Pilotprojekt geht an den Start

Bessere Chancen für Hauptschüler

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Rodgau - Unternehmen suchen Nachwuchs und Hauptschüler suchen einen Ausbildungsplatz, aber beide Seiten kommen nur schwer zusammen. Eine neue Initiative im Kreis Offenbach will das ändern. Das Pilotprojekt startet in Rodgau.

Neuntklässler können einen Vormittag lang in Betriebe hineinschnuppern - eine Gelegenheit zum Kennenlernen für beide Seiten.

Der „Tag des offenen Betriebes“ am 13. November füllt die Lücke zwischen dem schnellen Erstkontakt auf der Bildungsmesse und dem hohen Zeitaufwand eines Betriebspraktikums. Zwei, drei ausgewählte Schüler besuchen einen Betrieb, um sich hautnah über eine bestimmte Berufsausbildung zu informieren.

Die Betriebe können gezielt Inhalte, Praxis und Anforderungen ihrer Ausbildungsberufe darstellen. Auch ein erster Kontakt mit Materialien und Werkzeugen ist sinnvoll. Über den Vormittag verteilt können potenzielle Auszubildende und engagierte Ausbildungsbetriebe so miteinander ins Gespräch kommen und vielleicht sogar eine gemeinsame berufliche Zukunft planen.

Einblicke durch Schnuppertage

Der Schnuppertag kann zwischen zwei und sechs Stunden dauern. Den inhaltlichen und zeitlichen Umfang legt jeder Betrieb selbst fest. Zum Beispiel berichten ältere Auszubildende von ihrem beruflichen Alltag und darüber, was man während der Ausbildung alles beachten muss.

Durch den Einblick vor Ort werden viele Berufsbilder für die Jugendlichen besser verständlich. Der Schnuppertag bringt ihnen zudem ein konkretes Unternehmen und eine bestimmte Ausbildung näher.

Mitmachen kann jeder Ausbildungsbetrieb, der für das Jahr 2014 neue Azubis sucht. 14 Unternehmen haben bereits ihr Interesse bekundet, weitere können sich noch melden.

Schüler können sich über ihre Schule zum Schnuppertag am 13. November anmelden. Die Berufswegebegleitung des Kreises Offenbach versucht dann jedem einzelnen Schüler den passenden Betrieb zuzuordnen. Für diesen so genannten „Matching-Prozess“ sind sechs Wochen eingeplant - ein hoher Aufwand. Die Lehrkräfte der Schulen bereiten die Neuntklässler auf den Betriebsbesuch vor.

Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die Jugendarbeitslosigkeit ist im Kreis Offenbach nach offiziellen Angaben gering. Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller nennt für diese Altersgruppe eine Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent. Doch diese Zahl ist nur die halbe Wahrheit. Wie viele Hauptschulabsolventen oder Jugendliche ohne Schulabschluss betroffen sind, weiß Müller nicht.

Von der Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft spricht Erster Stadtrat Michael Schüßler: Während Abiturienten umworben werden, haben es Hauptschüler bei der Bewerbung schwer.

Eine Ursache sieht Schüßler in den unterschiedlichen Erwartungen von Schulen und Ausbildungsbetrieben: „Das kann man nur im Einzelfall lösen.“ Der persönliche Kontakt sei wertvoller als die beste Bewerbungsmappe.

Der „Tag des offenen Betriebes“ orientiert sich an einem Vorbild im Main-Taunus-Kreis. Im Kreis Offenbach findet er erstmals statt. „In Rodgau gibt es die besten Voraussetzungen“, betont Carsten Müller mit Blick auf Bildungsmesse, Berufswegebegleitung und Rodgau 16 plus. Der Kreis wolle das Angebot in den nächsten Jahren auf weitere Städte ausdehnen. Langen und Dietzenbach seien bereits interessiert. Mehr Information gibt es hier

eh

Quelle: op-online.de

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