Putzmittel vernichtet Geldwerte

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Im Fokus: Roy Hamilton-Bowen hat Briefmarken und Münzen im Visier. Er ist bestellter und vereidigter Sachverständiger für Philatelie bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach. Zu seinen Auftraggebern zählen Sammler, Erbengemeinschaften und Versicherungsgesellschaften.

Jügesheim (pul) ‐ Bei seiner täglichen Arbeit stellt sich Roy Hamilton-Bowen ständig die Frage nach Echtheit und Wert der ihm vorgelegten Briefmarken, Münzen und Schmuckstücke.

Als bestellter und vereidigter Sachverständiger für Philatelie bei der IHK Offenbach kommt ihm so mancher falscher Fuffziger in die Finger. Für Briefmarken- und Münzsammler hat der Amerikaner gute Ratschläge auf Lager. Der goldene Armreif aus einer Familienerbschaft liegt auf seinen Schreibtisch. Hamilton-Bowen fährt mit einem Abriebstein hauchdünn über das Schmuckstück. Je nach angegebenen Karat greift der Fachmann zu einem weißen Fläschchen mit der entsprechenden Säure und beobachtet die Farbveränderungen des schmalen Goldstreifens auf dem Abriebstein. Das Ergebnis überrascht den 53-Jährigen nicht. Die Angabe auf dem Armreif stimmt. Das Gold hat 14 Karat.

Mit einem „F“ durchlöchert die Bundesbank gefälschte Münzen. Auch solche Stücke befinden sich im Fundus von Roy Hamilton-Bowen.

Spätestens seitdem der US-Amerikaner 1987 in Rodgau sein „Sammler-Zentrum“ gegründet hat, schlägt sein Sammlerherz für Marken aus Deutschland und Europa, für Flugbelege aus aller Welt und Münzen in bester Qualität („polierte Platte“). Besonders die ehrwürdigen Stücke aus dem Deutschen Reich ab 1871 bringen seine Augen zum leuchten. „Freude für das Auge“ bringt er seine Emotionen zum Ausdruck, wenn er die Silbermünze von 1891 mit dem Konterfei des „Ernst Ludwig - Grosherzog von Hessen“ in Händen hält. Ganze 176 Stück betrug seinerzeit die Auflage.

Aber nicht alles ist Gold was glänzt. Es waren vermutlich Betrüger, die ihm vor Wochen im Ladengeschäft in der Eisenbahnstraße gefälschte Goldmünzen anboten. Sie zeigten sich nach dem Urteil des Sachverständigen uneinsichtig. Der Fall beschäftigt nun die Kriminalpolizei.

Zu seinen Kunden zählen auch Versicherungen

Häufig landen Kartons mit philatelistischen und numismatischen Inhalt in der Eisenbahnstraße. Erbengemeinschaften wollen den Wert der Besonderheiten wissen. Zu den Kunden des Sachverständigen zählen auch Hausratsversicherungen, wenn Privatpersonen ihre wertvollen Sammlungen versichern möchten. Gerichte klopfen seltener an Hamilton-Bowens Tür: Die Rechtsanwälte haben die Angaben über Wertminderung durch Brand oder Wasserschäden in der Regel schon vor dem Gerichtstermin eingeholt.

Tipps für Sammler

  • Briefmarken sind in einem Schrank aufzubewahren, bei einer Luftfeuchtigkeit von 55 bis 60 Prozent. Die Alben sollten frei von Säure und Bleichmitteln sein und aufrecht stehen.
  • Wichtig: Gelegentlich die Schranktüren öffnen, um zu lüften. Ältere Alben sind jährlich durchzublättern, um frische Luft zwischen die Seiten zu lassen.
  • Weitere Informationen gibt Roy Hamilton-Bowen unter Tel. 06106 3023

Aber es muss kein Rechtsstreit sein, damit Hamilton-Bowens Terminkalender gefüllt ist. Den „absoluten Albtraum“ eines Sammlers erlebte er vor Jahren, nachdem Privatpersonen bei der Kellerrenovierung eine alte Schmuckschatulle ausgegraben hatten. Sie glich einer kleinen Schatztruhe aus besten Piratenzeiten, aus Holz und mit Stahlbändern gefertigt, stammten die darin befindlichen Münzen aus dem 17. Jahrhundert. Leider meinten es die Finder zu gut, polierten und schrubbten die Gulden und Taler aus alten Zeiten mit herkömmlichen Haushaltsmitteln, mit Messingbürste und mit einem rauen Schwamm. „Die sind kaputt“, war das vernichtende Urteil des Fachmanns. Der vermeintliche Sammlerwert um die 40.000 Deutsche Mark schmolz nach der Putzattacke auf den Metallwert von weniger als 1.000 Mark zusammen. Da bleibt nur noch der Rat für die Zukunft, historische Münzen nicht unfachmännisch zu putzen.

Nicht nur übertriebene Reinlichkeit kann Geldwerte vernichten. Auch das Ausschneiden von Briefmarken ist zu vermeiden. Die so genannten Palmenmarken, die der im Afrika-Korps dienende Großvater eines Rodgauer Bürgers aus dem Afrika-Feldzug 1941/42 schickte, haben aufgeklebt auf dem Briefumschlag einen Katalogwert von 7.000 Euro. Nach der gut gemeinten Ablösung der Marken stehen nur noch wenige Hunderte zu Buche.

Quelle: op-online.de

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