Problemfall Urlaub

Wohin mit Tieren in den Ferien?

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Wer mit seinem Papagei ans Mittelmeer reist, sollte zuvor die Ein- und Ausfuhrbestimmungen erfragen.

Rodgau - Wer ein Haustier hat, muss den Urlaub besonders gut vorbereiten - egal ob der beste Freund daheim bleibt oder mitfährt. In ihrer Wildtier- und Exoten-Auffangstation in Dudenhofen nimmt Petra Kipper immer wieder Tiere auf, die einfach ausgesetzt wurden.

Das muss nicht sein. Unser Redaktionsmitglied Ekkehard Wolf sprach mit ihr über Reisevorbereitungen für Menschen und deren besten Freund.

Der Urlaub steht vor der Tür - aber was mache ich mit meinem Haustier?

Optimal ist, wenn man sich schon frühzeitig um jemanden bemüht, der das Tier zu Hause versorgt, damit es nicht aus seiner gewohnten Umgebung gerissen wird. Gerade bei Säugetieren wie Meerschweinchen oder Kaninchen ist schon die Bezugsperson weg. Da ist es wichtig, dass sie in der gewohnten Umgebung bleiben. Die zweite Option sind Tierpensionen, wo man das Tier gegen ein Entgelt unterbringen kann. Dann weiß man, das Tier ist kompetent versorgt.

Woran erkenne ich eine gute Tierpension?

Das erkenne ich, wenn ich hinfahre und mir ansehe, wie die Tiere untergebracht sind. Zum Beispiel: Nehmen sie sich die Zeit, mit einem Hund Gassi zu gehen oder sitzt der Hund die ganze Zeit im Zwinger? Ist auch eine Ansprache da? Gerade bei Hunden und Katzen kann es sonst aufgrund der veränderten Situation zur Nahrungsverweigerung kommen.

Säugetiere sollten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, wenn die Bezugspersonen verreist sind.

Allein die Sauberkeit ist also nicht das Kriterium?

Es entwickelt sich viel im Gespräch. Das Wichtigste ist der Umgang mit den Tieren, die bereits da sind. Ich würde auf mein Bauchgefühl vertrauen.

Gibt es überhaupt genügend Tierpensionen?

Es ist nicht die mangelnde Anzahl an Tierpensionen, die die Leute abhält, sondern die Höhe der Tagessätze. Letzte Woche hatte ich eine sehr unschöne Diskussion mit einer Dame, die Landschildkröten hält. Sie musste ins Krankenhaus und wollte, dass ich ihre Tiere versorge. Um der Dame in ihrer Not zu helfen, habe ich ihr angeboten, dass ich die Schildkröten zum mir bekannten Tierheimsatz aufnehme: 3,50 Euro pro Tag. Das deckt gerade mal die Kosten und ist viel weniger als eine Tierpension nimmt. Trotzdem wollte sie mich noch herunterhandeln. Aber ich betreibe die Station ehrenamtlich und kann nicht auch noch die Haustiere anderer Leute durchfüttern.

Worauf muss ich achten, wenn ich mit Hund oder Katze verreisen will?

Es ist wichtig, dass das Tier in einer Transportbox sitzt oder dass der Hund im Kofferraum durch ein Gitter gesichert ist. Das dient nicht nur dem Schutz des Tieres, sondern auch der Menschen. Bei einem Auffahrunfall wird auch ein Haustier zum Geschoss und kann dem Fahrer oder Beifahrer das Genick brechen. Wichtig sind regelmäßige Pausen, damit das Tier die Möglichkeit hat, zu fressen, zu trinken und Urin und Kot abzusetzen. Viele Tiere sind stressanfällig. Deshalb sollte man beim Tierarzt checken lassen, ob sie wirklich gesund sind. Beim Transport im Flugzeug sind oft Beruhigungsmittel sinnvoll.

Dieser Hund hat keine Urlaubssorgen: Er gehört einem Jäger, der mit ihm täglich im Rodgauer Wald unterwegs ist.

Wie ist das bei einer Auslandsreise?

Die Ein- und Ausfuhrbestimmungen schreiben oft Impfungen vor. Je nach Tierart müssen bestimmte Papiere vorliegen. Zum Beispiel gibt es Leute, die mit ihrem Papagei nach Spanien fahren, weil ihm das Mittelmeerklima gut tut. Aber Papageien sind meldepflichtig. Ich muss nachweisen können, dass der Vogel mir gehört, dass er gemeldet und gesund ist. Oft werden Urlauber in Richtung Urlaubsland nicht kontrolliert. Wenn es Probleme gibt, dann auf der Rückreise.

Was mache ich mit anderen Exoten, die die Tierpension vielleicht nicht aufnimmt?

Exoten sind in der Regel in einem Terrarium, da muss man nicht Gassi gehen. Die meisten Leute organisieren das so, dass Nachbarn oder Freunde sie täglich füttern. Leider werden immer wieder Tiere ausgesetzt. In einem Hochhaus in Rüsselsheim wollte einmal jemand seine Echsen im Klo hinunterspülen. Eine ist beim Nachbarn hochgekommen. Die ist in meiner Auffangstation gelandet.

Sollte man also erst ans Tier denken, bevor man ins Reisebüro geht?

So wie man sich auch vor einem Urlaub mit Kindern Gedanken macht. Für ein Haustier hat man auch Verantwortung. Allein letzte Woche bekam ich zwei Wasserschildkröten, die ausgesetzt wurden: eine am Kiessee und eine an der Gänsbrüh. Es geht nicht nur um den Schutz dieser Tiere, sondern auch der einheimischen. Wasserschildkröten sind Räuber und fressen die Amphibien weg.

Quelle: op-online.de

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