"Raus aus der Komfortzone"

Dudenhöfer Maximilian Pfaff arbeitet als Architekturpraktikant in Shanghai 

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Maximilian Pfaff auf dem Dach eines 200 Meter hohen Wohnturms vor der imposanten Kulisse von Shanghai. Natürlich war es nicht ganz legal, dort oben zu sein, aber der junge Mann konnte der Aussicht einfach nicht widerstehen. Und ein paar coole Bilder sind ja auch dabei entstanden.

Rodgau/Shanghai - Maximilian Pfaff wollte mal „raus aus der Komfortzone“, wie er sagt. Deshalb wählte er das Land der krassen Möglichkeiten und Gegensätze als Ort für sein Praktikum: Der 22-jährige Architekturstudent arbeitet in Shanghai als Praktikant im Büro von Albert Speer + Partner (AS+P).

Freiherr-vom-Stein-Schule, Franziskanergymnasium Großkrotzenburg, Studium an der TU Darmstadt, Fußball beim TSV Dudenhofen, der SG Rosenhöhe und TS Ober-Roden: Der Lebenslauf von Maximilian Pfaff aus Dudenhofen hörte sich bis zum Frühjahr beschaulich und wenig spektakulär an. Dann wollte der junge Mann aber mal „raus aus der Komfortzone“, wie er sagt. Und suchte sich einen aufregenden Praktikumsplatz in einem krassen Land. Als Student im zweiten Masterjahr arbeitet er noch bis Anfang September in Shanghai im Büro der Architekten Albert Speer + Partner.

„Ich wollte einen richtigen Kulturschock erleben und einen neuen Maßstab kennenlernen. So viele Leute wie in den Megacities von China gibt es sonst nur an wenigen anderen Orten der Welt“, beschreibt der ehrgeizige junge Mann seine Motive. Auch bot sich China für ihn als Praktikumsland an, „da dort sehr viel gebaut wird“.

Maximilian Pfaff beim Essen mit seinem Mitbewohner William, dem er viel zu verdanken hat.

Bei der Realisierung seiner Pläne halfen ihm zuallererst seine Eltern. „Obwohl ich eine gute Wohnung, die vergleichsweise günstig ist, bekommen habe, sind die Mietkosten doch ziemlich hoch.“ Freunde, die China bereits bereist hatten, gaben ihm Tipps wegen des Visums. Maximilian hatte zunächst nur ein Visum, das nicht den gesamten angestrebten Praktikumszeitraum abgedeckt hatte. Mit Hilfe seines Mitbewohners konnte er dies jedoch verlängern und sein Praktikum wie geplant bis September fortsetzen.

Im Praktikum läuft für Maximilian soweit alles gut, das Arbeiten im internationalen Team macht ihm Spaß und bringt ihn voran. „Den größten Teil der Zeit bin ich mit spannenden Dingen beschäftigt. Ich bekomme auf jeden Fall einen super Eindruck in das Arbeitsleben in China und vor allem die Methodik, die doch unterschiedlich ist im Vergleich zu Deutschland.“

Neben normalen Zeichenaufgaben von Grundrissen, Schnitten oder Diagrammen, arbeitet der Rodgauer vor allem an Entwürfen mit. Etwa für am Konzept für ein Einkaufscenter, ein Schulprojekt, aber auch an einem Masterplan für eine neue Wohnsiedlung. Beeindruckt haben ihn auch Geschäftsessen bei „einem ziemlich reichen Investor“.

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Die Arbeit im Büro ist ähnlich wie in einem deutschen Büro, nach Einschätzung von Pfaff allerdings deutlich schneller und flexibler. In China werden im Vergleich zu Deutschland deutlich mehr Entwurfsvarianten erstellt. „Natürlich sind diese dann oft etwas oberflächlicher, aber der Bauherr kann dann aus einem Portfolio von Ideen wählen. Danach arbeitet man dann an gewissen Entwürfen weiter und vertieft diese. In Deutschland ist es eher die Praxis, dass ein Entwurf von Anfang an ziemlich detailliert durchgeplant wird.“

Markant: Probleme und Diskussionen bei der Arbeit oder bei Kunden sind Dinge, die Chinesen überhaupt nicht gerne haben. Maximilian: „Nicht umsonst sagt man, dass sie immer ihr „Gesicht wahren wollen. Ich bin aber eher der Typ, der das Problem direkt anspricht und nicht groß drumherum redet. Da war es am Anfang doch etwas kompliziert, Dinge zu besprechen. Das Verhandeln mit den Chinesen ist somit die größte Herausforderung, die es hier gibt.“

Auch der Einblick in das Leben der Chinesen fasziniert den Studenten jeden Tag aufs Neue. „Die Menschenmassen sind einfach unvorstellbar. Früher habe ich mich aufgeregt, wenn die S-Bahn in Frankfurt mal so voll war, dass man stehen musste. Hier in China würde man sich über so viel Platz in einer S-Bahn freuen.“

Mit dem Auto von Shanghai nach Shenzhen

In seiner neuen Umgebung hat sich der junge Mann schnell eingelebt. Schanghai hat er sogar „echt lieb gewonnen“, wenngleich er die Heimat vermisst. „Hier gibt es aber immer was zu sehen, jeder Weg zur Arbeit ist ein Abenteuer. Das macht es so spannend hier. Wobei ich mir manchmal auch einfach nur etwas Ruhe wünsche, da die ständige Action und die vielen Eindrücke auch erdrückend sein können.“

Was rät der 22-Jährige Altersgenossen, die Ähnliches planen?  Das Wichtigste ist, das richtige Visum zu beantragen. Da gilt es einfach dranzubleiben und bereits vor der Reise alles dingfest zu machen und den Chinesen klar sagen, was man für welchen Zweck braucht. Und: „Ansonsten kann ich nur jedem raten, den Schritt, vor allem nach China, zu wagen. Trotz der sprachlichen Barriere (es spricht kaum jemand Englisch), findet man sich immer zurecht. Hände, Füße und vor allem ein Lächeln regeln das schon. Wer aber die Möglichkeit hat und sprachlich begabt ist, dem würde ein Chinesischkurs vorher sicherlich sehr helfen, da die Chinesen es einem hoch anrechnen, wenn man ihre Sprache beherrscht. Auch wenn es nur Brocken sind.“

Am 5. September kehrt Maximilian Pfaff ins beschauliche Dudenhofen zurück. Danach geht es mit dem Erasmus-Programm allerdings bald schon ins Ausland: nach Prag. Pfaff: „Das wird nach China bestimmt ein extremer Kontrast für mich.“ (bp)

Wer weitere Erlebnisse des ehrgeizigen Praktikanten nachlesen möchte: hier die Adresse zu seinem Blog:

www.mpinsha.wordpress.com

Quelle: op-online.de

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