Einkaufsstandort mit Chancen

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Blumen und frische Lebensmittel direkt vom Händler: Der Wochenmarkt bringt jeden Freitag Leben auf den Puiseauxplatz.

Nieder-Roden - Was soll nur aus dem Puiseauxplatz werden? Spätestens seit dem Umzug des Kleiderdiscounters „Kik“ rückt diese Frage wieder in den Mittelpunkt. Von Ekkehard Wolf

Die Einzelhändler rund um den Puiseauxplatz halten zusammen; das demonstrierten sie kürzlich mit einer gemeinsamen Werbeaktion. Die städtische Wirtschaftsförderung sieht gute Chancen, den Puiseauxplatz als Geschäftszentrum zu stärken.

Der ehemalige Kleiderladen ist nicht der einzige Leerstand in Sichtweite des „Brunnens der Jugend“, aber der größte. Eine Schaufensterfront von neun Metern gähnt den Betrachtern an zentraler Stelle entgegen. Dahinter warten 828 Quadratmeter Verkaufsfläche auf einen neuen Mieter. Am Ärztehaus schräg gegenüber weist ein Transparent auf freie Praxis- oder Büroräume hin. Ein kleiner Laden an der Unteren Marktstraße ist auch noch zu vermieten.

Leerstand ist einstweilen abgewendet

Ein Lichtblick: Für den Backshop „Café Sara“, der im Januar überraschend schließen musste, gibt es demnächst einen Nachfolger. Hinter den zugeklebten Schaufenstern wird schon eifrig gearbeitet. Ein weiterer befürchteter Leerstand ist einstweilen abgewendet: Die Schlecker-Filiale hat die erste Schließungswelle der insolventen Drogeriemarkt-Kette überstanden.

Übersichtliche Wegweiser zeigen den Weg zu Geschäften und öffentlichen Einrichtungen.

Jeden Freitag ist Wochenmarkt von 8 bis 13 Uhr mit Obst und Gemüse, Brot und Käse, Fleisch, Fisch, Gewürzen und südländischen Spezialitäten. Das Frühlingsfest mit Autoscooter & Co. ist für Schausteller Peter Stein „eines der Feste, die am besten laufen“, die Weinwoche im Sommer lockt Genießer aus der Region an. Alle zwei Jahre findet im Mai eine große Autoausstellung statt - diesmal am 5. und 6. Mai. Darüber hinaus ist „urbanes Leben“ auf dem Puiseauxplatz an 300 Tagen im Jahr eine Utopie. Ohnehin stößt jede Publikumsveranstaltung an natürliche Grenzen: Die Anwohner haben ein Recht auf ungestörte Nachtruhe. Das schränkt auch den Spielraum von Straßencafés oder Biergärten ein.

Zweite wichtige Geschäftszentrum in Rodgau

Dennoch sieht der städtische Wirtschaftsförderer Bernhard Schanze gute Chancen, weitere Einzelhändler und Dienstleister rund um den Puiseauxplatz anzusiedeln. Neben dem Ortskern Jügesheim ist dieses Gebiet für ihn das zweite wichtige Geschäftszentrum in Rodgau. „Ich sehe den Puiseauxplatz immer im Zusammenhang mit der Frankfurter Straße“, betont er. Das vorhandene Angebot für den täglichen Bedarf (Netto-Markt, Metzgerei, Bäckerei, Obst- und Gemüsehändler) reiche für die Nahversorgung von rund 10 000 Menschen nicht aus: „Es gibt ungenutzte Marktpotenziale.“ Ein weiterer Lebensmittelmarkt könne der Schlüssel zu einer positiven Entwicklung am Puiseauxplatz sein. Dazu bedürfe es mutiger Entscheidungen, um genug Verkaufsfläche, Anlieferungsmöglichkeit und Parkplätze zur Verfügung zu stellen. Eigentümer und Investoren müssten bereit sein, auch über die vorhandenen Immobilien hinaus zu denken.

Zu vermieten: 828 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Zwei große Bauvorhaben dürften die Attraktivität des Puiseauxplatzes in absehbarer Zukunft steigern. Das medizinische Kompetenzzentrum „Medicum“ steht kurz vor dem Baubeginn, wie Bürgermeister Jürgen Hoffmann sagt. Zum Puiseauxplatz werden es von dort nur ein paar Schritte sein. „Das Medicum wird die Kunden auf dem Silbertablett präsentieren“, so Hoffmann. Auch die evangelische Kirchengemeinde will den Puiseauxplatz noch stärker als Zentrum betonen, indem sie ihr Gemeindehaus zur Kirche umbaut.

Auch der bisherige „Kik“-Laden bietet viel Raum für Erfolg versprechende Geschäftsideen. Ein Beispiel: Grafikdesigner Walter Stolz, der fünf Jahre lang für die SPD im Ortsbeirat saß, schlägt eine Kleinmarkthalle mit Angeboten für den täglichen Bedarf vor. „Zwei Praktikantinnen haben das mal entworfen und auch ein Modell gebaut“, berichtet er.

Kundenfrequenz ist das A und O für den Erfolg

Wirtschaftsförderer Schanze ist skeptisch: „Eine kleinteilige Lösung ist erfahrungsgemäß in schwierigen Lagen ein heißer Ritt. Ich habe in anderen Städten schon mehrere Kleinmarkthallen kommen und gehen sehen.“ Ein größerer Lebensmittelmarkt als „Ankerbetrieb“ biete auch kleinen Anbietern mehr Sicherheit.

Das A und O für den Erfolg des Einzelhandels in Rodgau sieht Bernhard Schanze in der Kundenfrequenz, „auch wenn das manchen Feingeistern nicht gefällt“. Seine Konsequenz für den Puiseauxplatz: „Wir müssen uns an die Strukturfrage wagen. Gestaltung allein wird es nicht bringen. Beides zusammen kann zu einer langfristigen Gesundung führen. Aber das geht nicht ohne die Eigentümer.“ Dabei schließt Schanze ein mögliches Scheitern nicht aus. Der Wirtschaftsförderer ist aber Optimist genug, um auch dann nicht aufzugeben: „Wenn wir mit einer Wunschlösung scheitern, müssen wir uns eben um Alternativen kümmern.“

Quelle: op-online.de

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