Er soll bei Einkaufsgebieten nicht Schlusslicht sein

Neue Konzepte für Puiseauxplatz gefragt

+
Wie ein Spinnennetz sieht der Puiseauxplatz von oben aus.

Nieder-Roden - Die Zukunft des Puiseauxplatzes ist wieder in der Diskussion. Eine Arbeitsgruppe aus zehn Einwohnern will sich in den nächsten Monaten damit beschäftigen. Von Ekkehard Wolf

An einem Informationsabend der Stadt in Nieder-Roden nannten rund 50 Besucher die Stärken und Schwächen ihres Stadtteils. Das vordringlichste Problem: der Puiseauxplatz.

Als größter Stadtteil ist Nieder-Roden ein wichtiges Stück Rodgau. Der Stadtteil stellt ein Drittel der Rodgauer Einwohner, verfügt über das größte Gewerbegebiet und den größten Stadtplatz für Märkte und Veranstaltungen. Doch mit Größe allein ist es nicht getan. Der Puiseauxplatz ist dafür der beste Beweis. Eine neue Stadtmitte, wie man sie sich in den 70er Jahren erhoffte, ist daraus noch nicht entstanden. Wenn nicht gerade Wochenmarkt oder Weinfest ist, wirkt die große Fläche leer.

Bauliche Gegebenheiten erschweren Konzepte

Eine neu gegründete „Interessengemeinschaft Puiseauxplatz“ (IG PP) aus Anwohnern und Geschäftsleuten will die neue Stadtmitte beleben. Die baulichen Gegebenheiten machen das nicht einfach. Von der Hauptverkehrsachse (Frankfurter Straße) kann man den Platz nicht einmal erahnen. Viele kleine Läden sind so angeordnet, dass man sie nicht zu größeren Einheiten verbinden kann. Und eine gerade Sichtachse sucht man vergebens: Mitten auf dem Puiseauxplatz macht sie einen Knick.

Der Ortsbeirat diskutiert seit Jahrzehnten immer wieder über dieses Erbstück aus den 70er Jahren. Außer kosmetischen Änderungen kam dabei bisher nicht viel heraus: Rankgitter an den Zugängen, Lagepläne und Wegweiser und als Glanzpunkt ein Brunnen in der Mitte.

Ein lebendiger Mittelpunkt ist der Puiseauxplatz freitags von 8 bis 13 Uhr während des Wochenmarkts.

Seit rund zwei Jahren spricht der städtische Wirtschaftsförderer Bernhard Schanze mit Geschäftsleuten, Eigentümern und Anwohnern. Mehrmals wurde im Ortsbeirat der Wunsch nach Informationen laut – bisher vergebens. Bürgermeister Jürgen Hoffmann vertröstete den Ortsbeirat bis zum neuen Einzelhandelsgutachten. Dieses Gutachten liegt nun vor. In vier Wochen wird es den städtischen Gremien vorgestellt.

Die Zahlen unterstreichen, dass Nieder-Roden fast ebenso viele Einzelhandelsgeschäfte (70) hat wie Jügesheim (82). Allein im Stadtteilzentrum um den Puiseauxplatz befinden sich 27 Läden mit 2 900 m² Verkaufsfläche. Doch gerade dort stehen Geschäfte leer. Wirtschaftsförderer Schanze spricht von einem Teufelskreis: Je weniger Kunden einkaufen, desto mehr Geschäftsleute geben auf – mit der Folge, dass die Kundenfrequenz weiter abnimmt.

Eine Haushaltsbefragung zur Nutzung von elf ausgewählten Einkaufsgebieten weist den Puiseauxplatz und die Frankfurter Straße als Verlierer aus. Nur neun Prozent der befragten Rodgauer kaufen dort öfter ein als im Jahr 2010 (der niedrigste Wert unter allen elf Gebieten), aber 36 Prozent seltener.

Der Erfolg eines solchen Stadtteilzentrums hängt oft von einem Lebensmittelmarkt ab. So können die Kunden bei ihren alltäglichen Besorgungen auch gleich in den Fachgeschäften einkaufen. Die Gutachter von „Stadt & Handel“ empfehlen ein Lebensmittelgeschäft mit Vollsortiment, um viele Kunden anzuziehen. Auf Anfrage der Wirtschaftsförderung winkten bisher alle Kandidaten ab.

Bauliche Veränderungen auf lange Sicht sinnvoll

Der größte Laden am Puiseauxplatz (828 m²) beherbergte nach dem Auszug eines Discountmarkts zunächst ein türkisches Lebensmittelgeschäft und dann einen Kleiderdiscounter. Seit ein paar Jahren steht der Laden leer. Die Eigentümer und eine Immobilienmaklerin suchen neue Mieter und neue Konzepte: Umbau nicht ausgeschlossen.

Ein attraktiver Einzelhandels- und Dienstleistungsschwerpunkt braucht laut Bernhard Schanze ein Miteinander aus großen und kleinen Läden mit guter Verkehrsanbindung. Die vorhandenen Gebäude seien jedoch fast ausschließlich auf kleine Geschäfte ausgerichtet. Auch die Verkehrsanbindung sei nicht optimal.

Als Chancen für die Zukunft nennt der Wirtschaftsförderer eine höhere Publikumsfrequenz durch eine „Kleinflächenförderungsstrategie“, die Wiederbelebung der leer stehenden Läden (Kik, Schlecker) sowie mehr Veranstaltungen. Auf längere Sicht, also in etwa zehn Jahren, seien auch bauliche Veränderungen sinnvoll. Die Gutachter von „Stadt & Handel“ schlagen vor, den Puiseauxplatz stärker zur Frankfurter Straße zu öffnen.

Eine zweite Herausforderung liegt in den Interessenkonflikten zwischen Anwohnern und Gewerbetreibenden. Ein lebendiges Stadtzentrum und wohnortnahes Einkaufen bringt auch unerwünschte Geräusche mit sich: abends, nachts und am Wochenende. Schanzes These: Ohne fairen Interessenausgleich könne es keine Attraktivitätssteigerung und Belebung geben. Kompromissbereitschaft und gemeinsame „Spielregeln“ seien notwendig. Dafür will sich auch die neue Interessengemeinschaft einsetzen: „Miteinander statt nebeneinander“ ist das Motto der Gruppe um Marcus Krabes, Juan Martin, Markus Thiele und Heinz Zborek.

Auf die zehnköpfige Arbeitsgruppe – eine Art Zukunftsrat für Nieder-Roden – wartet viel Gesprächsstoff. Als erstes will sie sich mit dem Einzelhandelsgutachten beschäftigen. Aber auch neue Ideen für Städtebau und Verkehr sind gefragt. Die Ergebnisse nimmt Bernhard Schanze in die Stadtverwaltung mit. Für eine Anbindung an die politischen Gremien ist ebenfalls gesorgt: Mit Bernhard von der Au (CDU) sitzt auch ein Mitglied des Ortsbeirats in der Arbeitsgruppe.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare