Entlastung für Weiskirchen gefordert

SPD legt Ringstraße in Rodgau auf Eis

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Geradeaus gehts nicht weiter: Die SPD Rodgau hat sich auf Jahre hinaus vom Weiterbau der Rodgau-Ringstraße verabschiedet.

Rodgau - Ein Weiterbau der Rodgau-Ringstraße nach Norden ist für die SPD vorerst gestorben. Die Mitgliederversammlung hat sich am Mittwoch einstimmig dafür ausgesprochen, das seit vielen Jahren diskutierte Straßenbauprojekt bis 2020 nicht weiter zu verfolgen.

Der SPD-Ortsverein zieht damit seine Konsequenz aus dem jüngsten Verkehrsgutachten. Die Sozialdemokraten fordern jedoch eine Erneuerung der Wilhelm-Leuschner-Straße auf dem besonders stark belasteten Stück zwischen Kreisel Südtrasse und August-Neuhäusel-Straße. Einen „Durchstich“ durch die Rodau-Aue von der Südtrasse zur B 45 lehnen sie ab. Zudem sei zu prüfen, wie die Hauptstraße in Weiskirchen vom Durchgangsverkehr entlastet werden kann.

Mit diesem vier Teile umfassenden Beschluss hat die SPD Rodgau ihre Position zur Verkehrsplanung im Norden der Stadt geklärt. Kernpunkt ist die Festlegung, den geplanten Weiterbau der Rodgau-Ringstraße in Richtung Obertshausen bis zum Jahr 2020 nicht weiter zu verfolgen. Erst danach soll im Licht der dann aktuellen Verkehrssituation neu entschieden werden.

Damit findet eine auch in der SPD über Jahre kontrovers geführte Diskussion ein harmonisches Ende. „Wir reagieren auf die Erkenntnisse des Gutachtens zur aktuellen Verkehrssituation im Norden unserer Stadt“, sagte der Rodgauer SPD-Vorsitzende Jürgen Kaiser. Mit dem Gutachten des Planungsbüros Habermehl und Follmann sei zum ersten Mal eine Gesamtbetrachtung der Verkehrsflüsse in Weiskirchen und Hainhausen möglich.

Drei zentralen Aussagen

Verkehrsplaner Edwin Mayer stellte das Zahlenwerk zu Beginn der SPD-Versammlung vor. Seine drei zentralen Aussagen:

  • Die Verkehrsbelastung der Ortsdurchfahrt Weiskirchen entspricht mit maximal 9 000 Fahrten an einem Werktag etwa dem Verkehr auf den Haupterschließungsstraßen in Jügesheim, Dudenhofen und Nieder-Roden.
  • Nur jede fünfte Fahrt durch Weiskirchen ist Durchgangsverkehr.
  • Die Verlängerung der Rodgau-Ringstraße würde Weiskirchen nur um bis zu 1 700 Fahrten entlasten. Jedoch wäre mit einer erheblichen Verlagerung des Verkehrs von der B 45 auf innerstädtische Straßen und die Rodgau-Ringstraße zu rechnen.

„Diese Ergebnisse haben uns wirklich überrascht und wir haben sie deshalb mehrfach überprüft“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann in der Mitgliederversammlung. Das Resultat sei eindeutig: „Unter den gegebenen Umständen wäre die Verlängerung der Rodgau-Ringstraße zum jetzigen Zeitpunkt nicht ratsam, nicht verantwortbar und sogar kontraproduktiv.“ Hinzu kämen die hohen Kosten von geschätzten 9,3 Millionen Euro. „Bei einer derart geringen Entlastungswirkung wäre ein Landeszuschuss für das Projekt äußerst unwahrscheinlich“, so Hoffmann.

Beschluss zur Rodgau-Ringstraße

Der jetzt gefasste Beschluss zur Rodgau-Ringstraße steht im Einklang mit dem Wahlprogramm der SPD Rodgau von 2011, in dem der Weiterbau der Straße unter Finanzierungsvorbehalt gestellt wurde. Dass sich die Sozialdemokraten dennoch nicht komplett von dem Projekt verabschieden, begründen sie mit theoretisch möglichen langfristigen Veränderungen der Verkehrsströme. Schließlich endet auch der Prognosehorizont des Gutachtens im Jahr 2020. Auch bei einer direkten Verbindung der Südtrasse in Hainhausen mit der B 45 (Durchstich) hat das Verkehrsgutachten aus Sicht der SPD ergeben, dass die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stünden.

Ein Ergebnis des Verkehrsgutachtens war die starke Belastung der Wilhelm-Leuschner-Straße mit innerörtlichem Verkehr. Diese wichtige Verbindung soll deshalb zwischen der Kreuzung August-Neuhäusel-Straße und dem Kreisel an der Südtrasse erneuert und an das aktuelle Verkehrsaufkommen angepasst werden, wie es in dem Beschluss heißt. Mehrere Redner machten deutlich, dass dies schnell geschehen müsse.

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Ebenso einig waren sich die Mitglieder, dass mit der Absage an die Verlängerung der Rodgau-Ringstraße das Thema Verkehr im Stadtteil Weiskirchen nicht erledigt ist. Die SPD spricht sich dafür aus, Möglichkeiten einer Entlastung der Hauptstraße zu prüfen. „Die Menschen in Weiskirchen leiden unter der Situation in der Hauptstraße“, mahnte Hermann Grosch aus Weiskirchen. Wenn die Rodgau-Ringstraße keine Abhilfe schaffen könne, müsse man andere Maßnahmen finden.

eh

Quelle: op-online.de

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