Rentenberatung noch zu retten?

Rodgau (eh) - Die geplante Abschaffung der Rentenberatung im Rathaus bleibt umstritten. Das zeigte die Diskussion im Sozial- und Kulturausschuss.

Redner der CDU, des Ausländerbeirats und der Fraktion „Zusammen mit Bürgern“ übten Kritik am Vorschlag der Kooperation, die Aufgaben der Rentenstelle auf ein Minimum zu reduzieren. Jörg Luther (SPD) bezifferte die erwartete Einsparung von Personalkosten auf 60.000 Euro im Jahr. Die betroffene Mitarbeiterin werde künftig an anderer Stelle im Rathaus eingesetzt.

Die Rentenberatung könne durchaus ein wichtiger Baustein einer familienfreundlichen Stadt sein, gab Elke Tomala-Brümmer (CDU) zu bedenken. Es sei immer das Ziel der Stadt gewesen, soziale Angebote für alle Altersgruppen zu machen. „Wir haben die Seniorenberatung ausgebaut“, entgegnete Luther (SPD). Diese Beratung sei über viele Jahre für ältere Menschen da, nicht nur für einen einmaligen Fall: „Einen Rentenantrag stellt man nur einmal im Leben.“

„Wenigstens einmal in der Woche eine Beratung“

Lesen Sie zu diesem Thema auch:

Einschnitt in die Rentenberatung

Auf den hohen Beratungsbedarf wies Göksal Arslan, der Vorsitzende des Ausländerbeirats, hin: „Ich weiß, was es bedeutet, diese Formulare auszufüllen. Da kommen selbst Leute mit akademischer Vorbildung nicht klar.“ Seit 18 Jahren habe er gut mit der städtischen Rentenstelle zusammengearbeitet. Gerade bei Migranten seien oft komplizierte Fragen zu klären, wenn sie in die Rentensysteme zweier Länder eingezahlt hätten. Sein Vorschlag: „Zumindest einmal in der Woche eine Beratung anbieten.“

Als „eine Frage der Solidarität in der Gemeinde“ bezeichnete Klaus Möller (ZmB) die Frage der Rentenberatung vor Ort: „So ein Rentenantrag besteht aus einem Konvolut von 50 Seiten, der fast nicht ausfüllbar ist, wenn man nicht mikroskopisch genau seine ganze Lebensgeschichte parat hat.“ Der Beratungsbedarf sei hoch.

Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP) bezeichnete die Stadt als nicht zuständig. Die Beratung in Fragen der Krankenversicherung überlasse man ja auch den Krankenkassen. Die Seniorenberatung hingegen sei eine echte Aufgabe der Daseinsvorsorge: „Da geht es um Menschen, die wirklich Hilfe brauchen.“ Im Übrigen gehe die Tendenz dazu, Sozialleistungen an zentralen Stellen zu bündeln. So würden Anträge auf Hartz-IV-Leistungen und auf Grundsicherung der Rentner nicht mehr vor Ort, sondern in der Kreisstadt Dietzenbach bearbeitet. Beim Wohngeld plane der Landtag das auch.

„Kooperation will nicht über jeden Schritt diskutieren“

„Wenn die Rentenberatung keine Daseinsberechtigung hätte, dann gäbe es sie schon lange nicht mehr“, warb Tomala-Brümmer (SPD). Sie regte an, wenigstens einen Teil davon zu retten und im Rahmen der Seniorenberatung anzubieten.

Angesichts der roten Zahlen müsse die Stadt Rodgau freiwillige Leistungen zurückfahren, betonte Heino Reckließ (FDP). Es sei nicht erstrebenswert, in die Lage von Städten wie Dreieich oder Langen zu geraten, wo ein Kahlschlag drohe. Die Kooperation sei nicht bereit, „über jeden kleinen Schritt ausufernd zu diskutieren“. Spontane Antwort von Elke Tomala-Brümmer (CDU): „Das werden Sie aber müssen.“

In einer Pressemitteilung kritisiert die CDU-Stadtverordnetenfraktion, Bürgernähe sei für die Kooperation nur ein leeres Versprechen: „Die möglichen finanziellen Einsparungen stehen in keinem Verhältnis zu den Nachteilen für die Bürger.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pauline/pixelio

Kommentare