Verkehrsgutachter raten vom Weiterbau ab

Chancen für Rodgau-Ringstraße sinken

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Geradeaus geht’s nicht weiter: Nach der jüngsten Verkehrsuntersuchung ist ein Weiterbau der Rodgau-Ringstraße von Hainhausen nach Weiskirchen unwahrscheinlich geworden.

Weiskirchen - Zwei lange diskutierte Straßenbauprojekte bei Weiskirchen und Hainhausen scheitern möglicherweise an den Verkehrsprognosen und den hohen Kosten. Verkehrsplaner raten vom Weiterbau der Rodgau-Ringstraße und vom Durchstich durch die Rodau-Aue ab.

Entscheiden muss die Stadtverordnetenversammlung, doch die Verkehrsplaner der Rodgauer Ingenieurgesellschaft Habermehl & Follmann raten, den Ausbau der Rodgau-Ringstraße von Hainhausen bis zur verlängerten Udenhoutstraße „nicht weiter zu verfolgen“. In einer Bürgerversammlung präsentierten die Experten am Mittwoch die Ergebnisse ihrer Verkehrsuntersuchung für Rodgau-Nord.

Notwendig geworden war das neue Gutachten, nachdem der Verwaltungsgerichtshof den Bebauungsplan im Jahr 2009 aufgrund nicht ausreichender Naturschutzgutachten für unwirksam erklärte. Der neue Bebauungsplan erforderte auch eine neue Verkehrsuntersuchung, weil die Daten der Erhebung aus 2005 veraltet waren.

Neue Prognosen viel niedriger

Die neue Verkehrsuntersuchung aus dem Zeitraum 2010 bis 2012 ist nicht nur deutlich detaillierter und genauer, sondern korrigiert auch die damals viel zu hoch angesetzten Prognosen für das Verkehrsaufkommen im Jahr 2020.

In den kommenden sieben Jahren sehen die Gutachter nur geringe Mehrbelastungen in Hainhausen aufgrund lokaler Gebietsentwicklungen, während Bundesstraße 45 und Autobahn 3 deutlich zulegen. Sogar im Süden Rodgaus sei die Verkehrszunahme größer als im Norden.

Nur 8. 000 statt 15. 000 zusätzliche Fahrten kommen laut Habermehl & Follmann auf das Straßennetz in Rodgau zu, dafür ein Großteil auf die B 45. Bereits heute sei der Verkehr im Norden nicht stärker ausgeprägt als im Süden der Stadt, rund 9. 000 bis 10. 000 Fahrten pro Werktag ertragen auch die Ortsdurchfahrten Jügesheim, Dudenhofen und Nieder-Roden.

So würde das umstrittene letzte Teilstück der Rodgau-Ringstraße die Ortsdurchfahrt Weiskirchen um 1 700 Fahrzeuge in 24 Stunden entlasten. Sofern die Rodgau-Ringstraße nicht ausgebaut wird, rechnen die Verkehrsplaner lediglich mit einem Anstieg um 800 Fahrzeuge.

Eine etwa 8. 000 Fahrten aufnehmende Verlängerung der Ringstraße würde zwar die Wilhelm-Leuschner-Straße um 2 400 Fahrzeuge entlasten, aber auch die B 45. Dies sei ein nachteiliger Effekt, denn man wolle ja den Verkehr auf überörtlichen Strecken bündeln und vom innerstädtischen Straßennetz fernhalten.

Nur 20 Prozent sind Durchgangsverkehr

Nur etwa 20 Prozent des Verkehrs in Weiskirchen entfällt laut Habermehl & Follmann auf den Durchgangsverkehr. 80 Prozent der Fahrer wohnen oder arbeiten dort oder erledigen Einkäufe. Zugrunde gelegt hatten die Verkehrsplaner die übergeordneten Zahlen des Landes Hessen, eigene Erhebungen und drei große Projekte: das neue Wohngebiet in Hainhausen, den Gewerbepark in Dudenhofen und das Gewerbegebiet „Herbäcker“ in Obertshausen.

Auf Nachfrage aus dem Publikum, das überwiegend aus Mandatsträgern bestand, wurde klargestellt, dass die Zahlen des Landes bereits von einem Ausbau der A 3 bis 2020 ausgehen. Das Gewerbegebiet W 18 westlich der Fegro sei nicht eingeflossen, da man nicht von einer Fertigstellung innerhalb der nächsten sieben Jahre ausgehe.

Auch die Frage eines Durchstichs durch die Rodau-Aue in Hainhausen haben die Verkehrsplaner begutachtet. Dabei geht es um eine direkte Verbindung von der Südtrasse zur B 45 am Wasserturm. Trotz einer Entlastung der Wilhelm-Leuschner-Straße würde laut Gutachten Verkehr in Wohngebiete abgedrängt. Unterm Strich raten die Verkehrsplaner sowohl von der Verlängerung der Rodgau-Ringstraße als auch vom Durchstich ab.

Die Entlastung sei zu gering, die Kosten seien hoch und ungewollte negative Effekte seien zu erwarten. Stattdessen schlagen die Planer vor, die Wilhelm-Leuschner-Straße als Teil des Grundnetzes auszubauen. Die hohen Kosten von fast zehn Millionen Euro machten zusammen mit diesem Ergebnis keine großen Hoffnungen auf Zuschüsse, erklärte Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Er deutete damit eine Unverhältnismäßigkeit an, festlegen wollte er sich nicht, die Entscheidung trifft schließlich die Stadtverordnetenversammlung.

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Das nervt auf der Landstraße am meisten

Auch wenn eine Entlastung aus Sicht von Anwohnern jeden Betrag wert sei, so Hoffmann, sei die Verlängerung der Rodgau-Ringstraße wohl spätestens mit den neuen Zahlen vom Tisch. Der Bürgermeister wies die mitunter scharfen Vorwürfe und die Kritik an den Methoden zurück: „Wir können nicht wissen, wie es tatsächlich kommen wird. Auch wenn das bundeseinheitliche Messintervall ebenso wie andere Pauschalwerte nicht immer stimmen sollten, so haben wir durch die sorgsame Erhebung und Prognose alle zur Verfügung stehenden Mittel bestmöglich ausgenutzt.“

Über den CDU-Antrag zur Verkehrsuntersuchung berät das Stadtparlament nicht am kommenden Montag, sondern erst am 9. Dezember, wie Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Kaiser ankündigt. So haben Fraktionen und Fachausschüsse ausreichend Zeit, die Erkenntnisse aus der Bürgerversammlung zu berücksichtigen.

(pep)

Quelle: op-online.de

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