Rätsel um verschwundenen Weg

Nieder-Roden (eh) - „Wo ist denn der Weg geblieben?“, staunten zwei Mitarbeiter der Stadt und der Stadtwerke, als sie in der Feldgemarkung nordöstlich von Nieder-Roden einen Abwasserkanal inspizierten. Dort, wo laut Katasterkarte ein unbefestigter Stichweg sein sollte, ist nichts als Ackerland.

„Wir haben festgestellt, dass die Wegeparzelle durch Spargel überbaut wurde“, bestätigt Sabine Fischer, die Pressesprecherin der Stadt Rodgau: „Links und rechts daneben sind ausgedehnte Spargeläcker.“ Luftbilder im geographischen Informationssystem („Bürger-GIS“) des Kreises Offenbach zeigen, dass der Weg bereits in den Jahren 2006 und 2009 nicht mehr existierte. „Man kann davon ausgehen, dass das schon länger so war, ohne dass es jemandem aufgefallen ist“, so Fischer.

Der fehlende Feldweg im Gewann „Die Breitwiesen“ zwischen Rodau und Bundesstraße 45 ist etwa 100 Meter lang. Es handelt sich um einen T-förmigen Stichweg. „Er hat keine Erschließungsfunktion“, betont Sabine Fischer. Damit alles seine Ordnung hat, will die Stadt mit dem Landwirt jetzt rückwirkend einen Pachtvertrag abschließen - mit der Bedingung, dass der Weg nach dem Ende des Spargelanbaus wieder hergestellt wird. Mit dem Pachtzins kann die Stadt ihren Haushalt nicht sanieren: landwirtschaftliche Flächen bringen nur ein oder zwei Cent pro Quadratmeter in die Kasse.

„Natürlich kann man nicht zulassen, dass jeder macht, was er will“, betont die Sprecherin der Stadt. Niemand unterstelle böse Absicht: „Durch die intensive Bewirtschaftung und die großen Geräte kann es passieren, dass sich Grenzen oder Wege unabsichtlich verschieben. Das passiert nicht nur auf städtischen Flächen, sondern auch mit Privatgrundstücken.“ In solchen Fällen gehe man der Sache nach, suche eine Regelung und alles sei erledigt.

Völlig überrascht reagierte Spargelbauer Jürgen Werle, als ihn unsere Zeitung gestern auf den fehlenden Feldweg ansprach: „Ich habe das Feld von einem verstorbenen Landwirt so übernommen. Das ist schon mehr als 20 Jahre so.“ Die Felder seien offenbar früher zusammengelegt und gemeinsam bearbeitet worden. Jürgen Werle kann sich nicht vorstellen, dass das ohne Einverständnis der Gemeinde geschehen sei,: „Es geht doch kein normaler Landwirt hin und pflügt einen Feldweg um.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Rolf van Melis/pixelio.de

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