In Rodgau und Rödermark

Preis für Biomüll ab Januar 2015 verdoppelt

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Kein appetitlicher Anblick: Eine Biotonne von innen. Wer Gerüche vermeiden will, sollte die Abfälle immer in Papier einwickeln.

Rodgau/Rödermark - In Rodgau und Rödermark führt die Neuordnung der Biomüllentsorgung ab 1. Januar 2015 zu einer absurden Situation: Die Kommunen sollen dann für dieselbe Dienstleistung wie bisher das Doppelte bezahlen. Von Bernhard Pelka

In beiden Kommunen werden dieselben Müllautos den Bioabfall in denselben Straßen wie bisher abholen und in dieselbe Verwertungsanlage nach Frankfurt bringen wie immer. Aber trotzdem wird die Entsorgung dann statt rund 50 Euro pro Tonne zwischen 90 und 100 Euro kosten. Preistreiberei von Müllfirmen? Üble Geschäftemacherei? Nichts von alledem, versichert Landrat Oliver Quilling (CDU). Alles gehe bei der Neuordnung der Biomüllentsorgung mit rechten Dingen zu.

Die Biotonne war im Kreis Offenbach bisher die freiwillige Ausnahme. Gesammelt wurde in Heusenstamm, Dreieich, Rodgau und Rödermark. Das ändert sich ab Januar 2015. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz macht die getrennte Sammlung von Bioabfällen dann für alle zur Pflicht. Die Kreiskommunen müssen die Abfälle einsammeln, die Landkreise für die Beseitigung sorgen. Rodgau und Rödermark haben das Einsammeln und die Abfuhr bisher selbst organisiert. Nach Ausschreibungen bekam das günstigste Unternehmen den Auftrag. Für die 3500 Tonnen in Rodgau die Firma Remondis, in Rödermark Knettenbrech & Gurdulic.

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Genau so hat es der Kreis Offenbach mit Blick auf den 1. Januar 2015 gemacht. Er leitete ein europaweites Vergabeverfahren ein. Das geschah unter Aufsicht einer Anwaltskanzlei und Beraterfirma, die bei diesem Verfahren keinerlei Grund zu Reklamationen sah. Mithin bilde das Ergebnis den Marktpreis für die zu erwartende Bioabfallmenge im Kreis Offenbach ab, sagt der Landrat. Die noch vom Kreistag zu beschließende Bioabfallgebühr werde zwischen 90 und 100 Euro pro Tonne liegen. In dieser Gebühr seien Kosten für die operative Steuerung sowie für eigene Verwaltungskosten des Kreises eingerechnet. Diese lägen aber bei weniger als fünf Prozent des gesamten Kostenvolumens. Warum dann die eklatante Kostenexplosion? Warum sollen letztlich die Bürger für dieselbe Leistung das Doppelte zahlen?

Quilling erläutert, die Abfuhrunternehmen müssten ab 1. Januar - im Gegensatz zu früher - „die absolute Entsorgungssicherheit herstellen“. Bedeutet: Der Biomüll, den Firmen einsammeln, muss tatsächlich in einer speziellen Biomüllverwertungsanlage enden, wo dieser Abfall der Energieerzeugung und der Herstellung von Komposterde dient. Früher hingegen sei es statthaft gewesen, bei Engpässen in diesen Anlagen den Biomüll auch dem Restmüll beizumischen und in herkömmliche Verbrennungsanlagen zu fahren. Dieser „Rettungsanker“ existiere ab dem 1. Januar 2015 nicht mehr. Die Abfuhrfirmen müssten also „mit einem ganz anderen Risiko kalkulieren“. Außerdem steigen die Biomüllmengen ab Januar eklatant, weil dann alle Kommunen zur Biotonne verpflichtet sind. Der Landrat folgert, dass es in den Biomüllverwertungsanlagen zu Engpässen kommen wird. „Das treibt die Preise in die Höhe.“ Die bisher zum Beispiel von Rodgau und Rödermark gelieferten Kleinmengen seien hingegen „immer recht günstig unterzubringen gewesen“. Verwertungsanlagen hätten damit restliche Kapazitäten aufgefüllt. Das kehre sich jetzt um. „Die Kapazitäten werden knapp.“ Die Abfuhrunternehmen müssten unter Umständen weitere Wege zu anderen Anlagen als bisher in Kauf nehmen.

Ähnlich argumentiert Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider (Grüne). Für Offenbach steht der Entsorgungspreis zwar noch nicht fest, Schneider warnte allerdings vor einem nur an Preisen orientierten Vergleich. Geachtet werden müsse auf einem dynamischen Markt auch auf Kostensicherheit.

Die Unternehmensgruppe Remondis fährt den Bioabfall aus Rodgau bisher in die Verwertungsanlage der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) an die Peter-Behrens-Straße 8. Das ist auf der anderen Mainseite, schräg gegenüber dem Heizkraftwerk der Energieversorgung Offenbach AG. Dort landet auch der Rödermärker Bioabfall. Remondis ist an der FES zu 49 Prozent beteiligt. Die restlichen 51 Prozent gehören der Stadt Frankfurt.

Die Müllgebühren sind übrigens immer wieder ein Thema für den Hessischen Rechnungshof. Erst kürzlich hat er moniert, dass die Stadt Frankfurt für die Verwertung ihres Biomülls in ihrer eigenen Anlage 130 Euro pro Tonne Biomüll zahlt - also fast das Dreifache von dem, was Rodgau und Rödermark bisher blechen mussten. Dem Kreistag wird am 15. Oktober eine Drucksache vorliegen, in der es um die neuen Konditionen der Biomüllbeseitigung geht. „Ob dann schon darüber entschieden wird, ist offen“, sagt Quilling. „Fest steht aber, dass wir zum 1. Januar 2015 eine neue Satzung brauchen.“

Quelle: op-online.de

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