Rettung aus dem Eis: Jede Sekunde zählt

Rodgau/Hanau (eh) - Zehn Grad unter Null am Altarm des Mains bei Hanau-Steinheim. Genau unter der Brücke der Bundesstraße zappelt ein Mann in einem Loch im Eis.

In Lebensgefahr ist er aber nicht: Die Freiwillige Feuerwehr Rodgau-Mitte übt die Rettung von Menschen, die ins Eis eingebrochen sind.

Mit der Kettensäge haben zwei Feuerwehrmänner ein Loch in die gefrorene Oberfläche geschnitten. Gut zehn Zentimeter dick ist das Eis an dieser Stelle. Doch das muss nicht überall so sein. Wenn man auf der spiegelglatten Fläche läuft, schwingt sie wie der Boden einer Sporthalle - und aus dem Loch schwappt Wasser heraus.

Die Einsatzkräfte tragen spezielle Schutzanzüge, die ursprünglich für Arbeiter auf Ölbohrinseln entwickelt wurden. Sie sind wasserdicht und haben so viel Auftrieb, dass man nicht untergehen kann. Und vor allem: Sie halten warm. In eiskaltem Wasser kann man damit angeblich zwölf Stunden überleben.

In einer Testserie auf dem Wallersee hatte die Freiwillige Feuerwehr vor drei Jahren unterschiedliche Rettungsmittel ausprobiert. Am besten eignete sich eine Rettungsschlaufe mit eingebautem Auftriebskörper. Dazu kaufte die Feuerwehr zwei Schutzanzüge. Selbst wenn der Retter ins Wasser fällt, kann nicht viel passieren.

Rund 5 000 Euro hat die Eisrettungs-Ausrüstung gekostet. Sie wurde noch nie im Ernstfall verwendet, wie Wehrführer Christian Bunge berichtet: „Soviel ich weiß, mussten wir noch nie eine Person aus dem Eis retten. Und ich bin jetzt 30 Jahre bei der Feuerwehr.“

Bei der Übung sieht das einfach aus: Der Retter geht zum Wasserloch und legt dem Ertrinkenden die Rettungsschlaufe um den Oberkörper. Dann ziehen ihn zwei kräftige Männer mit einem Seil an Land. Doch der strenge Frost hat seine Tücken: Die roten Leinen müssen ständig in Bewegung sein, damit sie nicht auf der Eisfläche festfrieren. Auch Karabinerhaken lassen sich erst wieder lösen, wenn man sie kurz wärmt. Im Ernstfall kommt es auf jede Sekunde an, denn im eiskalten Wasser lassen die Kräfte rasch nach. Mit jeder Bewegung kühlt man schneller aus. Auch gute Schwimmer können sich nicht lange an der Oberfläche halten.

Zugefrorene Gewässer können lebensgefährlich sein. Vom Ufer aus kann man nicht sehen, ob das Eis überall gleich dick ist. Ein Feuerwehrmann erlebt das in Ufernähe am eigenen Leib. Ein kurzes Knacken, und er steht mit den Stiefeln im Altarm des Mains. Mit Sorge denken Einsatzkräfte an das bunte Treiben auf dem Eis, das in den letzten Tagen etwa auf dem Finkensee zwischen Jügesheim und Hainhausen zu beobachten war. Wenigstens ist der Tümpel nicht so tief wie der Wallersee.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Wolf/op-online.de

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