Protest am Spielplatz

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Daumen runter: Larissa und Tabea protestieren gegen Müll und Zerstörung auf dem Spielhügel der Sportvereinigung Weiskirchen.

Weiskirchen - Mit einer ungewöhnlichen Protestaktion setzen sich zwei Mädchen aus Weiskirchen für ihren Spielplatz ein. Der Spielhügel an der Schillerstraße ist immer wieder von Müll übersät, fast alle Spielgeräte sind kaputt. Von Ekkehard Wolf

Lose Bretter machen das Klettern und Spielen gefährlich. Larissa Besic (8) und Emily Tabea Ziric (7) haben Plakate gemalt, eine Foto-Dokumentation erstellt und einen Brief an unsere Zeitung geschrieben. Sogar mit einer Demonstration machten die Kinder auf ihr Anliegen aufmerksam. Mit ihren Plakaten zogen sie eine Stunde lang die Hauptstraße auf und ab.

„Eigentlich wollten sie mit einer Spardose von Haus zu Haus gehen und Spenden sammeln, aber ich habe ihnen gesagt, dass das nicht so einfach geht“, erzählt Emilys Mutter Karin Friedrich-Ziric. Die beiden Mädchen überlegten sich daraufhin andere Möglichkeiten, die Öffentlichkeit wachzurütteln. Emily will das Thema vielleicht auch im Schülerparlament der Münchhausenschule zur Sprache bringen.

„Wir wünschen uns saubere und ordentliche Spielplätze“

Ihr Anliegen ist einfach: „Wir wünschen uns saubere und ordentliche Spielplätze.“ So steht es auf den Plakaten. Mit anderen Spielplätzen in ihrem Stadtteil sind Larissa und Emily zufrieden. Sie können aber nicht verstehen, warum manche Menschen dort ihren Müll abladen, ihre Hunde Gassi führen oder gar die Spielgeräte zerstören.

Damit sprechen sie den Verantwortlichen aus der Seele. „Die Zerstörungswut ist ein Graus“, sagt Annemarie Jonas, die Vorsitzende der Sportvereinigung Weiskirchen. Der Verein hat die Hügel und den Spielplatz angelegt, er ist dort auch für die Sicherheit verantwortlich.

Seit der Eröffnung vor neun Jahren werde die Anlage demoliert, klagt Annemarie Jonas. Allein aus Kostengründen sei es dem Verein nicht mehr möglich, die ursprüngliche Ausstattung aufrecht zu erhalten: „Wir müssten jedes Jahr 10 000 Euro in die Hand nehmen, das können wir uns einfach nicht leisten.“ Nach einem TÜV-Besuch 2007 hatte die Sportvereinigung 4200 Euro ausgegeben, um die Mängel zu beseitigen. Im Jahr 2010 kündigte der Verein an, demolierte Geräte ersatzlos zu entfernen.

Einfach untragbar

„Unser Hausmeister hat den Auftrag, alles abzubauen, was nicht mehr gut ist, damit nichts passieren kann“, bekräftigt Annemarie Jonas gegenüber unserer Zeitung: „Es ist schlimm für die Kinder, mir tut das auch leid, aber es ist einfach untragbar.“

Mit großen Erwartungen hatte die Sportvereinigung im September 2002 ihren so genannten „Natur- und Spielpark“ eröffnet. Die Anlage solle „zum Symbol eines neuen, positiven Aufbruchs für Weiskirchen“ werden, betonte der damalige Vorstand in einer großformatigen Präsentationsmappe mit 40 Seiten.

Vier Spielbereiche waren geplant: für Kleinkinder, für Sechs- bis Zwölfjährige, ein Bereich „Sport und Spiel“ und ein „Erlebnishügel“. Ein Sandkasten und 15 Spielgeräte von der Wippe bis zur Kletterburg gehörten zur Ausstattung. Eine Attraktion war die 30 Meter lange Seilbahn.

Seilbahn war als erstes kaputt

Die Seilbahn war auch als erstes kaputt. Nach und nach teilten andere Aufbauten das traurige Schicksal. Manche Holzteile landeten sogar im Lagerfeuer. Nur noch wenige Spielgeräte sind brauchbar: Reckstangen, ein Kletterrondell und die Wellenrutsche. Das einstige Vorzeigeprojekt wird für den Verein zum Klotz am Bein. Annemarie Jonas: „Wir müssen noch viele Jahre lang Pacht bezahlen. Es ist für den Verein ein ganzes Stück teurer gekommen, als es sich Helmut Jäger damals gedacht hat.“

Was bleibt, ist eine Hügellandschaft aus 70 000 Kubikmetern Erdaushub, die sich für Mountainbiker und als Jugendtreff eignet. Die vielen Wildkräuter locken Schmetterlinge an, abends wurden schon Hasen und Ehe auf dem Hügel gesichtet. Annemarie Jonas: „Ein Stück Natur zu erleben, ist doch auch etwas Schönes.“

Quelle: op-online.de

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