Prunksitzung im Stadtparlament

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Der Durchbruch: Die Junggugisheimer erstürmen das Rathaus.

Jügesheim ‐ So macht Politik Spaß: Beim Rathaussturm der TGS-Karnevalisten war das Vorspiel auf der Bühne gespickt mit Anspielungen auf den örtlichen Politikbetrieb. Da mutierte das regierende Viererbündnis zur Konfetti-Koalition, die bevorstehende Haushaltsdebatte zur närrischen Prunksitzung und der Magistrat zum Elferrat. Von Ekkehard Wolf

Die Stadträte Michael Schüßler (FDP) und Jürgen Hoffmann (SPD) spielten gern mit. Die Narrenkappe passte ihnen wie angegossen. Da konnte Erste Stadträtin Hildegard Ripper (CDU) nur noch die weiße Fahne schwenken.

Bei den Prunksitzungen in der städtischen Narhalla erwartet die Bürger am 22.2. ein buntes Programm. „Es wird schon der Eine oder Andere aus der Reihe tanzen“, stellte Jürgen Hoffmann in Aussicht. Bei den Gesangsgruppen komme es vor allem darauf an, den richtigen Ton zu halten: „Wir singen ja mehrstimmig.“ Bewusst habe das Präsidium die Sitzung in die Fastenzeit gelegt, so Michael Schüßler. Statt Schunkelrunden und Völlerei seien alle Beteiligten um große Einsparungen bemüht: „Nur das Glockenläuten ist noch umsonst.“

„Die Stadtkasse ist leer und wird wohl nicht voller. Kommt her, überzeugt euch, es wird immer doller“, empfing Stadtkämmerin Hildegard Ripper die Prinzenpaare im Rathausfoyer. Während sich ihre beiden Magistratskollegen von der Konfetti-Koalition brav an das Manuskript aus der Feder von Lothar Mark hielten, stammten die Ripper-Reime aus eigener Produktion. „Ich kann auch selber dichten“, verriet die Kämmerin selbstbewusst am Rande des Geschehens.

Da war die Müll-Show schon über die Bühne gegangen: kurz, bürgernah und mit einem Potpourri närrischer Klänge gewürzt. „Wer soll das bezahlen“ (höhere Müllgebühren), „Ich steh‘ hier schon seit Stunden“ (nicht geleerte Tonnen), „Da sinn mer dabei“ (immer noch nicht geleerte Tonnen an den Feiertagen)… Und was singt der Nachbar, der seinen Müll illegal in eine fremde Tonne stopft? „Aaner geht noch, aaner geht noch noi.“

Was man mit einer Mülltonne noch alles machen kann, bewies die Giesemer Müllband in bester Stomp-Tradition. Markus Schlaich, Frank Eser, Michael Weimer und Felix Keller klapperten und trommelten allerdings nicht auf Remondis-Tonnen, sondern auf 120-Liter-Tonnen des früheren Entsorgers Sulo - die waren ohne monatelange Wartezeit verfügbar.

Nicht nur die Müllband hatte Premiere. Katja I. und Thorsten I. durften als erstes Prinzenpaar im Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung Platz nehmen. Zu verdanken hatten sie das Bürgermeister Alois Schwab, der - erstmals in 60 Jahren Rathaussturm - sein Dienstzimmer vor den Narren verschlossen hatte. Statt vom Jubelbalkon des Schultheißen riefen die Tollitäten ihr „Giesem hellau“ vom Seitenfenster der Saal-Empore hinab. TGS-Sitzungspräsident Rudi Ott: „Ob mit oder ohne Balkon, wen stört das schon.“

Quelle: op-online.de

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