ADFC kommentiert die Ergebnisse des Fahrradklimatests

Bei den Radwegen herrscht große Unklarheit

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Viele Schilder machen es nicht deutlicher: An dieser Stelle ist der Radweg gut erkennbar. 

Rodgau - Radfahren in Rodgau macht Spaß. Dennoch vergeben Fahrradfahrer nur eine mittelprächtige Schulnote (3,6) an die Stadt. Das sind zwei Ergebnisse aus dem jüngsten Fahrradklimatest des Allgemeinen deutschen Fahrradclubs (ADFC). Von Ekkehard Wolf und Simone Weil 

An der Umfrage beteiligten sich 60 Rodgauer Radler. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ. Bundesweit liegt Rodgau damit im oberen Mittelfeld der Städte mit weniger als 50.000 Einwohnern: als 135. von 364 Städten. Als positiv bewerteten die Umfrageteilnehmer, dass viele Einbahnstraßen für Radfahrer in beide Richtungen freigegeben sind und dass man Fahrräder in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen kann. Dazu kommt der Eindruck, dass Radfahren mehr Spaß als Stress bereitet. Schlechte Noten gab es für das Angebot an öffentlichen Leihfahrrädern, die Verkehrsführung an Baustellen und die Ampelschaltungen für Radfahrer.

Die Befragten fühlen sich sicherer und als Verkehrsteilnehmer stärker akzeptiert (Note 3,3) als Radfahrer in anderen Städten ähnlicher Größe. Sie vermissen jedoch komfortable und sichere Abstellmöglichkeiten (Note 4,2). An den Fahrrad-Wegweisern kann man sich laut Umfrage ganz gut orientieren (Note 2,8).

Obwohl man Fahrräder in der S-Bahn kostenlos mitnehmen kann, gab es bei dieser Frage nur die Note 2,6. Zwei Umfrageteilnehmer vergaben sogar eine glatte Sechs: Ihrer Ansicht nach ist es schwierig oder teuer, Fahrräder in öffentlichen Verkehrsmitteln mitzunehmen.

Wenig Ortskenntnis verrieten einige Teilnehmer auch bei der Frage nach öffentlichen Leihfahrrädern. Zum Zeitpunkt der Umfrage gab es in Rodgau kein einziges. Dennoch stimmten zwei Leute uneingeschränkt der Aussage zu, Leihfahrräder seien „für jeden einfach, zuverlässig und preisgünstig nutzbar“.

Für Rödermark veröffentlichte der ADFC diesmal keine Auswertung. Dort waren weniger als 50 Fragebogen ausgefüllt worden.

Der Fahrradklimatest ist laut ADFC weltweit die größte Umfrage zu diesem Thema. Der Online-Fragebogen wurde im Herbst 2016 rund 120 000 Mal ausgefüllt. Dennoch können die Ergebnisse nur eine mögliche Tendenz aufzeigen. Repräsentativ sind sie nicht. Dazu ist die Anzahl der Teilnehmer pro Stadt zu gering. Außerdem ist nicht sicher, dass jeder Teilnehmer den Fragebogen nur einmal ausgefüllt hat.

Die örtliche ADFC-Gruppe jedenfalls hat einige Schwachstellen in Rodgau ausgemacht: Für schwierig hält Stefan Janke, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Rodgau, etwa die nicht benutzungspflichtigen Radwege: „Davon gibt es besonders in Nieder-Roden sehr viele. Das Problem: fast niemand kennt die Rechtslage.“

Bilder: Rodgau muss bei Fahrradfreundlichkeit nachbessern

Als Beispiel nennt der Experte die Frankfurter Straße nördlich der Rodgau-Ringstraße: Dort wurden die Radwege durch ein Schild zu Gehwegen. Südlich der Rodgau-Ring-Straße sind es aber weiter Radwege (ebenfalls baulich anders als der Gehweg). Fahren Radfahrer dort, schimpfen die Fußgänger, fahren die Radfahrer auf der Fahrbahn (was sie auch dürfen), schimpfen und hupen die Autofahrer. Janke bekam Anrufe von Leuten, denen es so ergangen ist.

Das besondere Problem sei, dass mit der Entschilderung der Wege (da ging es aber um die Aufhebung der Benutzungspflicht, nicht des Benutzungsrechts) für die Stadt Rodgau die Wege aufgehört hätten, als Radwege zu existieren. Manch Mülleimer einer Bushaltestelle stünde nun auf dem Radweg und die ganzen Wegebeziehungen seien nicht angepasst worden, kritisiert Janke: „In anderen Städten arbeitet man zur Verdeutlichung wo Radfahrer fahren dürfen mit Fahrrad-Piktogrammen – in Rodgau leider nicht.“

Auch Falschparker machen Zweiradfreunden das Leben schwer: ganz extrem in der Alfred-Delp-Straße in Hainhausen. Es habe mit dem Hinterrad eines Pkw angefangen, sagt Janke, nun stünden sie nur noch zur Hälfte im eingezeichneten Parkplatz und der Rest auf dem Sicherheitstrennstreifen zum Radweg und darüber.

Nachträglich seien Parkplätze genau neben dem Radweg angelegt worden, ohne Sicherheitstrennstreifen, so- dass der Außenspiegel in den Radweg ragt. Die Konsequenz: „Der Beginn des benutzungspflichtigen Radweges ist durch solche Parkplätze für Radfahrer nicht benutzbar“, kritisiert Janke.

Siehe auch www.adfc-rodgau.de

Quelle: op-online.de

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