Frankfurter Weg ist dicht

Reitverbot im Wald

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Nichts geht mehr für Reiter am Frankfurter Weg.

Nieder-Roden - Der Frankfurter Weg zwischen Nieder-Roden und der Kreisquerverbindung (K 174) ist ab sofort für Reiter gesperrt. Für alle, die zu Pferd unterwegs sind, fällt damit eine wichtige Verbindung weg. Von Ekkehard Wolf und Bernhard Pelka 

Pferdehufe dürften diese Vertiefungen im Frankfurter Weg verursacht haben. Die Stadt hat die Strecke jetzt für Reiter gesperrt.

Die Stadt begründet die Sperrung des Waldwegs mit den Schäden der letzten Monate. Erst vor einem knappen halben Jahr war der 1 600 Meter lange Weg von Grund auf instandgesetzt worden. Seither haben zahlreiche Pferde ihre Spuren hinterlassen.
Neue Waldwege haben eine empfindliche Oberfläche, die sich erst im Lauf der Zeit verdichtet. Erfahrene Geländereiter wissen das. Dennoch waren kurz nach dem Ende der Bauarbeiten die ersten Hufspuren eingedrückt. Ein Appell der Stadt über die Presse, den Weg zunächst zu meiden, hatte nicht den erhofften Erfolg.
„Jeder weiß, dass neue Wege empfindlich sind. Außerdem hat die Herstellung unser aller Geld gekostet“, sagt Richard Murmann vom Katharinenhof, der in der Nähe liegt. Er habe die Kunden seines Reitstalls gebeten, den frisch hergerichteten Waldweg zu schonen. Er könne aber nicht überprüfen, ob sich auch alle daran halten.

Der Frankfurter Weg sei allerdings praktisch die einzige Möglichkeit zu einem Ausritt im Wald. Die anderen Waldwege in der Umgebung des Katharinenhofs seien in katastrophalem Zustand und ungeeignet zum Reiten. Von den Forstarbeiten vor zwei, drei Jahren seien tiefe Reifenspuren übrig. Manche Löcher seien bis zu einen halben Meter tief: „Dort zu reiten ist lebensgefährlich.“ „So kann man es nicht lassen“, betont Richard Murmann. „Es würde schon reichen, wenn jemand die Löcher mit einer Raupe zuschiebt.“ Er habe schon überlegt, das selbst zu tun, wolle aber nicht in öffentliches Eigentum eingreifen.

Die städtische Pressestelle will der Klage über den Zustand der Waldwege nachgehen. Spontane Antwort der Pressesprecherin Sabine Hooke: „Wenn bei Forstarbeiten Wege kaputtgemacht worden sind, werden sie wieder hergerichtet.“

Ein Ausritt über Feldwege ist laut Richard Murmann nicht für alle Reiter eine gute Alternative. „Wir haben auch viele junge Pferde, die sich leicht erschrecken. Im Wald ist es für sie einfacher: Links und rechts ist keiner, der sie ablenkt.“ Man könne die Tiere auch nicht ständig in der Reithalle bewegen, sonst würden sie unruhig.

Kleinere Waldwege in der Nähe sind in schlechterem Zustand – offenbar nicht nur wegen der Reiter. -  Fotos: Pelka

Für die Sperrung des Frankfurter Wegs führt die Stadt noch einen zweiten Grund an: Es gebe zunehmend Beschwerden über rücksichtlose Reiter, die teilweise zu dritt nebeneinander unterwegs seien, ohne auf andere Rücksicht zu nehmen. „Das kann keiner von uns sein“, nimmt Richard Murmann die Kunden des Katharinenhofs in Schutz: „Sie wissen, dass man das nicht macht.“ Es gebe allerdings auch rücksichtslose Jogger, Fahrradfahrer und Hundehalter.
Früher gab es solche Probleme kaum. Für die Waldgebiete gab es einen sogenannten Entmischungsplan, auf dem spezielle Reitwege eingezeichnet waren. Davon sind in Rodgau nur noch kleine Reste übrig. Das hessische Fortgesetz sieht eine Trennung in Reit- und sonstige Wege nicht mehr vor. „Jeder darf zunächst mal alles“, sagt Stadtsprecherin Sabine Hooke. Das Gesetz räume aber die Möglichkeit ein, einzelne Waldwege für eine bestimme Nutzung zu sperren, sobald andere Waldnutzer beeinträchtigt werden oder Schäden im Wald und seinen Einrichtungen entstehen. Dieser Fall liege auf dem Frankfurter Weg vor. Die Sperrung gebe der Stadt die Möglichkeit, Verstöße gegen das Reitverbot zu ahnden und die Verursacher für Schäden zur Rechenschaft zu ziehen.

Islandpferde boomen in Deutschland

Eine Reiterin des Reit- und Fahrvereins Jügesheim bedauert die Entwicklung. „Das waren schwarze Schafe. Auf einen frisch gemachten Weg geht man mit seinem Pferd nicht drauf. Alle anderen Reiter müssen jetzt unter diesem Verhalten leiden“, argumentiert die Frau, die nicht namentlich genannt sein möchte. Die Pferdeliebhaberin sagt, dass mit dem nun geschlossenen Abschnitt eine wichtige Wegebeziehung verloren gehe. Das sei derzeit besonders schlimm, da durch Forstarbeiten viele Wege im Wald unpassierbar seien.

Auch Stefan Wolf, Inhaber der Reitanlage Oberwald in Weiskirchen, kann die Situation nicht gutheißen. Er sieht nicht nur Forst und Stadt in der Pflicht, sondern auch die Pferdebetriebe. Sie sollten in ihrem Umfeld den Zustand der Wege im Blick haben und notfalls in Eigenleistung verbessern. „Die Angelegenheit hat bestimmt eine lange Vorgeschichte. Die Sache hätte nicht eskalieren müssen.“

Quelle: op-online.de

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