Peter Tauchert setzt sich für Wespen und Hornissen ein

Wespen umschwirren ihn seit 24 Jahren

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Peter Tauchert hat viel Erfahrung mit Wespen und Hornissen.

Rodgau - „Hilfe, wir haben ein Wespennest!“ Feuerwehrmann Peter Tauchert kennt diesen Hilferuf zur Genüge. Seit 24 Jahren ist er als ehrenamtlicher Wespenberater tätig. Seither hat er mehr als 4400 Bürger und Institutionen beraten. Sein Wissen und seine Erfahrung sind überregional gefragt. Zu einem Tagesseminar heute im Feuerwehrhaus Rodgau-Mitte sind Besucher bis aus den Niederlanden angereist. Von Ekkehard Wolf

Peter Tauchert (56) ist nicht nur Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, sondern arbeitet auch im Einsatzdienst einer Berufsfeuerwehr. Mit Wespen und Hornissen kam er 1993 durch eine Ausbildung seiner Dienststelle in Kontakt. Er kaufte sich ein Buch mit dem Titel „Schützt die Hornissen“. Nachdem er diese Lektüre regelrecht verschlungen hatte, war klar: Er wollte sich für den Wespenschutz einsetzen. In der ersten Saison betreute Tauchert sieben Bürger, die das Umweltamt an ihn verwiesen hatte. Ein Jahr später siedelte er zum ersten Mal ein Hornissennest um – mit Genehmigung der Naturschutzbehörde, versteht sich. Mit Unterstützung durch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Jügesheim gelang es, Einsätze giftfrei zu bewältigen.

Parallel dazu begann der Wespenberater mit der Aufklärung der Öffentlichkeit. Beim Feuerwehrfest baute er eine Ausstellung auf, später hielt er Vorträge unter anderem vor Schülern. 1995 wurde das Umweltamt des Kreises Offenbach auf ihn aufmerksam – in der dritten Saison betreute er schon 40 Betroffene. Nach und nach wurde Peter Tauchert im ganzen Kreis Offenbach aktiv. Im Jahr 2000 kam er auf einen Spitzenwert von 200 Anrufern. Es war das gleiche Jahr, in dem er den Umweltpreis des Kreises Offenbach erhielt. Ein Wespen- oder Hornissennest in Haus und Garten versetzt alljährlich viele Bürger in helle Aufregung. Bei Umweltämtern, Imkern, Naturschutzverbänden, Feuerwehren und Schädlingsbekämpfern stehen im Sommer zeitweise die Telefone nicht still.

Früher rief man die Feuerwehr, um ein Wespennest „wegmachen“ zu lassen. Das hat sich dank Peter Tauchert geändert. Er sucht zunächst einen Weg zur friedlichen Koexistenz. Wenn das unmöglich ist, kommt auch eine Umsiedlung in Betracht. Dabei wird das komplette Nest in einen Umsiedlungsnistkasten eingebaut und an einen neuen Standort versetzt, der mindestens zwei Kilometer entfernt ist. Dafür eignen sich Waldränder, Lichtungen, Streuobstwiesen und große Gärten. Zur Umsiedlung verwendet man eine Art Staubsauger mit speziellen Schläuchen, die innen glatt sind, damit sich die Tiere nicht verletzen.

Mann mit 45 Kilo schwerem Bienenschwarm bedeckt

Die Umsiedlungserfolge sind bei fachgerechter Handhabung sehr hoch, wie Peter Tauchert betont. Hornissen bauen ihr Nest weiter und können an einem geeigneten Platz sehr gut überleben. Von 1993 bis 2016 hat der Wespenberater stolze 4424 Anfragen bearbeitet. Seit 2003 gibt er sein Wissen auf einer eigenen Internetseite weiter. Sie wurde über eine Million Mal aufgerufen. Heute findet im Feuerwehrhaus Rodgau-Mitte erstmals ein Tagesseminar für angehende Wespenberater und Hornissen-Umsiedler statt. Mit 84 Teilnehmern ist es ausgebucht. Darunter sind Feuerwehrleute, Imker, Mitglieder von Naturschutzverbänden und Schädlingsbekämpfer aus der Bundesrepublik und aus den Niederlanden.

Kenntnisse über die Biologie der einzelnen Wespenarten sind wichtig, damit die Berater die sommerlichen Ängste in der Bevölkerung mildern können. So haben Wespen und Hornissen in Sträuchern oder Fliederbüschen meist nichts Schlimmes zu bedeuten: Sie haben dort kein Nest, das sie verteidigen müssen, sondern sind auf Nahrungssuche und verhalten sich friedlich – wenn man ein paar Meter Abstand hält.

Quelle: op-online.de

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