Wertvolle Reliquie

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Pfarrer Ulrich Engel sprach über Reliquienverehrung und das Reliquiar. Es enthält winzige Knochen (kleines Foto). Auch im Altar der Weiskircher Pfarrkirche liegen hinter einer Art Lüftungsgitter Reliquien im Verborgenen: die Knochen von Märtyrern.

Weiskirchen - Zwei winzige Knochensplitter, gebettet in kostbares Tuch, umringt von Edelsteinen und goldenen Verzierungen: In der Kirche St. Petrus in Ketten machte ein Doppelreliquiar Station.

Es birgt sterbliche Überreste des heiligen Franz von Sales und der heiligen Johanna Franziska von Chantal.

Es enthält winzige Knochen.

Noch bis 13. August sind die Reliquien auf Rundreise. Organisiert hat die Tour Andrea Engel aus der Gemeinde Mauer bei Heidelberg. Mit Weiskirchens katholischem Pfarrer Ulrich Engel ist sie gut bekannt. So kam’s, dass der religiöse Schatz Station in dem Rodgauer Stadtteil machte. Seinen Stammplatz hat das Reliquiar im Kloster der Heimsuchungsschwestern im französischen Annecy. Dort war Andrea Engel vor zwei Jahren vorstellig geworden mit ihrem Herzenswunsch: Sie wolle die Reliquie möglichst vielen Pfarreien zur Verehrung zur Verfügung stellen. Die Ordensschwestern willigten schließlich ein. Nächste Station nach Weiskirchen ist der Wallfahrtsort Montichiari mit dem Ortsteil Fontanelle. Das ist ein Städtchen in Oberitalien, 20 Kilometer von der Bischofsstadt Brescia entfernt. Dort soll der Krankenpflegerin Pierina Gilli die Muttergottes ab 1946 mehrfach erschienen sein. Ihren Abschluss findet die Tour in Bayern.

„Leibhaftige Verbindung zu den Heiligen“

Johanna Franziska von Chantal war die geistliche Vertraute des heiligen Franz von Sales, Fürstbischof von Genf mit Sitz in Annecy. Zusammen gründeten beide 1610 den Orden der Schwestern von der Heimsuchung Mariens. Dessen Mitglieder sind im deutschen Sprachraum auch unter dem Namen Salesianerinnen bekannt. 1618 erhielt der Orden die kirchliche Anerkennung. Johanna Franziska von Chantal erlebte während ihres 30 Jahre langen Wirkens die Gründung von 82 Klöstern. Sie ist nicht nur die Ordensmitgründerin, sondern auch Patronin ihrer salesianischen Ordensgemeinschaft, der Heime und Internate, die die Schwestern betreuten.

In Weiskirchen traf die Reliquie, der „hohe Besuch“, wie Pfarrer Engel formulierte, zum Patronatstag der Pfarrei ein. Während einer Einführung in der gut besuchten Kirche erläuterte der Geistliche markante Lebensstationen der beiden Heiligen und stellte dar, weshalb Gläubige auch heute noch Reliquien verehren. Dies habe weder etwas mit „Esoterik, Totenbeschwörung oder anderem Firlefanz“ zu tun. Vielmehr seien Reliquien als „leibhaftige Verbindung zu den Heiligen“ zu verstehen. Reliquien machten das „Mysterium der Kommunikation aller, die den Heiligen Geist in sich tragen, lebendig oder tot,“ greifbar.

Was der Geistliche theologisch-tiefgründig formulierte, lässt sich laienhaft vielleicht so ausdrücken: Gläubige können sich von Heiligen eben leichter ein Bild machen und Nähe zu ihnen entwickeln, wenn sie von ihnen Gebeine, etwas Leibhaftiges, vor Augen haben. Das wiederum macht dann einen Kernsatz christlichen Glaubens leichter verständlich: Der physische Tod kann uns nicht trennen. 

bp

Quelle: op-online.de

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