Der Pelz muss weg

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Wie der Langhaarschneider beim Frisur surrt die Schafschurmaschine durch den Schafspelz.

Nieder-Roden ‐ Wie der Langhaarschneider beim Friseur surrt die Schafschurmaschine durch den Schafspelz. Markus Metzger packt die Vorderbeine und versucht das Tier schonend auf die andere Seite zu drehen. „Mach‘ dich doch nicht so steif“, redet er der Schafdame zu. Von Ekkehard Wolf

Nicht alle Schafe aus der kleinen Herde sind so störrisch oder verängstigt. Auch das größte Tier lässt sich bereitwillig auf den Teppich führen, der als „Frisiersessel“ dient. Kein Muskel zuckt, als der Schäfer zuerst den Kopf und die Stirn vom Fell befreit. „Schön machst du das“, lobt Markus Metzger und fährt mit der Elektroschere weiter am Körper entlang. Der Motor surrt mit 325 Watt.

Wie einen dicken Pelzmantel schält er die Wolle ab. Das Wollvlies soll möglichst zusammenbleiben, das macht die Weiterverarbeitung einfacher. Die Kunst besteht darin, möglichst dicht über der Haut zu schneiden, ohne sie zu verletzen. Wenn die Maschine mal doch in die Haut gezwickt hat, ist ein türkisblaues Wundspray schnell aufgesprüht.

20 bis 30 Minuten dauert die Prozedur. Dann liegen zwei bis drei Kilo Wollvlies auf dem Teppich. Ein Klaps aufs Hinterteil und das nackte Schaf springt auf. Ohne Fell sieht es fast mager aus.

Lissy ist noch zu jung um geschoren zu werden

Die kleine Schafherde gegenüber der Schule am Bürgerhaus lockt große und kleine Zuschauer an. Lea (6) hält ein fünf Zentimeter dickes Stück Wollvlies in der Hand, fühlt die weichen Haare und riecht den leichten Schafgeruch. Sieben Kindergartenkinder der Kita Alter Weg sind eigens aus Jügesheim gekommen, um dem Schäfer bei der Arbeit zuzusehen. Natürlich wollen sie auch ihr Patenschaf „Lissy“ streicheln. Das Tier ist erst wenige Monate alt - und damit noch zu jung, um geschoren zu werden.

Das Fell muss runter, weil es sich sonst verfilzt. Dann können sich Dornen darin festsetzen und Ungeziefer einnisten. „Die Rassen sind ja auf Wolle gezüchtet“, erklärt Markus Metzger. Mit dem Wollverkauf sei wenig Geld zu verdienen, ergänzt seine Partnerin Maria Koser: „Wer macht sich denn heute noch die Arbeit, selbst zu stricken? Es gibt sogar Schäfer, die die Wolle wegwerfen.“

So weit müssen die beiden Rodgauer nicht gehen. Die Schurwolle ihrer Skudden-, Merino-, Schwarzkopf- und Zackelschafe hat Liebhaber gefunden. Eine Kundin nimmt gleich einen großen Sack frisch Geschorenes mit, andere bestellen Wolle zum Filzen oder Spinnen.

Quelle: op-online.de

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