Massiver Ordnungsdrang

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Gudrun Pfahl

Jügesheim - Ein psychisch Kranker irritiert und verärgert Anwohner und Geschäftsleute der Rodgau-Passage durch sein auffälliges Verhalten.

Der seit Jahren ortsbekannte Mann reißt auf seinen Streifzügen zu Fuß durch Jügesheim Unkraut aus Beeten und an Bürgersteigen heraus und verschont inzwischen leider auch die vor Geschäften in Kübeln gepflanzten Blumen und auch Hecken nicht mehr. Ladenbesitzer finden morgens ihre Blumenkübel manchmal mitten auf der Hintergasse oder in der Passage wieder. Am Dienstagabend bearbeitete der Patient dort einen Stapel Altpapier. Auch soll er schon gesehen worden sein, wie er in einem Bäumchen in der Passage saß und mit großer Energie Äste herunter trat. Bürger erzählen, sie hätten den Mann sogar dabei beobachtet, wie er sich in der Rodau an der Egerstraße wusch und dort dann in seinem unbändigen Drang zum Aufräumen die Uferböschung mit bloßen Händen bearbeitete.

Dem städtischen Ordnungsamt sind die verstörenden Vorfälle bekannt. Stadt-Sprecherin Sabine Fischer aber sagt, der Stadt seien die Hände gebunden. Der Mann stehe unter Betreuung. Eine Möglichkeit, etwas an der Situation zu ändern sei es, auf die Betreuerin einzuwirken, damit ihr Klient sein Verhalten ändert. Auch Anzeigen bei der Polizei (am besten mit Foto-Beweis) könne man in Betracht ziehen. Über mögliche Ursachen des ungewöhnlichen Verhaltens sprach Redaktionsleiter Bernhard Pelka mit Psychotherapeutin Gudrun Pfahl. Sie leitet das Psychosoziale Zentrum „Die Brücke“ des Diakonischen Werks Offenbach-Dreieich-Rodgau in Rödermark.

Was verbirgt sich hinter dem verstörenden Verhalten?

Ferndiagnosen sind immer schwierig, ich kenne den Mann nicht. Aber Ihre Schilderungen sprechen für eine schwere psychische Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis.

Warum konzentriert sich der Mann ausgerechnet auf Saubermachen, Unkrautreißen - und jetzt leider auch auf Blumen?

Dafür kann ich nicht die eine schlüssige Erklärung liefern. Ganz allgemein hängt dies aber zusammen mit dem Erscheinungsbild einer Schizophrenie, mit der eine Störung des Denkens, Wahrnehmens und Fühlens einhergeht. Dazu gehören Halluzinationen, sozialer Rückzug und Wahnvorstellungen. Vielleicht befehlen Stimmen oder eine Wahnidee dem Mann, sich so zu verhalten. Vielleicht sind für ihn die Blumen vergiftet. Oder eine äußere Kraft befiehlt ihm, Rodgau sauber zu machen. Das hat eben mit der Erkrankung zu tun.

Wie sollen sich Bürger verhalten, wenn sie dem Mann begegnen. Können Sie einen Ratschlag geben?

Da habe ich kein Patentrezept. Man könnte ihn behutsam ansprechen. Aber dass er seine Handlungen dann sein lässt und Einsicht zeigt, ist fraglich, da das, was er macht, für ihn ja einen Sinn hat. Sonst würde er das nicht machen. Vielleicht ist er davon überzeugt, etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun. Vielleicht ist sein Tun auch schon stark chronisch und er kann es gar nicht sein lassen. Die Gesellschaft müsste dann eben ein Stück weit akzeptieren, dass es solche Menschen gibt.

Der Mann steht ja unter Betreuung. Was kann der Betreuer oder die Betreuerin tun?

Ich gehe davon aus, dass schon alles Mögliche versucht worden ist. Aber man kann niemand gegen seinen eigenen Willen behandeln oder wegsperren. Da bleibt dann nur die Frage: Ist Blumenreißen eine Fremdgefährdung? Das muss man aus meiner Sicht dann ganz klar verneinen.

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Quelle: op-online.de

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