Bürgerwarnsystem

Ringmaster nicht mehr interessant

Rodgau (eh) - Das Bürgerwarnsystem „Ringmaster“ funktionierte in Rodgau offenbar noch schlechter als dies bisher öffentlich bekannt geworden ist.

Die Anzahl der Warnmeldungen und die inhaltliche Qualität der Benachrichtigungen habe seit 2008 stark abgenommen, berichtete Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP) jetzt im Sozial- und Kulturausschuss auf Anfrage der CDU. Der Systembetreiber habe technische Mängel an dem Frühwarnsystem seit Jahren einfach nicht abstellen können.

Der Magistrat hatte Anfang September beschlossen, zum Jahresende aus „Ringmaster“ auszusteigen. Kritik von Bürgern habe der Magistrat seit dem Jahr 2008 regelmäßig an den privaten Systembetreiber weitergegeben. Der Tenor: „Es ist zwar schön, dass wir zu nachtschlafender Zeit angerufen werden, aber das, was dort gesagt wird, haben wir vorher schon gewusst.“

Konkrete Warnungen nur selten erfolg

Zwei Beispiele: Ein Hinweis auf die zunehmende Dunkelheit im Herbst sei zwar nicht falsch, aber auch nicht ungewöhnlich. Auch die Erinnerung an den fälligen Reifenwechsel im Oktober sei eine Selbstverständlichkeit. Konkrete Warnungen, etwa auf Trickbetrüger an der Haustür, seien hingegen selten erfolgt.

Nach den Erfahrungen der Stadt Rodgau krankt „Ringmaster“ an technischen Mängeln, wie Schüßler im Ausschuss berichtete. Der mit dem Telefonnetz verbundene Computer könne im günstigsten Fall nur 1 200 Anrufe pro Stunde absetzen. Zudem habe „Ringmaster“ den grundlegenden Nachteil, „dass man dieses System nicht quartiersbezogen einsetzen kann“.

Die Befürworter des telefonischen Warnsystems hatten jedoch von Anfang an eine wohnungsnahe Information der Bürger als besonderen Vorteil des Sicherheitsangebots herausgestellt. Noch gestern hieß es auf der Internet-Homepage des Anbieters, die Meldungen würden „nach Wohngebieten sortiert“. Bürger würden „nur informiert, wenn in unmittelbarer Nähe etwas anliegt“.

Den Mut aufbringen aufzuhören

„Wenn etwas nicht funktioniert, dann muss man irgendwann auch mal den Mut aufbringen, aufzuhören“, sagte der Erste Stadtrat im Sozial- und Kulturausschuss. Dietzenbach und Dreieich hätten als erste Städte die Konsequenz gezogen. Bereits im vergangenen Jahr habe der Rodgauer Magistrat dem Betreiber unmissverständlich angekündigt, auszusteigen, falls sich nichts bessere. Erst jetzt habe das Unternehmen für das kommende Jahr eine neue Software-Version in Aussicht gestellt. Für Rodgau kommt das allerdings zu spät. Schüßler: „Wir wollen nicht das Versuchskaninchen spielen.“

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Ringmaster ist in Rodgau am Ende

Die Idee zu einem computergestützten telefonischen Warnsystem für Bürger stammt aus Großbritannien. In den Jahren 2001/2 habe der damalige hessische Innenminister und heutige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) das System „Ringmaster“ den Landkreisen und Kommunen schmackhaft gemacht, so Stadtrat Schüßler. Rödermark ließ sich 2002 als erste Stadt des Kreises Offenbach anschließen, 2004 folgte Rodgau gemeinsam mit Obertshausen und Heusenstamm.

Der Ausstieg aus „Ringmaster“ sei für den Magistrat keine endgültige Absage an eine frühzeitige Warnung der Bürger vor Straftätern, betont der Erste Stadtrat: „Aber nicht mit diesem Betreiber und diesem System.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Arno Bachert/pixelio.de

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