Protest gegen neue Satzung

Eltern stehen hinter Tagesmüttern

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Rodgau - Tagesmütter protestieren auch in Rodgau gegen neue Bestimmungen für die Kindertagespflege im Kreis Offenbach. Sie befürchten finanzielle Einbußen, weniger Gestaltungsspielraum für ihre Arbeit und eine zunehmende Abhängigkeit von den Kreisbehörden.

Die Angst vor steigenden Kosten bringt auch Eltern auf die Barrikaden. Rund 600 Mütter und Väter haben einen Aufruf unterschrieben, um die Satzungsänderung noch zu verhindern. Heute um 15 Uhr wollen Tagesmütter und Eltern gemeinsam vor dem Kreishaus in Dietzenbach demonstrieren. Der Kreis will seine „Satzung über die Betreuung von Tagespflegekindern“ gründlich renovieren. Die finanziellen Regeln sollen einfacher und einheitlicher werden. Wenn der Kreistag am 11. Dezember zustimmt, tritt die geänderte Satzung am 1. Januar in Kraft.

Für viele Eltern wird es teurer, ihr Kind von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater betreuen zu lassen. Der Stundensatz steigt von 1,17 auf 1,46 Euro, also um 25 Prozent. Aber das ist nur ein Durchschnittswert. Die Eltern sollen in Zukunft gestaffelte Festbeträge zwischen 116,80 und 292 Euro pro Monat bezahlen. Je nach Betreuungszeit fällt die Preiserhöhung also größer oder kleiner aus.

Festbetrag und Extra-Zahlungen

Neben dem Festbetrag wird ein Essengeld von höchstens 60 Euro pro Monat fällig. Mehr nicht. Extra-Zahlungen der Eltern direkt an die Tagespflegeperson sind dann nicht mehr erlaubt. Tagesmütter und -väter befürchten einen Verlust an Selbstständigkeit, wenn sie sich diesen Regeln unterwerfen. Der Kreis Offenbach bestimmt künftig über ihre Einnahmen. Pro Kind und Stunde gibt es 4,95 statt 3,50 Euro plus Essengeld. Das sind 41 Prozent mehr, aber dafür gibt es den Zuschuss aus dem „Bambini“-Programm des Landes Hessen nicht mehr obendrauf. Jede/r Einzelne muss sich selbst ausrechnen, ob er oder sie sich damit finanziell besser oder schlechter stellt.

Eine Reihe an Tageseltern hat bereits angekündigt, aus dem System der öffentlichen Finanzierung auszuscheiden, falls die neue Satzung in Kraft tritt. Laut Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller (SPD) steht es jeder Tagespflegeperson frei, eigene Verträge privatrechtlicher Art mit Eltern auszuhandeln. Dann könne sie jedoch nicht mehr mit Geld vom Kreis rechnen.

Der Sozialdezernent der Stadt Rodgau, Michael Schüßler (FDP), sieht das anders: „Tagespflege ist die Erfüllung eines gesetzlichen Betreuungsauftrags. Das ist kein Gewerbe. Wenn ich diesen Beruf ausübe, brauche ich eine Pflegeerlaubnis des Kreises und bekomme ein Betreuungsgeld, auch vom Kreis.“ Der Kreis Offenbach setze nur die gesetzlichen Vorgaben in die Tat um, so Schüßler: „Es ist gerichtlich durchentschieden, dass der Jugendhilfeträger das System der Tagespflege regelt.“ Zusatzzahlungen der Eltern an Tagespflegepersonen habe die Stadt Rodgau nie unterstützt.

So funktioniert das Betreuungsgeld

So funktioniert das Betreuungsgeld

Die städtische Tageselternvermittlung werde es „selbstverständlich“ auch weiterhin geben, betont Michael Schüßler: „Damit haben wir seit 20 Jahren gute Erfahrungen gemacht.“ Aus Sicht der Stadt sei die Tagespflege auch künftig ein wichtiger Baustein der Kinderbetreuung.

Sowohl Eltern als auch Tagesmütter können laut Schüßler mit den geplanten Änderungen leben. Eine Vollzeitbetreuung zwischen 40 und 50 Stunden pro Woche koste künftig mit Essen 352 Euro im Monat, „für die gleiche Leistung in einer U 3-Einrichtung bezahlen Eltern 366 Euro“. Eine Tagesmutter komme bei 39 Stunden pro Woche auf ein Brutto-Einkommen von knapp über 830 Euro pro Kind. Der Kreis bezahle die Unfallversicherung und Zuschüsse zur gesetzlichen Sozialversicherung. Bei dreieinhalb Kindern, dem kreisweiten Durchschnitt, sei das Einkommen etwa so hoch wie das Gehalt einer jungen Erzieherin.

eh

Quelle: op-online.de

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