Haben Sie noch Vertrauen in die Rente?

„Mir bleibt eh nichts an Rente“

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Dominik Hahn (18), Maler und Lackierer: „Da wird für mich wohl keine Rente übrig bleiben. Ich versuche, mich noch zusätzlich abzusichern.“

Rodgau - Was halten die Rodgauer von der aktuellen Debatte um die Zuschussrente? Das fragten wir Passanten.

Dominik Hahn (18), Maler und Lackierer: „Da wird für mich wohl keine Rente übrig bleiben. Ich versuche, mich noch zusätzlich abzusichern.“

Soviel vorneweg: Ob Zuschussrente, Riesterrente oder andere Modelle der finanziellen Zukunftssicherung: Die meisten Jüngeren glauben eh nicht mehr daran, dass für sie im Rententopf noch etwas übrig bleiben wird.

Judith Quadflieg, selbstständig: „Ich fürchte, dass ich sowieso keine Rente bekomme, wenn’s mal soweit ist. Ich arbeite seit meinem 15. Lebensjahr. Trotzdem würde das alleine nicht reichen. Das ist schon sehr erschreckend.“

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will mit der Zuschussrente der Altersarmut vorbeugen. Vorgesehen ist, kleine Renten langjähriger Beitragszahler, die zusätzlich auch privat vorgesorgt haben, auf bis zu 850 Euro aufzustocken - und zwar auch mit Beitragsgeldern aus der Rentenkasse. Das soll verhindern, dass Bezieher geringerer Einkommen das Gefühl haben, es lohne sich nicht mehr zu arbeiten und fürs Alter vorzusorgen.

Serdar Tiras, Schuhmacher (25): „Ich habe noch 40 Jahre Arbeit vor mir und werde eh nichts kriegen. Aber vielleicht bin ich irgendwann selbstständig und kann mir etwas aufbauen fürs Alter. In die Rente habe ich kein Vertrauen.“

Aber sind wir nicht schon mittendrin in der Altersarmut? Immer mehr deutsche Rentner müssen sich im Ruhestand Geld dazuverdienen. 2011 waren es Presseberichten zufolge 761.000 Senioren, die trotz Rente einen Minijob ausübten. Elf Jahre zuvor waren es knapp 280 000 weniger, die ihr Altersgeld aufbesserten. Eine weitere markante Zahl: im vergangenen Jahr waren 120.000 Minijobber 75 Jahre oder älter.

Petra Kern, Bankkauffrau: „Ich halte nichts von Lebensarbeitszeitverlängerung. Das ist doch bloß eine verdeckte Rentenkürzung. Es ist auch eine Unverschämtheit, die Rente dann noch zu besteuern. Wenn ich sehe, was meine Mutter, die das ganze Leben lang gearbeitet hat, an Gespartem fürs Pflegeheim drauflegen muss, werde ich wütend!“

400 steuerfreie Euro reichen vielen Älteren aber nicht aus. Deshalb hatten 2011 insgesamt 154.000 Rentner einen Job, bei dem sie Sozialabgaben und Steuern zahlten. Diese Zahl hat sich seit 1999 verdoppelt. Mehr als die Hälfte dieser Beschäftigten hatten sogar einen Vollzeitjob. Ganz abgesehen von über 65-Jährigen, die selbstständig arbeiten. Diese tauchen in den Statistiken gar nicht auf.

bp

Quelle: op-online.de

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