Projekt „Rodgau 16 plus“

Sprungbrett in die Arbeitswelt

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Trockenübung vor der Arbeit mit der Kreissäge: Fachanleiter Detlef Schramm mit den Rodgau-16-plus-Teilnehmern Hüseyin Kaya (links) und Till Stilger in der Holzwerkstatt im Jugendhaus Dudenhofen.

Rodgau - Sie streichen Wände und zimmern Schränke, spielen mit Kindergartenkindern oder helfen alten Menschen beim Essen und Trinken: Jugendliche ohne Ausbildung bereiten sich im Beschäftigungsprojekt „Rodgau 16 plus“ aufs Berufsleben vor. Von Ekkehard Wolf

Seit sieben Jahren unterstützt die Stadt junge Menschen an der Schwelle zwischen Schule und Beruf. Der Erfolg: 60 bis 70 Prozent der Teilnehmer finden anschließend eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle.

Das wirtschaftliche Umfeld hat sich innerhalb weniger Jahre geändert. Heute spricht man eher von Fachkräftemangel als von Jugendarbeitslosigkeit. Damit hat sich auch der inhaltliche Schwerpunkt von „Rodgau 16 plus“ verlagert, wie Projektleiterin Birgit Berberich-Haiser jetzt im Sozial- und Kulturausschuss berichtete.

Festigung der Persönlichkeit

Anfangs ging es vorrangig darum, den jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Heute heißen die Ziele „Ausbildungsfähigkeit“ und „Festigung der Persönlichkeit“.

Gleich geblieben ist der Anspruch, den Jugendlichen berufliche Orientierung zu bieten und auch auf persönliche Probleme einzugehen. Damit geht „Rodgau 16 plus“ über eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (Jugend-ABM) hinaus, wie es sie schon 2005 gab.

Beim Arbeiten erleben sie „das wahre Leben“, wie Berberich-Haiser sagt. Daneben müssen die Teilnehmer auch die Schulbank drücken. Die bewährte Mischung: 60 Prozent Praxis und 40 Prozent Theorie. Vor allem in Mathematik und Deutsch haben viele Schulabgänger Nachholbedarf.

Bei „Rodgau 16 plus“ können sie ihre Wissenslücken füllen und Sicherheit gewinnen. An einem Tag pro Woche besuchen sie die Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen. Neben Mathe und Deutsch stehen dort auch Politik und Wirtschaft sowie Ernährung und Hauswirtschaft auf dem Stundenplan.

Bewerbungstraining und Qualifikationen

Zum Theorieblock gehören auch Bewerbungstraining, Übungen in Sozialkompetenz und ein Computerkurs. Darüber hinaus bietet das Projekt eine Reihe an Qualifizierungsbausteinen in unterschiedlichen Berufsfeldern. Mindestens einen davon muss jeder Teilnehmer absolvieren. Einige machen zum Beispiel den Gabelstapler-Führerschein.

Wie Theorie und Praxis zusammenhängen, erleben die Jugendlichen im Alltag immer wieder. Ein Beispiel: Wie viel Farbe brauchen wir für die Wände eines Zimmers? Auf einmal sind Flächenberechnung und Dreisatz keine abstrakten Dinge mehr.

Erfahrene Mitarbeiter nehmen die jungen Leute unter ihre Fittiche, ob in den Kindertagesstätten, in der Stadtverwaltung oder der Sozialstation. Der Handwerkertrupp hat zwei Fachanleiter mit Meisterbrief: Detlef Schramm (Tischler) und Gunter Krauße (Elektriker).

Holzwerkstatt im Jugendhaus

Im Jugendhaus Dudenhofen hat die Stadt für das Projekt „Rodgau 16 plus“ eine kleine Holzwerkstatt mit professionellen Maschinen eingerichtet. Zurzeit zimmern die Jugendlichen dort einen Netzwerkschrank für die Stadtbücherei Nieder-Roden.

Ihr nächstes Projekt ist eine Schrankwand für das Leiterinnenzimmer der Kindertagesstätte Rollwald. Von der Planung über den Materialeinkauf bis zum Bau machen die Jugendlichen alles selbst – natürlich unter Anleitung. „Das Material kostet rund 1 000 Euro“, sagt Fachanleiter Detlef Schramm. Fertige Möbel wären viel teurer.

Die beiden Handwerkertrupps von „Rodgau 16 plus“ leisten viel. In den letzten bei den Jahren haben sie unter anderem Parkbänke aufgemöbelt, zwei alte Telefonzellen in öffentlichen Bücherschränke verwandelt und das Außengelände der Kita Nordring umgestaltet.

 „Das sind zusätzliche Dinge, die wir uns sonst zu diesem Zeitpunkt nie leisten könnten“, betont Erster Stadtrat Michael Schüßler. Das kommunale Beschäftigungsprojekt nehme keinem Handwerker einen Auftrag weg.

Bis zu zwölf junge Menschen gleichzeitig können „Rodgau 16 plus“ als Sprungbrett in den Beruf nutzen. Viele melden sich aus eigenem Antrieb, andere kommen auf Empfehlung der Schule oder der Arbeitsagentur.

 „Für viele Schulabgänger ist das Projekt nicht die erste Wahl“, sagt Birgit Berberich-Haiser. Das findet sie auch richtig: Eine Ausbildungsstelle habe immer Vorrang. Falls es mit der Ausbildung nicht auf Anhieb klappt, hätten Jugendliche dank „Rodgau 16 plus“ immer noch eine Möglichkeit in der Hinterhand.

Quelle: op-online.de

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