Raketen-Spaß auf der Skipiste

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2,65 Kilo schwer, 38 Zentimeter lang und 13 Zentimeter Durchmesser: die Turbine hat so viel Kraft wie ein Kleinwagen. Christian Frey lässt das Raketen-Brett im Januar in Sölden testen.

Rodgau ‐ Erfindergeist kennt bekanntlich keine Grenzen. Schon gar nicht bei Christian Frey. Der Modellbauer aus dem Spessart hat bei der Kegelmann Technik GmbH in Jügesheim ein Produkt zur Serienreife gebracht, das prima zum aktuellen Winter passt: ein Snowboard mit Turbinenantrieb. Von Bernhard Pelka

Das Raketen-Brett ist zwar keine Schnapsidee, gleichwohl aber ein Werbe-Spaß. Der 37-jährige möchte mit dem ungewöhnlichen Sportgerät Aufmerksamkeit für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der von ihm entwickelten Turbine erregen. Das Triebwerk katapultiert zum Beispiel Modellflugzeuge in den Himmel.

„Auf dem Markt gibt es nichts Vergleichbares. Die Turbine ist sehr klein und hat trotzdem enorme Leistung“, wirbt der Tüftler für sein Aggregat, das er zusammen mit einem Geschäftspartner über eine eigens gegründete Firma weltweit vertreibt. Als Brennstoff dienen Kerosin, Diesel oder Petroleum aus einem Tank auf dem Brett. Über einen Handgasregler (ähnlich wie bei einer Carrerabahn) steuert der Snowboardfahrer per Daumendruck den Schub.

Es ging nicht ohne Verbündete

Angestellt ist Christian Frey bei Kegelmann Technik in Rodgau-Jügesheim. Dort baut er seit zehn Jahren Modelle für die Herstellung von Prototypen und Kleinserien hauptsächlich im Automobilbau: Außenspiegel, Kunststoffteile des Armaturenbretts, Klimabedienblenden, Stoßstangen und mehr.

In seiner Freizeit bastelte der Modellflugzeugbauer seit 2007 an dem Raketen-Snowboard. Das ging nicht ohne Verbündete. Mit im Boot waren eine Turbinenfirma aus München und der Hersteller von Spitzen-Snowboards, die Virus Sportartikel GmbH aus Großwallstadt. Das Wichtigste aber: sein Arbeitgeber gestattete ihm für die Entwicklungsarbeit die Benutzung der Fräs- und Drehmaschinen.

„Kreativität sollte man nicht ausbremsen. Deshalb haben wir die Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Ich fördere das gern, weil es zur Zufriedenheit meiner Mitarbeiter beiträgt“, erläutert Geschäftsführer Stephan Kegelmann seine Freude an der Innovationskraft der Belegschaft.

„45 Grad Steigung packen wir ohne Probleme“

Von deren Qualität können sich Touristen Ende Januar im Skigebiet von Sölden bei Fahrversuchen überzeugen. Dann düst ein Geschäftspartner von Christian Frey mit dem Brett den Hang hoch.

Die 32 Kilogramm Schubleistung des Strahltriebwerks (das entspricht 61 PS) werden locker für eine satte Beschleunigung reichen. Ein Vorgängermodell des aktuellen Renn-Bretts brachte es mit deutlich weniger Schubkraft auf ebener Fläche schon auf 35 km/h. „45 Grad Steigung packen wir ohne Probleme“, ist Frey überzeugt.

Seine Düse hat übrigens schon weltweit Abnehmer gefunden. Kunden kommen nicht nur aus Europa, sondern auch aus Kanada, Malaysia und Dubai. In dem steinreichen Emirat entsteht zurzeit ein Freizeitpark

so groß wie alle fünf Rodgauer Stadtteile zusammen. Auf dem weitläufigen Gelände wird es unter anderem eine Rennstrecke für super schnelle Modellautos, eine Kartbahn und einen Flugplatz für übergroße Modellflugzeuge geben. Die Triebwerke für die Jets der verspielten Scheichs liefert Christian Frey, der Daniel Düsentrieb von Rodgau.

http://www.bf-turbines.de

http://www.virus-snowboards.de

Quelle: op-online.de

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