Vereine reklamieren Sicherheitsmängel im Bürgerhaus Dudenhofen / Stadtrat spricht von Panikmache

Pflastersteine als Stolperfalle

Dudenhofen - (eh) Einen Reparaturstau im Bürgerhaus Dudenhofen beklagt die Interessengemeinschaft der Ortsvereine (IGEMO). In einem Brief an den Magistrat spricht sie von erheblichen Sicherheitsmängeln. Hochbaudezernent Michael Schüßler gibt Entwarnung: Von akuter Gefahr könne keine Rede sein.

Die IGEMO sieht das anders. Die Stadt müsse dafür sorgen, dass von dem Bau keine Gefahren für Leib und Leben ausgingen, schreibt die Gemeinschaft, die nach eigenen Angaben mehr als 6 000 Mitglieder vertritt. Vorsitzender Harald Deichmann und Beisitzer Wolfgang Linke erinnern in diesem Zusammenhang an den schweren Unfall im Offenbacher Veranstaltungssaal „Capitol“ vor mehreren Jahren, als zwei Frauen durch eine herabstürzende Spiegelkugel lebensgefährlich verletzt wurden.

Muss das Bürgerhaus Dudenhofen also sofort geschlossen werden? Nein, erklärt Stadtrat Schüßler auf Anfrage unserer Zeitung: „Gefahr für Leib und Leben besteht bestimmt nicht.“ Hinweise auf sicherheitsrelevante Mängel nehme die städtische Hochbauabteilung sehr ernst. Der Hinweis auf das „Capitol“-Unglück sei aber überzogen: „Das, tut mir Leid, ist politische Panikmache.“

24 Punkte umfasst die Mängelliste der IGEMO, unter anderem drei klemmende Türen und ein Blumenbeet vor der Gaststätte. Neben funktionalen Einschränkungen und kosmetischen Dingen enthält die Liste auch einige Punkte, die die Sicherheit betreffen: defekte Fensterbeschläge (Gefahr herabstürzender Fenster), ein geringer Abstand zwischen Bühnenvorhang und Deckenflutern (Feuergefahr), der Teppichbelag auf den Treppen zu den Umkleideräumen (große Unfallgefahr) und unebene Pflastersteine (Stolpergefahr).

Der IGEMO-Vorstand hat seine Rüge an die Stadt in harschem Ton formuliert. Man erlaube sich, heißt es dort, „Sie hiermit in aller Deutlichkeit an Ihre Verpflichtung zu erinnern“, öffentliche Bauten in Stand zu halten. Ein Ortstermin mit Entscheidungsträgern der Stadt sei deshalb „dringend erforderlich“. Der Brief trägt das Datum vom 1. Juni und war zunächst an Bürgermeister Alois Schwab adressiert. Später gingen Kopien an die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung.

„Der Brief ist in meinem Dezernat am 15. Juni eingegangen“, sagt Stadtrat Michael Schüßler, der als Hochbaudezernent im Rathaus keine 30 Meter Luftlinie vom Bürgermeister entfernt arbeitet. Irritiert zeigt sich Schüßler von dem Zeitpunkt des Schreibens. Bereits vor Wochen habe er mit Ortsvorsteher Karl-Heinz Kühnle und der IGEMO für den 24. Juni einen Ortstermin vereinbart. Bei allem Verständnis für die Rolle des IGEMO-Vorstands als Interessenvertreter der Vereine sei es nicht hilfreich, kurz vor dem Gespräch eine Drohkulisse zu errichten, so Schüßler: „Man kann ein solches Treffen auch belasten.“

Notwendiges werde im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten erledigt, daran lässt der Hochbaudezernent keinen Zweifel: „Aber ich kann den Euro nur einmal ausgeben.“ Zwei Beispiele: Die Fenster im Bürgerhaus Weiskirchen seien in wesentlich schlechterem Zustand als die in Dudenhofen. In der Kindertagesstätte Freiherr-vom-Stein-Straße seien Fensterscheiben und Eingangstüren auch nicht besser.

„Natürlich ist auch uns bekannt, dass die Stadt sparen muss“, räumt der IGEMO-Vorstand in seinem so genannten „Brandbrief“ ein. Stadtrat Schüßler verweist darauf, bereits jetzt verursache eine Stunde Bürgerhausbetrieb in Rodgau Kosten zwischen 95 und 115 Euro: „Wenn die Vereine einen Standard wollen, der höher ist als der, den wir ihnen bieten können, dann müssen sie sich auch sukzessive an den Kosten beteiligen.“

Ortsvorsteher Kühnle hält eine umfangreiche Sanierung für notwendig: „Nächstes Jahr wird das Bürgerhaus 30 Jahre in Betrieb sein. Da ist schon einiges zu tun.“ Um ein angemessenes Entree zu schaffen, müssten auch der Vorplatz und der Verkehrsraum („Dalles“) umgestaltet werden.

Quelle: op-online.de

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