Pferde müssen Krawall aushalten

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Rudolf Liller mit Stute „Elfi“: Das Vertrauen zwischen Reiter und Dienstpferd ist das A und O.

Dudenhofen ‐ Das erste Pferd hieß „Pany“. Es stand im Stall in der Rheinstraße hinter dem mütterlichen Wollgeschäft. Bis heute ist die Liebe zu den Vierbeinern bei Rudolf Liller immer noch riesengroß. In Frankfurt-Sachsenhausen trainiert er Polizeipferde. Von Andreas Pulwey

Mit dem Geländewagen geht es kreuz und quer durch die Reithalle. Liller hupt permanent, bremst erst kurz vor den Pferden und lässt mit einem ohrenbetäubenden Lärm das Martinshorn erklingen. Der Oberkommissar mit Dudenhöfer Wurzeln ist Polizeireitlehrer und Ausbildungsleiter bei der Reiterstaffel. Mit dem Hupen, dem Schwenken von Fahnen und dem Umkurven der Pferde per Auto bereitet der 49-Jährige Ross und Reiter auf deren Job vor: auf Demonstrationen und auf mögliche Ausschreitungen bei Fußballspielen.

20 Beamte betreuen die 19 Tiere der einzigen Polizei-Reiterstaffel in Hessen. Im Extremfall sollen die Beamten mit den tierischen Helfern Menschenmengen zurückdrängen oder rivalisierende Fangruppen voreinander fern halten. Lärmende Fußballgesänge, wie sie in der Reithalle aus dem Lautsprechern dröhnen, dürfen für die „vierbeinigen Ordnungshüter“ somit kein Neuland sein.

Vertrauen zwischen Ross und Reiter ist wichtig

„Es ist eine lebenslange Ausbildung für die Tiere“, sagt Rudolf Liller, der 1978 seinen Polizeidienst antrat und vier Jahre später zur Reiterstaffel wechselte. Dabei darf die Verbindung zwischen Reiter und Dienstpferd nicht unterschätzt werden. Vertrauen ist das A und O. Wo der Polizeibeamte das Pferd hinführt, da muss es ihm folgen und immer wissen, dass ihm im Einsatz nichts passiert.

So ein Einsatz geht allerdings nicht immer ohne Blessuren über die Bühne. Vor einigen Jahren, als Studenten in Frankfurt gegen die Einführung der Studiengebühren demonstrierten, bekam der Oberkommissar eine Flasche an den Kopf. Mit Dachlatten wurden er und sein damaliges Ross „Tristan“ attackiert. Tristan war wohl das beste Pferd im Stall, das er je hatte.

Auch wenn die Zeiten der Stallung an der Rheinstraße hinter Mutters Wollladen schon lange vergangen sind und Rudolf Liller seit 16 Jahren in Birnstein im Vogelsberg wohnt, so betont er doch immer wieder seine Dudenhöfer Wurzeln.

Quelle: op-online.de

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