Petra Kipper nimmt Python auf

Schlange vom Frankfurter Freibad findet Zuflucht

+
Zwei Tigerpythons sind in der Exoten-Auffangstation von Petra Kipper untergebracht. Die Schlange vom Freibad (vorne) ist viel kleiner als das weiß-gelbe Sechs-Meter-Exemplar, das sich gerade zusammengerollt hat.

Dudenhofen - Schlangenalarm neben dem Freibad: Diese Meldung machte in dieser Woche in Frankfurt Schlagzeilen. Polizisten fingen dort einen Tigerpython - ohne jegliche Gefahr für die Badegäste. Nun hat das Tier in Rodgau eine neue Heimat gefunden.

Genauer: in der Tierauffangstation von Petra Kipper in Dudenhofen. Für die Polizisten war es kein alltäglicher Einsatz am Dienstag gegen 14 Uhr. Auf einem verwilderten Grundstück neben dem Freibad Eschersheim gingen sie auf Schlangenjagd. Anwohner hatten das Tier am Nidda-Ufer gesichtet und die Polizei verständigt. Die gut zwei Meter lange Schlange ließ sich laut Polizeibericht „widerstandslos festnehmen“. Die „Lebensgefahr!“, von der eine Boulevardzeitung schrieb, bestand wohl nur in der Theorie. „Von den im angrenzenden Freibad liegenden Badegästen nahm sie keinerlei Notiz“, heißt es im Polizeibericht. Laut Bild-Zeitung hingegen hatte die Schlange „bereits die Badegäste im Blick“.

Lesen Sie dazu auch:

Schlangenalarm neben Freibad: Polizei rückt aus

„Man muss sich dem Tier langsam nähern. In dem Moment, in dem man Körperkontakt hat, ist es total entspannt“, sagt Petra Kipper in Dudenhofen, die Expertin für Reptilien und gefährliche Tiere ist. Ein Abwehrbiss könne zwar schmerzhaft sein, aber nicht tödlich. Gefährdeter sei wohl der Vermieter einer „Messie-Wohnung“ in Mühlheim gewesen, der am Donnerstag letzter Woche beim Ausräumen der verlassenen Räume auf einen fast sechs Meter langen Tigerpython stieß. Das Tier hatte wohl wochenlang gehungert und war entsprechend reizbar. Das Problem mit dem Frankfurter Tigerpython sieht Petra Kipper auf einer ganz anderen Ebene: Die Schlange war nicht beim Regierungspräsidium gemeldet, obwohl sie dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (Cites) unterliegt. „Solche Tiere sind meldepflichtig, sonst ist ihre Haltung illegal“, weiß die Leiterin der Tierauffangstation.

Glück im Unglück

Glück im Unglück: Für den Tigerpython gibt es Cites-Papiere, in denen bestätigt wird, dass er kein Wildfang ist, sondern aus einer Nachzucht stammt. „Wir können ihn einfach nachträglich melden“, sagt Petra Simon erleichtert, nachdem sie mit der Behörde telefoniert hat. Wie kam die Schlange überhaupt in die Nähe des Freibades? Sie war ihren Besitzern ausgebüxt. Offenbar hatte das muskulöse Tier einen Spalt neben der Schiebetür seines Terrariums entdeckt und die Scheibe aufgeschoben. Als die Besitzer merkten, dass ihr Tigerpython verschwunden war, riefen sie bei der Tierrettung an. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Tier schon auf der Reise nach Dudenhofen.

Durch den Anruf der Besitzer klärte sich auch die Sache mit den Cites-Dokumenten. Beim Kauf der Schlange vor acht Jahren hatten sie vom Zoohändler zwar die Papiere erhalten, aber ohne den Hinweis auf die Meldepflicht. Petra Kipper hört so etwas nicht zum ersten Mal. Sie kritisiert, „dass manche Händler ihrer Verantwortung nicht nachkommen“. Nun hat der Tigerpython eine neue Heimat in Dudenhofen. Das Frankfurter Paar will sein exotisches Haustier nicht wieder zurückhaben. Der Grund: Die beiden sind beruflich so belastet, dass sie für ihre Schlange nur noch wenig Zeit haben. Dennoch wollen sie auch weiterhin eine Patenschaft für das Tier übernehmen, solange es in der Auffangstation lebt.

www.wildtierarche-rodgau.de

Ob und wann sie den Tigerpython an andere Tierfreunde abgibt, weiß Petra Kipper noch nicht. Aber wenn sie Tiere vermittelt, dann nur an Menschen, von deren Fach- und Sachkunde sie sich überzeugt hat. „Die Leute müssen sich mit Fachliteratur beschäftigen. Ich mache mit ihnen eine Art Prüfung, bevor ich ein Tier abgebe.“ Sie legt auch Wert darauf, dass ein fertig eingerichtetes Terrarium vorhanden ist. Gegen Angst vor Schlangen hilft vielleicht einer der Aufklärungsvorträge, die die Referentin für Tier- und Artenschutz anbietet. Sie will unbegründete Furcht durch angemessenen Respekt ersetzen: „Es gibt kein gefährliches Tier, es gibt nur gefährliche Situationen, wenn ich mich mit einem Tier nicht auskenne oder gewisse Regeln missachte.“ Wer die Auffangstation für Wildtiere und Exoten unterstützen will, kann sich an den Verein „Wildtierarche Rodgau“ wenden.

eh

Quelle: op-online.de

Kommentare