Mit Räuberleiter in den Sattel

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Eine Woche lang Reitspaß haben und dabei noch viel übers Lieblingstier erfahren: Sommerferien im Pferdestall Hainhausen.

Hainhausen - Eine ganze Woche mit Ponys und Pferden zusammensein, sie striegeln, streicheln und vor allem reiten: Das ist ein Traum vieler Mädchen. Von Simone Weil 

Doch nicht nur Mädchen haben die Vierbeiner ins Herz geschlossen, auch zwei Jungs sind unter den zwölf Teilnehmern der städtischen Reiterfreizeit „Rund ums Pferd“, die heute beginnt.

Nach der Vorstellungsrunde geht es in drei Gruppen an die Praxis: Nach einer Stallführung und dem ersten Kennenlernen des Bauernhofs nähern sich die Sechs- bis Elfjährigen langsam den Tieren an. Streicheln und striegeln es, müssen aber auch die ersten Pferdeäpfel zusammenkehren. „Ein Pferd ist kein Spielzeug, sondern macht auch Arbeit“, sagt Hausherrin Ursula Schüßler, die den Reitstall seit 16 Jahren betreibt. 17 Ponys und Pferde gehören dazu, die auch häufig in der Arbeit mit behinderten Menschen genutzt werden. Deswegen nennt die Chefin ihre Einrichtung in Sichtweite der S-Bahn-Station Hainhausen auch Integrativen Reitstall.

Seit zehn Jahren bietet die Stadt die Reiterfreizeit an: Wie Peter Konrad, pädagogischer Leiter der Ferienspiele, erzählt, nutzten sie anfangs auch auswärtige Angebote im Odenwald und am Edersee: Doch die seien erstens sehr teuer und zweitens ausschließlich auf Mädchen ausgerichtet gewesen. Dann sei man auf die Idee verfallen, dass Ganze vor Ort anzubieten, was die Kosten wegen der wegfallenden Übernachtung erheblich reduziert habe, sagt Konrad. 185 Euro kostet die Woche nun, inklusive einem warmen Mittagessen und Getränken.

Enge Beziehung zu Pferden

Was die Reiterfreizeit für den Verwaltungsmitarbeiter aus pädagogischer Sicht interessant macht, ist die Begegnung mit den Tieren: „Wir sind zwar auf dem Land, dennoch ist Rodgau eine Stadt und es ist für die meisten schon etwas Besonderes mal auf so einem Bauernhof zu sein.“ Die Kinder könnten von den Tieren wirklich profitieren und bauten eine Beziehung auf.

Pferde bereiten nicht nur Vergnügen, sondern auch Arbeit.

Inzwischen hat der Nachwuchs schon einiges gelernt: nämlich, dass ein Pferd zwischen 40 und 60 Liter Wasser pro Tag trinkt und dass es nur vier Pferderassen gibt. Das alles sollten sich die Fans der Vierbeiner merken, wenn sie bei der Stallolympiade zum Abschluss der Woche erfolgreich sein und vielleicht sogar eine Urkunde ergattern wollen. Ursula Schüßler lässt keine Zweifel aufkommen: „Das Pferd braucht einen Chef.“ Das können die Kinder gleich selbst ausprobieren, denn jetzt endlich geht es auf den Rücken des Tieres. Allerdings braucht der Nachwuchs erst mal einen Helm. Denn ohne den geht nichts. Da ist die Hausherrin resolut: „Ihr könntet nackig reiten, aber nicht ohne Helm.“

Zunächst ist die erste Hürde zu überwinden: Das Aufsteigen will gelernt sein. Die Betreuerinnen, die alle selbst als kleine Mädchen auf dem Reiterhof angefangen haben, helfen mit der „Räuberleiter“, indem sie ihre Hände als Tretleiter verschränken. Ein Kind führt das Pferd während ein anderes reitet. Im Sand liegen kleine Hindernisse, so dass die Tiere manchmal das Bein anheben müssen, um über dieses und jenes zu steigen oder sich zwischen Kegeln durchzuschlängeln.

Das Ferienprogramm der Stadt eingeläutet hat Geburtstagskind Lilli (8) in Weiskirchen.  J Foto: p

„Voltigieren“ steht bereits am ersten Tag auf dem Programm: turnerische und akrobatische Übungen auf dem Pferd. Tatsächlich sitzt eines der Mädchen mit dem Rücken zum Kopf des Tieres und reitet verkehrt herum. Ganz schön mutig. Auf einmal hat ein Vierbeiner Spaß am Galoppieren – auch wenn ein Kind auf seinem Rücken sitzt. Doch das bleibt trotz des ersten Schrecks recht gelassen und steigt gleich wieder auf, um dem Pferd zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Die ersten Jungen und Mädchen sind auf dem Reitplatz. Die andere Hälfte muss noch warten und kommt derweil miteinander ins Gespräch: Die zehnjährige Sarah hat den Ferienspaß von ihrer Mutter geschenkt bekommen, weil die weiß, „dass ich Pferde mag“, erzählt sie.

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In den nächsten Tagen steht noch Aufregendes an: ein Parcours mit kleinen Hindernissen, freies Reiten, Sitzschulung, ein Ausritt ins Gelände (im Idealfall sogar mit Traktorbegleitung), ein Wunschtag, an dem Verschiedenes möglich ist und die Stallolympiade mit Urkunde und Preisverleihung.

Quelle: op-online.de

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