Protest gegen Spielplatzverkauf

Nieder-Roden (eh) - Im Wohngebiet „Forschheimer See“ regt sich Widerstand gegen die beabsichtigte Umwandlung dreier Spielplatzflächen in Baugrundstücke. Anwohner haben rund 150 Unterschriften gesammelt.

Sie wollen verhindern, dass ein Weg von Rollwald zum Puiseauxplatz unterbrochen wird, der mitten durch das Wohngebiet führt.

Heute berät der Ortsbeirat über die Änderung des Bebauungsplans N 19. Betroffene Bürger wollen die öffentliche Sitzung um 19.30 Uhr im Sozialzentrum am Puiseauxplatz als Zuhörer besuchen. Der Plan liegt noch bis zum 3. Februar im Rathaus aus.

Bebauungsplan im „beschleunigten Verfahren“

Auf Kritik stößt die Absicht des Magistrats, den Bebauungsplan im „beschleunigten Verfahren“ ohne Umweltprüfung aufzustellen. Mehrere Anlieger haben dagegen Einspruch eingelegt. Der Magistrat begründet sein Vorgehen damit, dass die Änderung nur drei Grundstücke mit zusammen 1 864 Quadratmetern betrifft. Das Baugesetzbuch erlaubt ein beschleunigtes Verfahren bei einem Geltungsbereich bis zu 20.000 Quadratmeter.

Nach Ansicht der Kritiker ist jedoch die ursprüngliche Absicht des Bebauungsplans bedroht, wenn die Abkürzung für Fußgänger gekappt wird. „Da das der Gesamtplanung zuwiderläuft, dürfte unserer Meinung nach das vereinfachte Verfahren nicht angewendet werden“, sagt Hannelore Wrede. Die langjährige Kommunalpolitikerin, die bis Anfang 2011 für die CDU im Ortsbeirat saß, ist mit der geplanten Änderung nicht einverstanden. Vor drei Jahrzehnten war sie Sprecherin der Bürgerinitiative „Forschheimer See“. Damals, 1981, hatten sich viele Bewohner gegen hohe Anliegerbeiträge gewandt. Kritisiert wurde unter anderem die großzügige Ausstattung des kleinen Baugebiets mit vier Spielplätzen. Ein Vorschlag des damaligen Bauamtsleiters Werner Born, zwei der Plätze als Bauland zu verkaufen, fand damals jedoch keine Mehrheit.

Drei Grundstücke betroffen

Nun hat sich die Sachlage geändert. Im Dezember hat das Stadtparlament ein Spielplatzkonzept beschlossen, das Maßnahmen für jeden einzelnen Spielplatz im Stadtgebiet festlegt. Die bessere Ausstattung vieler Spielplätze soll dadurch bezahlt werden, dass nicht mehr benötigte Flächen als Bauland verkauft werden. Zum Verkauf vorgesehen sind auch Grundstücke, die zwar als Spielplatz ausgewiesen, aber nie bebaut wurden.

Am Forschheimer See sind drei Grundstücke betroffen:

- Am Schulwäldchen 7

- Tannenstraße 35

- Tannenstraße 11

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Die Stadt will diese Flächen zum Preis von 390 Euro je Quadratmeter verkaufen. Damit ließe sich ein Erlös von 687.960 Euro erzielen. Die beiden Grundstücke an der Tannenstraße dienen bisher auch als Abkürzung für Fußgänger. „Wenn man sie nur als Spielplätze sieht, ist das völlig falsch bewertet“, kritisiert Hannelore Wrede: „Das sind Wegeverbindungen, und zwar planerisch gewollte Wegeverbindungen.“ Beim Blick auf den Bebauungsplan sei das leicht zu erkennen.

Auch ein mächtiger Baum auf einem der Grundstücke liefert seit Monaten Diskussionsstoff im Wohngebiet. Es handelt sich um einen mindestens 40 Jahre alten Zuckerahorn. Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art liegt in Nordamerika. „Wenn er unbeschadet weiterwachsen kann, kann man davon ausgehen, dass er sich zu einem außergewöhnlichen Baum entwickelt“, sagt Hannelore Wrede. Ihr Ehemann Dieter hat vorsichtshalber bei der Unteren Naturschutzbehörde beantragt, den Baum unter Naturschutz zu stellen.

Quelle: op-online.de

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