt aus dem Behandlungsraum entfernen konnte, bedauern wir ausdrücklich“.

Christel Walther sagt, das sei geschehen, während der Arztbrief zur Entlassung geschrieben wurde. In der Stellungnahme heißt es weiter, am Uniklinikum sei 2020 ein Projekt initiiert worden, bei dem kognitiv eingeschränkte Patienten durch ein Kognitionsteam konsiliarisch betreut werden. Diese Zusatzleistung werde schrittweise eingeführt. „Für die Zentrale Notaufnahme steht diese Ausweitung jedoch erst noch an.“

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Heinrich Walther sei mit dem Rettungswagen in die Zentrale Notaufnahme gebracht worden. „Aufgrund der bekannten Demenz und des desorientierten Zustands von Herrn Walther wurde im Gespräch mit seiner Ehefrau eine telefonische Fremdanamnese vorgenommen. Eine Eigen- oder Fremdgefährdung konnte zu diesem Zeitpunkt nicht festgestellt werden.“ Herr Walther sei im Behandlungsablauf sehr umtriebig gewesen. Das Behandlungsteam habe versucht, ihm einen sicheren Aufenthalt zu gewährleisten, indem ihm zusätzliche Sitzgelegenheiten geschaffen wurden.

Rodgau: Ehefrau durfte Mann wegen Corona-Pandemie nicht in Klinik begleiten

Man sei auf seine Wünsche eingegangen und habe ihm ein zweites Patientenarmband angelegt, „das ein Tracking innerhalb der Zentralen Notaufnahme ermöglicht“ (aus dem Englischen, to track, folgen). Auch sei der Sicherheitsdienst früh informiert worden. Wegen hohen Patientenaufkommens sei eine 1:1-Betreuung aber trotz zusätzlichen Personals nicht möglich gewesen. Gesetzliche Betreuungspersonen könnten aber sämtliche Behandlungsschritte begleiten. Christa Walther war dies vom Rettungswagenteam allerdings verwehrt worden.

Die Suche durch Polizei, Sicherheitsdienst und die diensthabende Ärztin auf dem gesamten Gelände habe unverzüglich nach einem festgelegten Schema begonnen. Frau Walther sei telefonisch bis 1 Uhr auf dem Laufenden gehalten worden. Das Gelände sei weitläufig. Daraus ergebe sich leider, dass die Suche diese Zeit in Anspruch genommen habe. Die Klinik werde das Gespräch mit Frau Walther suchen. (Bernhard Pelka)

Der gegründete Rotary-Club Rodgau unterstützt seit vielen Jahren eine Klinik in Ghana.

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