Soziales Engagement führt nach Bolivien

Weiskirchen - Wie packt man einen Koffer für 13 Monate? Vor diesem Herausforderung steht die 19-jährige Rebekka Steil. Nach ihrem Abitur an der Claus-von-Stauffenberg-Schule geht sie nun für über ein Jahr nach Bolivien, um dort Straßenkinder in einem Kinderheim zu betreuen.

Zwar gab es während des zehntätigen Vorbereitungsseminars bei Friedberg auch eine Infoveranstaltung hierfür. Aber wie klein ein einziger Koffer sein kann, das muss jeder Teilnehmer selbst erfahren. „Laptop? Handy? Kamera und vielleicht Zeug für zwei bis drei Wochen?“, so die ersten Überlegungen. Aber sonst ist sie gut vorbereitet. Wie man mit anderen Kulturen umgeht, wie man auf Armut reagiert und auch wie man sich sicher durch das zentral in Lateinamerika gelegene Land bewegt, hat sie gelernt. Mit „Weltwärts“, dem Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, geht es in einer Woche los.

Normalerweise müssen sich Jugendliche, die ins Ausland wollen, einen Unterstützerkreis suchen und den Teil der Kosten durch Spenden finanzieren, die das Bundesministerium nicht übernimmt. In diesem Fall übernimmt aber das Bistum Mainz die übrigen Kosten für Rebekka, die sich schon seit Jahren ehrenamtlich in der Kirchengemeinde engagiert. Die Möglichkeit mit Kindern zu arbeiten, etwas Soziales zu tun und dabei sogar noch eine andere Kultur kennen zu lernen und spanisch zu sprechen: Das waren die Gründe, warum die frisch gebackene Abiturientin nach Lateinamerika wollte. „Hätte das im Ausland nicht geklappt, dann hätte ich hier in Deutschland ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht“, erklärt sie. So erfülle sich aber ein Traum für sie.

Dabei war es zunächst nicht einfach, etwas Passendes zu finden. Lange hat sie gesucht, bis sie auf einem Infoabend des Bistums Mainz von dem Projekt für Straßenkinder und Sozialwaise gehört hat und sofort wusste: Das ist es. Das Projekt, das von einem Schweizer gegründet wurde, fördert die Kinder durch Workshops und Aktionen und gibt ihnen eine Zukunftsperspektive. „Die Zusage kam schon vor Weihnachten, aber ich habe es irgendwie immer vor mir hergeschoben, und nun wird es auf einmal ernst“, berichtet die junge Frau. Der „Kulturschock“ ist nur eine von vielen Herausforderungen, die ihr noch bevorstehen.

Freunde und Familie lässt sie für über ein Jahr zurück, ein Besuch ist bei mehr als 30 Stunden Flugzeit nicht geplant. Viele aus ihrem Freundeskreis gehen ins Ausland. Kontakt zur Heimat halten sie dank moderner Technik. Durch Videotelefonie (skyoen) kann man regelmäßig mit seinen Liebsten in Kontakt bleiben. Und Internet gehört ebenso wie fließendes Wasser und Strom zur recht komfortablen Ausstattung des Kinderheimes in der rund 50 000 Einwohner großen Stadt Quillacollo. Aber falls doch einmal etwas fehlt, bietet die direkt nebenan gelegene Großstadt Cochabamba mit 600 000 Einwohnern mehr als genug Einkaufsmöglichkeiten.

So langsam schwindet auch das Problem mit dem Kofferpacken. „Ein paar Lieblingsklamotten packe ich ein, den Rest kaufe ich dort“, erklärt Rebekka. Und man hört heraus, dass die Vorfreude doch deutlich überwiegt. Neugierig ist sie vor allem auf die Kinder vor Ort und die gemeinsame Arbeit im Projekt. Doch zunächst erwartet sie in Bolivien, wo sie zuvor noch nie gewesen ist, ein Sprachkurs und eine Eingewöhnungsphase, in der auch die freiwilligen Betreuer aus dem vergangenen Jahr da sind, um den Übergang zu erleichtern.

Über ihr Abenteuer in Bolivien berichtet sie in ihrem Blog im Internet

Trotz aller Liebe zu Kindern möchte sie im Anschluss lieber weiterhin ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Ein pädagogischer Beruf ist nicht geplant. Stattdessen möchte sie sich mit einem Dualen Studium in Betriebswirtschaft qualifizieren. Gepackt ist ihr Koffer zwar immer noch nicht. Aber der blaue Kulturbeutel mit den bunten Verzierungen kommt ganz sicher mit. Denn der stammt aus Bolivien und ist dort in einem von vielen Workshops entstanden.

Quelle: op-online.de

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