Pilze schießen aus dem Boden

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Paul (8), Lenya (3) und Luisa (5) waren zum ersten Mal bei der Pilzsuche im heimischen Wald dabei und ernteten gleich fette Beute.

Dudenhofen (pul) ‐ Nun recken sie ihre Köpfe aus dem Boden, die kleinen Leckereien, die im Herbst so manches schmackhafte Gericht verfeinern. Regenfälle lassen die Fruchtkörper der Pilze geradezu explodieren.

Das Umweltamt der Stadt Rodgau führte seine jährliche Pilzexkursion am Naherholungsgebiet „Gänsbrüh“ durch. „Der September war einer der trockensten der letzten Jahre“, sagt Experte Dieter Gewalt. Den schlechten Start der Pilzsaison scheinen die kleinen Gewächse nun aufholen zu wollen. Seit zwei, drei Wochen schießen sie aus dem Boden.

Es gehört schon viel Erfahrung dazu, sein eigenes Pilzmenü zusammenzustellen. Selbst in einer Gruppe leckerer Champignons steht in Ausnahmefällen ein giftiger Knollenblätterpilz. Deshalb mahnte Thomas Lehr, Experte aus Hofheim, davor, blind zu ernten. „Jeden Pilz einzeln betrachten“, ist seine Devise.

Thomas Lehr warnte die Teilnehmer der Pilzexkursion davor, zu schnell zu ernten.

Ist sich der Pilzsammler seines genießbaren Fundes sicher, so schneidet er den Stiel über dem Boden ab. Rausdrehen, wie es oft geschrieben steht, sei Blödsinn, so Gewalt. Besteht Unsicherheit über die Essbarkeit und soll das Gewächs zu Hause bestimmt werden, dann wird der Fruchtkörper mitsamt der Knolle ausgegraben und das Loch wieder geschlossen.
Bis auf wenige Ausnahmen sind Pilze vor dem Verzehr immer zu erhitzen, so Thomas Lehr.

Ein Pilz wie ein Schnitzel

So brät beispielsweise der schmackhafte Parasol wie ein paniertes Schnitzel in der Pfanne. Der auch Riesenschirmling genannte Pilz ist durch seinen verschiebbaren Ring am Stiel von giftigen Artgenossen zu unterscheiden. Genauso schmackhaft wie der Parasol ist die in Dudenhofens Wäldern zu entdeckende Krause Glucke, die einem Schwamm ähnelt.

Neben diesen beiden Arten füllte bei der Pilzexkursion der wohlschmeckende Maronenröhrling die Körbe der 45 Sammler. Die leckere Fleischbeilage, die bei leichtem Druck auf die Röhren eine blaue Färbung annimmt, landete in Butter gedünstet auf so manchem Teller. Bei der Zubereitung in der Pfanne heißt die Devise: „Nicht aufeinander schichten.“ So entfalten die kleinen Köstlichkeiten am besten ihren dezenten Geschmack.

FAKTEN

‐ In Mitteleuropa wachsen rund 7 000 Großpilzarten, wie Thomas Lehr berichtet. Zehn davon sind potenziell tödlich.

‐ Bei Unwohlsein nach dem Mahl hilft der Giftnotruf Mainz, Tel: 06131 19240.

‐ Eine Pilzsichtung bietet das Amt für Gesundheit in Frankfurt, Breite Gasse 28, bis 1. November sonntags zwischen 17 und 20 Uhr.

‐ Mehr über Pilze im Internet finden Sie hier

In freudiger Erwartung waren auch jene Sammler, die ihre Fundstücke mit Rührei und etwas Salz und Pfeffer zu sich nehmen. Vor der Zubereitung ist das Waschen der Pilze tabu. Schimmlige Stellen mit dem Messer entfernen und den Schmutz mit einem Küchentuch abwischen, empfahl Dieter Gewalt, der schon einen Selbsttest mit Fliegenpilzen durchgeführt hat. Die seien nicht so giftig wie behauptet, erklärte er. Selbst nach einem Dutzend spürte der Dietzenbacher nur leichte Halluzinationen. Mit anderen Vertretern wie dem Grünen Knollenblätterpilz ist hingegen nicht zu spaßen. Deshalb ist oberste Maxime, alles im Wald zu lassen, was man nicht ganz genau kennt.

Quelle: op-online.de

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