Therapie im Reitstall

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Spaß bei der Arbeit: Behinderte aus Offenbach pflegen in Hainhausen Pferde und misten täglich sieben Boxen aus.

Rodgau - Der Verein Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach erweitert sein ohnehin breites Angebot für Menschen mit Handicap um eine weitere Facette. Von Bernhard Pelka

Drei geistig Behinderte aus der Wohnanlage Offenbach betreuen im Integrativen Reitstall von Ursula Schüßler auf dem Rücker-Hof täglich Pferde.

Seit 13 Jahren bietet die Reitlehrerin auf dem Gelände von Albert Rücker unter anderem therapeutisches Reiten, Reitstunden für verschiedene Altersgruppen, Reiterspielgruppen für Kinder und Ferienspiele an. Das Projekt zusammen mit der Behindertenwohnanlage Offenbach ist nun ein neuer Aspekt dieses vielseitigen Engagements.

Ställe ausmisten, die Tiere mit Futter versorgen, ein bisschen reiten und sorgsame Pflege gehören nun täglich von 10 bis 13 Uhr zum Pensum von Peter Langfermann, Wilfried Becker und Michael Schäfer.

Spezielle Therapiepferde werden genutzt

Betreuungshelferin Elisa Brendel und Reitlehrerin Ursula Schüßler sehen dabei immer nach dem Rechten. Besonders natürlich während der Reitstunden. Die drei fleißigen Helfer aus Offenbach nutzen dafür spezielle Therapiepferde, die sich durch besondere Eigenschaften auszeichnen. „Das sind Freiberger Kaltblüter aus der Schweiz, die ich ausgebildet habe“, berichtet Ursula Schüßler stolz. „Die sind vom Gemüt her sehr ruhig und freundlich.“

Die Pferdeexpertin hat auf diesem Gebiet große Erfahrung. Schon in den 80er Jahren arbeitete sie auf der therapeutischen Reitanlage der Offenbacher Arbeiterwohlfahrt im Hainbachtal (AWO) als Behindertenbetreuerin. Diese Reithalle gibt es inzwischen nicht mehr. Reiten als Therapie hält Ursula Schüßler aber immer noch für ein unverzichtbares Konzept.

Schon seit Jahren reiten freitags sechs Behinderte der Wohnanlage Offenbach bei ihr. Das findet nun Ergänzung durch die drei aktiven Rentner.

Suche nach sinnvollen Tagesgestaltung

„Wir haben in Offenbach ein Angebot für unsere Menschen, die nach einem langen Arbeitsleben in der Behindertenwerkstatt der AWO nun in den wohl verdienten Ruhestand gegangen sind. Sie werden bei uns in der sogenannten Tagesstruktur betreut . Einige von ihnen suchen aber nach einer aktiven, bewegungsorientierten und sinnvollen Tagesgestaltung außerhalb der Einrichtung. Für sie haben wir nach einem Freizeitangebot gesucht und im Integrativen Reitstall auf dem Rücker-Hof beste Voraussetzungen, herzliche Aufnahme und eine prima Atmosphäre gefunden“, erläutert der stellvertretende Wohnverbundleiter Andreas Schwab das Projekt.

Christina Köllnick (links) und Ursula Schüßler (rechts) arbeiten für ihr Leben gern mit den Pferden im Integrativen Reitstall.

Es ist nur eins von vielen. Tauch- und Kochkurse, Tanzen, Sport, Besuche der Heimspiele des OFC, Lese- und Rechtschreibekurse, eine Rhythmikgruppe, künstlerische Angebote, Yoga und mehr sind feste Bestandteile der Tagesstruktur der Bewohner. Diverse Vereine und Ehrenamtler unterstützen die Wohnanlage Offenbach dabei.

Hilfe ist auch für das neue Projekt auf dem Reiterhof in Hainhausen vonnöten. Betreuerin Elisa Brendel tauscht Mistgabel, Schubkarren und Sattel mit einem Studienplatz und hört im Herbst auf. Bis Oktober muss ein neuer Betreuer/Betreuerin gefunden sein - entweder im Zuge eines freiwilligen sozialen Jahres, des Bundesfreiwilligendienstes oder auf 400-Euro-Basis. „Interessenten haben am besten schon den Führerschein und Pferdeverstand“, sagt Schwab schmunzelnd.

Wer sich dafür interessiert und das Projekt unterstützen möchte, meldet sich bei ihm unter 069/83007760 oder bei Ursula Schüßler unter 0163/6040531.

Quelle: op-online.de

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